Krabat (Roman)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Krabat (Preußler))
Wechseln zu: Navigation, Suche

Krabat ist ein Jugendbuch von Otfried Preußler. Es basiert auf einer sorbischen Volkssage und erzählt die Geschichte des gleichnamigen Jungen, der Lehrling eines Zaubermeisters wird und sich gegen diesen behaupten muss.

Inhalt[Bearbeiten]

Der Roman spielt in der Lausitz während des Großen Nordischen Kriegs. Der 14-jährige, sorbische Waisenjunge Krabat tritt eine Lehrstelle in einer Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm an. Die Mühle stellt sich jedoch schon nach kurzer Zeit als eine „Schwarze Schule“ heraus, in der der Müllermeister jeweils zwölf Mühlknappen in der Schwarzen Kunst unterrichtet.

Krabat gefällt zunächst die Lehrzeit in der Mühle und der Schwarzen Schule. Ihn fasziniert die Macht, die man mittels Magie über andere Menschen ausüben kann. Er freundet sich auch mit den Gesellen an, insbesondere mit Tonda, dem Altgesellen, der ihm zum Vorbild wird. Doch Tonda stirbt auf mysteriöse Art und Weise am Ende des ersten der drei Jahre, die Krabat in der Mühle verbringt, und ein neuer Lehrjunge namens Witko nimmt zu Jahresbeginn seinen Platz ein. Auch nach Ablauf des zweiten Jahres stirbt ein weiterer Geselle namens Michal bei einem rätselhaften Unfall und wird durch Krabats Freund Lobosch ersetzt. Krabat durchschaut erst nach und nach das furchtbare Spiel, dessen Teil er geworden ist: Der Meister, der sich dem Bösen verschrieben hat, muss am Ende eines jeden Jahres einen seiner Schüler opfern. Andernfalls müsste er selbst sterben. Dazu sucht er sich den jeweils besten Schüler heraus, bevor dieser genügend gelernt hat, um ihm im Zweikampf gefährlich werden zu können.

Um dem Meister die Stirn bieten zu können, übt Krabat sich in der Schwarzen Kunst und wird schließlich zum besten Schüler. Kraft gibt ihm die Liebe zu einem Mädchen aus dem nächsten Dorf, der „Kantorka“ (so die sorbische Bezeichnung für die Vorsängerin der Ostergesänge), deren Namen er aber nicht kennt. Mit ihr trifft er sich heimlich, nachdem er ihr oft in Träumen begegnet ist.

Einer der Gesellen, Juro, gilt zwar als Dummkopf, versteckt sich jedoch nur hinter seiner vorgetäuschten Dummheit. Er vertraut Krabat eine seiner Entdeckungen an: Die Liebe eines Mädchens zu einem der Müllerburschen kann den Meister besiegen. Dazu muss das Mädchen in der Silvesternacht in der Mühle erscheinen und ihren Geliebten freibitten, vorher jedoch eine Probe auf Tod und Leben bestehen. Lange ringt Krabat mit sich, ob er der Kantorka das zumuten möchte, doch sie entscheidet sich schließlich selbst dafür, diesen Weg zu gehen.

Der Meister, der von diesen Vorgängen nichts weiß, stellt Krabat am Ende des dritten Lehrjahres vor die Wahl, ob er die Nachfolge des Meisters antreten möchte. Krabat lehnt dieses Angebot jedoch mit Entschiedenheit ab: Er will sich nicht schuldig oder mitschuldig machen am Tode eines Mitgesellen. Darauf entscheidet der Meister, dass Krabat in diesem Jahr geopfert wird. In der Silvesternacht erscheint jedoch die Kantorka und fordert vom Meister Krabats Freiheit. Als Probe muss sie Krabat unter seinen elf Mitgesellen, die zuvor alle vom Meister in Raben verwandelt wurden, herausfinden. Krabat bekommt Angst um ihr Leben und macht sich große Vorwürfe. Sie spürt das und erkennt ihn daran – Krabat und seine Mitgesellen sind frei. Der Meister stirbt in der Silvesternacht, und die Mühle geht in Flammen auf, so dass sie alle frei sind.

Entstehung[Bearbeiten]

Otfried Preußler schrieb – mit Unterbrechungen – zehn Jahre an Krabat. Als Vorlage diente ihm die sorbische Volkssage von Krabat, die Ende des 17. Jahrhunderts nahe dem Ort Schwarzkollm in der Oberlausitz zwischen Hoyerswerda (Wojerecy) und Kamenz (Kamjenc) spielt. Die Geschichte des Lehrlings, der sich gegen seinen Meister behaupten muss und ihn zum Kampf herausfordert, findet sich auch in vielen anderen Sagen, ebenso wie das Motiv der Erlösung durch die Liebe.

