Koppelnavigation

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koppelnavigation oder Koppelung (koppeln, verbinden), engl. dead reckoning, ist die laufende näherungsweise Ortsbestimmung (Ortung) eines bewegten Objekts auf Grund von Bewegungsrichtung (Kurs) und Geschwindigkeit (Fahrt).

zeichnerische Darstellung einer Besteckversetzung BV

Der Kurs wird mit dem Kompass gemessen, die Messungen der Schiffsgeschwindigkeit erfolgt mit dem Log, die der Fluggeschwindigkeit mit dem Fahrtmesser. Diese Instrumente bestimmen die Geschwindigkeit nur relativ zum umgebenden Medium Wasser bzw. Luft. Zusätzlich müssen Beschickungen für die Versetzung durch Strom und Wind angebracht werden, um Fahrt und Kurs über Grund errechnen oder abschätzen zu können.

In Kombination mit genauen Uhren, einem Kreiselkompass und Geschwindigkeitsmessern wurde ab 1909 eine Teilautomatisierung der Koppelung und die Darstellung der Position auf einem automatischen Koppeltisch möglich.

Unter günstigen Bedingungen liegt der Messfehler beim Koppeln unter 5 % der Wegstrecke. Sobald möglich, wird ein erneuter Ausgangspunkt für die weitere Koppelung etwa mit Hilfe astronomischer Navigation oder in neuerer Zeit durch Funknavigationsmittel, bestimmt.

Als Besteckversetzung (BV), auch Besteckversatz, bezeichnet man den Vektor vom Loggeort (Og, auch Ok für Koppelort)[Anm. 1] zu dem für den gleichen Zeitpunkt festgestellten wahren Ort (Ow auch Ob für beobachteten Ort). Der Betrag der Besteckversetzung wird als gemessener Weg in Seemeilen angegeben, ihre Richtung rechtweisend in Kompassgraden.

Im Sichtflug heißt die recht grobe Koppelnavigation in der Fliegersprache auch „Franzen“ (benannt nach dem Spitznamen für den Navigator – „Franz“ – der sich auch mal „verfranzen“ konnte).

Zur Automatisierung und Steigerung der Genauigkeit – insbesondere für die Flugnavigation – wurden in den letzten Jahrzehnten neue Methoden wie die Dopplernavigation (Radarantennen mit Dopplereffekt) und die Trägheitsnavigation entwickelt. Sie erlauben inzwischen bordautonome Genauigkeiten im Bereich von 1 ‰ des zurückgelegten Wegs und sind heute Bestandteil der integrierten Navigation.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Terheyden, Karl (Hrsg.): Müller-Krauß, Handbuch für die Schiffsführung. Band 1, Navigation, Teil A. Springer Verlag, Berlin 1983, ISBN 3-540-10889-0.
  • H. Kärsten: Nautisches Taschenbuch. Fachbuchverlag Leipzig, 235 S., 153 Abb. 1955.
  • Winfried Böhm: Handbuch der Navigation. Bussesche Verlagshandlung GmbH, Herford, 246 S. 1978, ISBN 3-87120-323-8.
  • Niels Klußmann und Arnim Malik : Lexikon der Luftfahrt. Springer, Berlin, 2007.

Fußnoten/Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. ehemals gegißter Ort bzw. gegißtes Besteck