Kippkiel

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Kippkiel an einer VO-70-Regattayacht

Unter der Bezeichnung Kippkiel versteht man einen Kiel, der um eine tief im Schiff liegende Längsachse nach Luv geschwenkt werden kann, um so das aufrichtende Moment der Kielbombe zu erhöhen.

Im modernen Bootsbau wird in der Regel vom Canting-Keel gesprochen. Gebraucht werden ebenfalls die Bezeichnungen Schwenkkiel und Pendelkiel.

Die Gewichtseinsparung an der Kielbombe und der Umstand, dass das Schiff mit weniger Krängung (aufrechter) gefahren werden kann, ergibt eine höhere Schiffsgeschwindigkeit. Der Schwenkkiel ist eine bemerkenswerte, technisch jedoch noch nicht ausgereifte, Innovation im Segelsport.

Technik[Bearbeiten]

Traditionelle Flossenkiele haben den Nachteil, dass ihr aufrichtendes Moment erst zum Tragen kommt, wenn das Schiff krängt. Der Sinn des Kippkiels ist es, bereits bei geringer Krängung hohes aufrichtendes Moment zu entwickeln.

Der Kiel wird mittels Hydraulik (in seltenen Fällen auch per Seilzug) um eine Längsachse welche im Schiffsrumpf liegt geschwenkt. Es werden Konstruktionen mit einer oder zwei Hydraulik-Pressen benutzt, wobei Gewichtseinsparung gegenüber Zuverlässigkeit steht.

Problematisch ist die Durchtrittsstelle des Kiels durch den Schiffsrumpf. Die Rumpföffnung muss durch die innerhalb des Schiffsrumpfs liegende Drehachse relativ groß sein. Bei den meisten Konstruktionen wird der Schiffsrumpf mittels Gummierung gedichtet. Diese Dichtung ist zwar wasserdicht, würde aber dem Wasserdruck bei hohen Geschwindigkeiten nicht standhalten. So wird der Durchtritt durch den Rumpf (zusätzlich) mittels sogenannter Bombentüren gesichert, was neben der Abdichtung auch hydrodynamischen Gesichtspunkten zugutekommt.

Um die Abdrift des Schiffes zu verringern, müssen bei Kippkielern ein oder mehrere zusätzliche Schwerter eingesetzt werden.

Probleme[Bearbeiten]

Problematisch ist an erster Stelle der Preis dieser aufwändigen Kielkonstruktion. Bisher wird sie fast ausschließlich bei wenigen Regattaschiffen verwendet (Schock 40, Cookson, Volvo Open 70, Open 60, Mini 650). Auf normalen Fahrtenyachten hat diese Technik daher bis jetzt keinen Einzug gehalten. Dies liegt neben den hohen Kosten auch am benötigten Platz und der noch nicht vollständig ausgereiften Technik.

Das Volvo Ocean Race 2005-2006 war eine der ersten Langstrecken-Hochsee-Regatten, bei der diese Technik eingesetzt wurde. Mehrere Schiffe hatten Probleme mit dieser Technik; dies führte schließlich sogar zum Verlust eines Schiffes. Der Fehler lag an den unterschätzten dynamischen Kräften, denen die Kielkonstruktion bei hohen Geschwindigkeiten und Seegang unterliegt. Meist traten Probleme an den hydraulischen Stempeln der Kielverstellung sowie der Abdichtung der Kieldurchtrittsstelle am Rumpf auf.

Quellen[Bearbeiten]