Kreuzblumen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Kreuzblumen aus der botanischen Gattung der Kreuzblumengewächse, die gotische Schmuckform siehe Kreuzblume.
Kreuzblumen
Schopfige Kreuzblume (Polygala comosa)

Schopfige Kreuzblume (Polygala comosa)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Kreuzblumengewächse (Polygalaceae)
Gattung: Kreuzblumen
Wissenschaftlicher Name
Polygala
L.

Die Kreuzblumen (Polygala) bilden die artenreichste und am weitesten verbreitete Gattung der Kreuzblumengewächse (Polygalaceae). Die Gattung Polygala wird in manchen Florenwerken auch Kreuzblümchen genannt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Blüten der Kreuzblumen stehen in Trauben oder Doppeltrauben. Sie sind kurz gestielt, haben ein Tragblatt und an der Basis des Blütenstiels zwei Vorblätter. Die fünf Kelchblätter sind frei, die seitlichen groß und kronblattartig. Es sind drei Kronblätter vorhanden, das mediane (untere) ist kahnförmig, vorne oft mit einem gefransten Anhängsel (Krista) versehen, die beiden oberen sind frei und bei manchen Arten (z.B. bei den einheimischen) jeweils mit dem unteren bis etwa zur Ansatzstelle des Anhängsels verwachsen. Die acht Staubgefäße bilden mit den Staubfäden eine oben offene Röhre und sind mit der Kronröhre auf ganzer Länge verwachsen. Der Fruchtknoten ist zweifächrig; die Frucht eine loculizide Kapselfrucht. Die Staubbeutel haben bei den mitteleuropäischen Arten drei Theken (P. chamaebuxus) oder zwei Theken (übrige Arten). Die Samen besitzen ein dreilappiges Elaiosom.

Ökologie[Bearbeiten]

Die meisten einheimischen Polygala-Arten sind vorwiegend autogam, selten kommt auch Fremdbestäubung vor; und zwar meist durch Schmetterlinge und Hautflügler. Außer bei Polygala chamaebuxus erfolgt die Bestäubung einheimischer Polygala-Arten folgendermaßen: Direkt hinter dem Anhängsel des unteren Kronblatts befinden sich seitlich zwei Taschen, in denen je vier der acht Staubbeutel liegen. Über diesen liegt der vordere, am Ende löffelartig verbreiterte Teil des Griffels. Hinter diesem Löffel befindet sich die höckerige, klebrige Narbe. Die Staubbeutel entleeren ihren Pollen in den Löffel. Die Insekten landen auf dem gefransten Anhängsel und schieben ihren Rüssel in die Kronröhre, um an dessen Ende an den Nektar zu gelangen. Dabei streift der Rüssel über die klebrige Narbe. Beim Zurückziehen bleibt an ihm Pollen hängen. Beim Besuch der nächsten Blüte wird der Pollen an deren Narbe abgeladen. Befindet sich sehr viel Pollen im Griffellöffel, kann ihn der Rüssel beim Vordringen auf die Narbe schieben, so dass es zur Selbstbestäubung kommt; ebenso kommt es dazu, wenn ein Blütenbesuch ausbleibt, dann krümmt sich der Narbenhöcker nach vorne und gegen den Löffel und wird dann durch den eigenen Pollen bestäubt. Alle Arten sind weitgehend selbstfertil; selbstbestäubte Blüten haben nur einen geringfügig verminderten Samenansatz und eine ganz normale Keimung.

Verbreitung[Bearbeiten]

Außer in Australien ist die Gattung Kreuzblumen weltweit mit ca. 500 Arten vertreten, damit ist sie die größte Gattung in der Familie der Kreuzblumengewächse. In Deutschland sind 12 Arten bekannt. Am Rande des Verbreitungsgebietes, wie auch in Mitteleuropa, herrschen krautige Gewächse vor. Weiter nach Süden treten auch Zwergsträucher auf.

Arten (Auswahl)[Bearbeiten]

Die Gattung Kreuzblumen (Polygala) umfasst etwa 600 Arten, darunter aus Mitteleuropa:

Weitere der etwa 33 Arten in Europa sind (Auswahl):

Illustration derKlapperschlangenwurzel (Polygala senega)

Und außerhalb Europas:

  • Myrten-Kreuzblume (P. myrtifolia L.); Heimat: Südafrika, in Australien, Neuseeland und stellenweise in Frankreich, in Korsika und Sizilien eingebürgert
  • Klapperschlangenwurzel (Polygala senega L.); Heimat: Prärien des östlichen Nordamerika. Wurde von den Senega-Indianern als Heilmittel gegen Husten und bei Klapperschlangenbissen verwendet. Die Wirkstoffe sind Triterpensaponine wie die Senegine, Oligosaccharidester (z.B. Senegosen) und geringe Mengen von Methylsalicylat. Vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Droge auch in Europa bei Katarrhen der Atemwege eingesetzt; später wurde sie durch die heimische Primelwurzel ersetzt.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 4, Ulmer Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-8001-3315-6.
  • R. Wisskirchen, H. Haeupler: Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Ulmer-Verlag, 1998, ISBN 3-8001-3360-1.
  • Siegfried Danert: Polygalaceae. Urania Pflanzenreich in 4 Bänden, Band Blütenpflanzen 2, 2. Auflage. 1976, S. 54–55.
  • Werner Greuter, H.M. Burdet, G. Long: Med-Checklist. Band 4, Conservatoire et Jardin botaniques, Genève 1989, ISBN 2-8277-0154-5, S. 345–351.

Belege[Bearbeiten]

  1. Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09387-5, S. 352–353.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kreuzblumen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien