Kleines Mausohr

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Kleines Mausohr
Lesser Mouse-Eared Bat.jpg

Kleines Mausohr (Myotis blythii)

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
Gattung: Mausohren (Myotis)
Art: Kleines Mausohr
Wissenschaftlicher Name
Myotis blythii
(Tomes 1857)

Das Kleine Mausohr (Myotis blythii) ist eine Fledermaus-Art aus der Gattung der Mausohren, die 1857 von Robert Fisher Tomes erstmals beschrieben wurde. Der wissenschaftliche Artname ehrt den britischen Zoologen Edward Blyth.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Kleine Mausohr ähnelt sehr dem etwas größeren Großen Mausohr. Es erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 62 bis 71 (selten ab 54, bzw. bis 76) Millimeter und ein Gewicht von 15 bis 28 Gramm. Die Spannweite beträgt 380 bis 400 Millimeter, die Condylobasallänge 17,2 bis 18,5 Millimeter. Der Schwanz ist 53 bis 59 (maximal 60) Millimeter lang, die Ohren 19,8 bis 23,5 (maximal 26) Millimeter und der Unterarm 52,5 bis 59 (maximal 62,5) Millimeter. Die Ohren sind schmal und kürzer als die des Großen Mausohrs. Der Vorderrand der Ohren ist nicht so stark nach hinten gekrümmt, und die Ohren laufen spitzer zu. Der Tragus ist an der Basis schmaler, lanzettförmig und wird fast halb so lang wie das Ohr. Der Außenrand des Ohres weist 5 bis 6 Querfalten auf. Die Schnauze ist im Vergleich zum Großen Langohr schmaler und spitzer, wodurch sie länger wirkt. Das Fell ist kurz, und die Haarbasis ist dunkelgrau. Die Oberseite ist grau mit einer bräunlichen Tönung, die Unterseite dagegen ist grauweiß. Ohren, Schnauze und Flughäute sind hell graubraun. Der Tragus ist hell gelblich weiß. Die Flughaut der Arme setzt an der Basis der Zehen an. Der Sporn wird ungefähr halb so lang wie die Schwanzflughaut und weist einen schmalen Hautsaum auf. In der Schweiz gefundene Tiere haben meist einen hellen Fleck zwischen den Ohren.[1] Weitere Anomalien bezüglich der Färbung sind bislang nicht bekannt.

Bei einer karyologischen Untersuchung dreier weiblicher Tiere aus dem Iran wurde eine Chromosomenzahl von 2n = 44 festgestellt.[2]

Verbreitung[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet des Kleinen Mausohrs umfasst Südeuropa und den Mittelmeerraum. Im Norden ist die Art bis Spanien, Südost-Frankreich, Schweiz, Österreich, Slowakei, Ungarn, Rumänien und Moldawien anzutreffen. In der Schweiz und in Österreich gibt es nur vereinzelte Funde.

Lebensraum[Bearbeiten]

Das Kleine Mausohr kommt in wärmebegünstigten Gebieten in lockeren Baum- und Buschbeständen, Parks, Karstgebieten, aber auch in Ortschaften vor. Die Art wurde bis in Höhenlagen von 1000 Meter nachgewiesen.

Lebensweise[Bearbeiten]

Kleines Mausohr im Flug

Die Wochenstuben befinden sich hauptsächlich in warmen Höhlen, es werden aber auch Dachböden angenommen. Sie umfassen bis zu 5000 Tiere. Die Quartiere werden häufig mit Langflügelfledermäusen und Hufeisennasen geteilt, gelegentlich auch mit dem Großen Mausohr.[1] Selten sind Einzeltiere auch in Baumhöhlen zu finden. Die Winterquartiere sind Höhlen und Stollen, in denen bei 6 bis 12 °C überwiegend frei hängend überwintert wird. Das Kleine Mausohr ist eine wanderfähige Art, die weiteste nachgewiesene Wanderung ging 600 km weit.

Die Paarungszeit beginnt im Herbst und dauert wahrscheinlich bis ins Frühjahr. Männchen können einen Harem aus mehreren Weibchen haben. Die Weibchen bringen ein Junges zu Welt.

Kleine Mausohren werden bis zu 13 Jahre alt. Sie jagen in der Dunkelheit oder der späten Dämmerung. Ihr Flug ist gleichmäßig und langsam, sie sind auf engem Raum wendiger als das Große Mausohr. Nahrung wird vermutlich auch vom Boden aufgenommen. Erbeutet werden Käfer und Nachtfalter.

Belege[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Klaus Richarz. Fledermäuse beobachten, erkennen und schützen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2004 ISBN 978-3-440-09691-8
  2. Ahmet Karataş, Muhammed Mouradi Gharakheloo, Teoman Kankiliç: Karyotypes of Two Iranian Bat Species, Myotis blythii and Miniopterus schreibersii (Chiroptera: Vespertilionidae, Miniopteridae). Turk J Zool, 32 (2008) 305-308 (online; PDF-Datei; 314 kB)

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried Schober, Eckard Grimmberger: Die Fledermäuse Europas. Franckh'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1987. ISBN 3-440-05796-8

Weblinks[Bearbeiten]