Preußler sagte über sein Buch:[1]

„Mein Krabat ist […] meine Geschichte, die Geschichte meiner Generation und die aller jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken.“

Die Erstausgabe erschien 1971 im Arena-Verlag, seit 1981 erscheint das Buch im Thienemann-Verlag. Die Illustrationen sowohl der Standardausgabe (s/w) als auch der 2005 erschienenen sepia-farbigen Luxusausgabe stammen von Herbert Holzing. Das Buch wurde mittlerweile in 31 Sprachen übersetzt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Krabat wurde u. a. 1972 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis und dem Polnischen Jugendbuchpreis ausgezeichnet; 1973 erhielt das Werk den holländischen Jugendbuchpreis Silberner Griffel von Rotterdam, den Europäischen Jugendbuchpreis der Universität Padua sowie den American Library Association Award als Notable Book of 1973; 1977 den Jugendbuchpreis des polnischen Verlegerverbandes.[2]

Künstlerische Adaption[Bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Nach dem Buch schuf der tschechische Trickfilmer Karel Zeman 1977 unter dem Titel Čarodějův učeň einen hochgelobten Film. In der deutschen Fassung sprach Friedrich Schütter den Müllermeister.[3]

Eine Realverfilmung Krabat unter der Regie von Marco Kreuzpaintner entstand von 2006 bis 2008. Die Uraufführung fand am 23. September 2008 in der Lichtburg Essen statt. Der Film kam in Deutschland am 9. Oktober 2008 ins Kino.[4]

Hörspiel[Bearbeiten]

  • Das Hörspiel-Label Karussell hat im Jahr 1983 eine dreiteilige Hörbuchreihe produziert, in der Otfried Preußler sein Buch vorliest.[5]
  • Zusammen mit der Realverfilmung ist 2008 auch ein Hörspiel im Jumbo-Verlag entstanden, das das Buch von Preußler erzählt und dabei die Originalstimmen aus dem Film mit einbindet. Dietmar Mues fungierte hierbei als Erzähler.[6]
  • Der Westdeutsche Rundfunk produzierte 2010 ein vierteiliges Kinderhörspiel[7] (44:04 min[8], 46 min[9], 46 min[10], 45:49 min[11])

Dramatisierungen und Vertonungen[Bearbeiten]

  • Die Oper Krabat (1982) von Cesar Bresgen wurde 1983 nach einer Bühnenfassung von Preußler uraufgeführt.
  • 1994 wurde das Theaterstück Krabat von Nina Achminow im Prinzregententheater München uraufgeführt. (Regie: Alexander Schulin, Musik: Estampie, Darsteller: Konstantin Moreth, Joseph Hannesschläger, Juliane Kosarev)
  • Im Mai 2007 erlebte Fredrik Zellers Oper Krabat am Nationaltheater Mannheim im Rahmen des Programms Junge Oper ihre Uraufführung.
  • 2008 wurde Preußlers Krabat in einer Bearbeitung von Horst Hawemann, Annette Trümper und Christopher Gottwald im Nürnberger Theater Pfütze uraufgeführt.
  • Krabat wurde von ASP im 2008 erschienenen Album „Zaubererbruder – Der Krabat-Liederzyklus“ musikalisch umgesetzt.
  • Das Schweizer Theater-Pack inszenierte Preußlers Jugendroman Krabat als Licht- und Schattentheater mit Menschenschatten und Masken.[12]
  • 2012 wurde Krabat am Staatstheater Oldenburg vom Ensemble der August-Hinrichs-Bühne in Niederdeutscher Sprache uraufgeführt. Die Übersetzung stammt von Cornelia Ehlers, die Bearbeitung und Inszenierung von Michael Uhl.
  • 2013 wurde Krabat – Ein Ballett in drei Akten nach Otfried Preußler am Stuttgarter Ballett uraufgeführt. Die Choreographie stammt von Demis Volpi, Libretto und Dramaturgie von Vivien Arnold.

Literatur[Bearbeiten]

  • Otfried Preußler: Krabat. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1980, ISBN 3-423-02540-9.
  • Otfried Preußler: Krabat. Schulausgabe mit Materialien. Thienemann, Stuttgart 1988, ISBN 3-52214-410-4.
  • Otfried Preußler, Heinrich Pleticha: Krabat – Lehrerbegleitheft. Thienemann, Stuttgart 1988, ISBN 3-52214-450-3.
  • Kristin Luban (Hrsg.): Krabat: Analysen und Interpretationen, Cottbus 2008, ISBN 978-3940471086
  • Johannes Diekhans (Hrsg.), Timotheus Schwake: Otfried Preußler, Krabat. Unterrichtsmodell in der Reihe EinFach Deutsch. Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-14-022331-7.
  • Heiko Fritz: Das Mysterium der Mühle. Mit einer Deutung der Geschehnisse in Otfried Preußlers Roman „Krabat“. 1. Auflage. Igel, Oldenburg 2002, ISBN 3-89621-147-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen über Krabat auf der Website von Otfried Preußler
  2. Informationen auf preussler.de
  3. Krabat (1977) in der Internet Movie Database (englisch)
  4. Krabat (2008) in der Internet Movie Database (englisch)
  5. Website des Hörspiels von Karussell
  6. Website des Hörspiels vom Jumbo-Verlag
  7. Meldung zur Hörspielproduktion des WDR auf fantasy-news.com
  8. Wiederausstrahlung auf Deutschlandradio Kultur am 2. Oktober 2011, 14.05 Uhr
  9. Wiederausstrahlung auf Deutschlandradio Kultur am 3. Oktober 2011, 14.05 Uhr
  10. Wiederausstrahlung auf Deutschlandradio Kultur am 9. Oktober 2011, 14.05 Uhr
  11. Wiederausstrahlung auf Deutschlandradio Kultur geplant am 16. Oktober 2011, 14.05 Uhr Abgerufen am 9. Oktober 2011
  12. http://www.theaterpack.ch/st%C3%BCcke/krabat/
Dieser Artikel existiert auch als Audiodatei.
Gesprochene Wikipedia Dieser Artikel ist als Audiodatei verfügbar:
Speichern | Informationen | 7:45 min (4,42 MB) Text der gesprochenen Version (1. August 2012)
Mehr Informationen zur gesprochenen Wikipedia