Klaviersonate Nr. 24 (Beethoven)

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Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 24 Fis-Dur op. 78 entstand im Jahre 1809 und ist der Gräfin Therese von Brunsvik gewidmet.

Die Sonate steht in der auch bei Beethoven sehr seltenen Tonart Fis-Dur, die in seinem Sonatenwerk kein zweites Mal auftritt.[1]. Die Aufführungsdauer des zweisätzigen Werkes beträgt unter zehn Minuten, wobei der erste Satz mehr als doppelt so lang ist wie der zweite.

Aufbau[Bearbeiten]

  • Erster Satz: Adagio cantabile, 2/4 Takt;Allegro ma non troppo, 4/4 Takt, Fis-Dur, 106 Takte
  • Zweiter Satz: Allegro vivace, Fis-Dur, 2/4 Takt, 183 Takte

Erster Satz[Bearbeiten]

Die viertaktige Adagio-cantabile-Einleitung ist eine ruhige über eine Oktave aufsteigende Kantilene, die über Cis- und H-Dur wieder nach Fis-Dur zurückführt; im Bass steht diesem harmonischen Ablauf eine beständige tiefe Fis-Oktave entgegen.

Beim danach einsetzenden Allegro ma non troppo liegt die Betonung offensichtlich auf ma non troppo; denn es beginnt ebenfalls mit einer ruhigen Melodie, die in Satz und Stimmführung an Schubert erinnert,[1] So wird in den Takten sechs bis acht die in Akkorden und Oktaven der rechten Hand geführte Melodie von der linken Hand in der Mittel- und Bassstimme im Terzabstand abwärts „mitgesungen“. Beethoven führt dieses Motiv jedoch nicht weiter aus; es schließt sich unvermittelt eine bewegtere Passage in Sechzehnteln und Achteltriolen (Takt 8 bis 11) und nach einer kurzen akkordischen Episode eine längere (Takt 18-27) Überleitung in unruhigen Sechzehnteln der rechten Hand zum zweiten Thema an. Auch dieses dauert vier Takte und besteht aus einer bewegten Achteltriolenfigur, für die Beethoven dolce vorschreibt. Danach endet die Exposition mit einer Kombination kurzer akkordischer Akzente und weiträumiger Sechzehntelbewegung. Erstmals – bis auf eine Ausnahme in Takt 17 – erscheinen nun auch forte- und sforzando-Vorschriften.

In der Durchführung (Takt 39-56) nimmt Beethoven zweimal kurz das erste Thema auf – zunächst in fis-Moll −, stellt dann aber (ab Takt 45) nur noch ein kurzes rhythmisches Motiv der linken Hand in wechselnden Lagen einer ununterbrochenen Sechzehntelbewegung der rechten Hand gegenüber.

Die Reprise folgt im Ablauf mit einigen Weiterungen – insbesondere Takt 66-76 – der Exposition, es schließt sich eine kurze Coda an (ab Takt 98), die das erste Thema noch einmal variierend aufnimmt, ihm aber in der linken Hand eine bis zum Ende durchlaufende Sechtzehntelfigur gegenüberstellt. Ungewöhnlicherweise schreibt Beethoven in diesem ersten Satz auch die Wiederholung von Durchführung und Reprise vor.

Zweiter Satz[Bearbeiten]

Der zweite Satz stellt einer rhythmisch betonten und von dynamischen Kontrasten geprägten akkordischen Passage (Takte 1-11, 32-42; 89-99; 150-159) wild bewegte Sechzehntelsequenzen gegenüber, in denen immer wieder auch beide Hände repetierend – also die gleichen Noten im Wechsel spielend – eingesetzt werden. Die Coda (ab Takt 160) beschränkt sich zunächst auf den rhythmisch prägnanten zweiten Teil des ersten Themas und schließt nach zwei ganztaktigen Fermaten (Takt 175 f.) und einem Aufstieg über vier Oktaven mit einer kurzen Wiederkehr der Sechzehntelsequenzen im Fortissimo. In diesem (unterschätzten) Satz Schnelligkeit und Klarheit, Kraft und Leichtigkeit zu verbinden, ist sehr schwer.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Mauser, S. 111 f.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Kaiser, Beethovens 32 Klaviersonaten und ihre Interpreten, Frankfurt 1979
  • Siegfried Mauser, Beethovens Klaviersonaten, Ein musikalischer Werkführer, 2. Auflage, München 2008