Kirchner Museum Davos

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Das Kirchner Museum, Nordfassade mit Besuchereingang

Das Kirchner Museum in Davos zeigt Werke des expressionistischen Künstlers Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) am Ort ihrer Entstehung. Davos und seine Umgebung inspirierten ihn zu einer grossen Anzahl wichtiger Arbeiten.

Sammlung[Bearbeiten]

Die Sammlung umfasst zahlreiche Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, druckgrafische und textile Werke sowie nahezu alle Skizzenbücher und Fotografien des Künstlers. Alle wichtigen Themen im Schaffen Kirchners sind repräsentativ vertreten: Atelier-, Akt- und Zirkusszenen, Porträts, Figuren- und Landschaftsbilder von der «Brücke»-Zeit bis zum Schweizer Spätwerk. Die Mehrzahl der Werke stammt aus der Davoser Zeit: Kirchners ständige Auseinandersetzung mit der ihn beeindruckenden Bergwelt und die Verbundenheit mit ihren Bewohnern sind unmittelbar zu spüren. Hinzu kommen zahlreiche Dokumente zum Leben und Werk des Künstlers und eine umfangreiche Bibliothek zum Expressionismus. Das Kirchner Museum Davos versteht sich auch als wissenschaftliche Forschungsstätte zur Klassischen Moderne.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Davos mit Kirche (Davos im Sommer), 1925

Das Kirchner Museum wurde 1982 in Davos gegründet und war im alten Postgebäude in Davos Platz untergebracht. Der Schweizer Kunstsammler und -händler Eberhard W. Kornfeld, der schon in den 1960er Jahren Kirchners letztes Wohnhaus in Frauenkirch bei Davos erworben und dort seine Kirchner-Sammlung an Wochenenden für das Publikum geöffnet hatte, war massgeblich am Aufbau beteiligt.[2] Am 4. September 1992 wurde der vom Kirchners Nachlassverwalter Roman Norbert Ketterer gestiftete Neubau eröffnet. Die Sammlung umfasste bereits 519 Werke. 500 Werke und 160 Skizzenbücher mit fast 10 000 Zeichnungen wurden anlässlich der Einweihung des Neubaus allein aus dem Nachlass des Künstlers gestiftet, 1994 sollten weitere 700 Werke sowie zahlreich erhaltene Negative der Fotografien Kirchners hinzukommen.[3] Nach Umbauarbeiten eröffnete zum 30-jährigen Geburtstag des Museums am 9. Dezember 2012 die Ausstellung Kirchners Sammler, Mäzene, Museum. Dreissig Jahre Kirchner Museum Davos: Die Sammlung, die bis zum 21. Juni 2013 zu sehen war.

Gebäude[Bearbeiten]

Das Kirchner Museum Davos war der erste grosse Auftrag, den die Zürcher Architekten Annette Gigon und Mike Guyer zur Ausführung brachten. Inzwischen gilt es als wegweisend für eine neue Auffassung in der Museumsarchitektur, die Funktionalität und Ästhetik, architektonischen Eigenwert und Dienst an der Kunst auf aussergewöhnliche Weise verbindet. Ausgehend von den regionalen Gegebenheiten (Klima- und Lichtverhältnisse, Davoser Flachdacharchitektur), aber vor allem vom Gedanken an eine ideale Begegnung von Mensch und Kunstwerk entwarfen die Architekten vier Kuben als Ausstellungssäle. Sie sind verbunden durch eine verzweigte, mit breiten Fensterfronten versehene Wandelhalle, die zum Ort der Besinnung wird – und zugleich einen Ausblick auf die für Kirchner so prägende alpine Landschaft eröffnet. Die Fassade ist komplett mit Glas verkleidet – opake im Wechsel mit klaren Elementen. Das Dach (die sogenannte 5. Fassade) ist mit einer Schüttung aus Bruchglas versehen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kirchner Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schweizer Museumsführer. 11. Auflage 2010, Friedrich Reinhard Verlag, Basel. Stichwort „Kirchner Museum Davos“ S. 146.
  2. art.port.co: Eberhard W. Kornfeld: Wege der Moderne, abgerufen am 16. November 2010
  3. Quelle: Hommage à Roman Norbert Ketterer, in: 90 Zeichnungen für 90 Jahre, Kat. Ausst. Galerie Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern, Katalog 62, 2001, S. 5–8

46.8001388888899.8266666666667Koordinaten: 46° 48′ 0,5″ N, 9° 49′ 36″ O; CH1903: 782274 / 185993