Land-Reitgras

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Land-Reitgras
Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos)

Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Reitgräser (Calamagrostis)
Art: Land-Reitgras
Wissenschaftlicher Name
Calamagrostis epigejos
(L.) Roth

Das Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos), auch als Sand-Reitgras, Sandrohr, Landrohr, Landschilf oder Waldschilf genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Süßgräser (Poaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration
Land-Reitgras auf der Lichtung eines Kiefernforstes.

Das Land-Reitgras ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 80 und 150 cm erreicht. Es bildet lange, unterirdisch kriechende Ausläufer. Die kräftigen Halme sind in der oberen Hälfte rau. Die blau- bis graugrünen Blattspreiten werden bis zu 70 cm lang und 2 cm breit und sind oberseits sehr rau mit einem scharfen Rand. Die bis zu 9 mm langen Blatthäutchen (Ligulae) sind kräftig.

Die Blütezeit reicht Juli bis August. Die rispigen Blütenstände sind schmal und stehen aufrecht. Die dicken Rispenäste werden bis zu 10 cm lang, sind aufrecht und ebenfalls rau. Die Ährchen werden zwischen 5 und 7 mm lang und sind einblütig. Die Hüllspelzen sind linealisch geformt und grannenartig spitz. Die mit einem Haarkranz versehenen Deckspelzen sind dreinervig. Die Granne über der Mitte der Deckspelze ist rückenständig und überragt diese um mehr als ein Drittel.

Ökologie[Bearbeiten]

Es ist mäßig anspruchsvoll und überdauert den Winter als teils wintergrüner Geophyt und Hemikryptophyt. Als Wurzelkriechpionier kann es in Kahlschlägen die Waldverjüngung hemmende Herden ausbilden. Die Vegetative Vermehrung erfolgt sehr zahlreich durch die sehr langen, dünnen, unterirdischen Rhizome. Das Land-Reitgras ist ein Rhizom-Geophyt, der bis 2 m tief wurzelt. Die Wurzeln sind sehr stärkereich; die Stärkekörner sind zusammengesetzt.

Blütenbiologisch handelt es sich um den „Langstaubfädigen-Typ“. Die Bestäubung erfolgt durch den Wind.

Es liegen sogenannte „Spelzfrüchte“ vor. Die Ausbreitungseinheit (Diasporen) sind die von den Spelzen umhüllten Karyopsen, die sich als Schirmchenflieger, Wasser- und Kletthafter ausbreiten. Die Fruchtreife erfolgt von August bis Oktober.

Vorkommen[Bearbeiten]

Das eurasisch verbreitete Land-Reitgras kommt auch in ganz Deutschland vom Tiefland bis in mittlere Gebirgslagen vor (in Österreich Höhenlagen von bis zu 1140 Meter). Später im Jahr, nach der eigentlichen Blütezeit, sind die Blütenstände immer noch gut zu sehen. Es ist an trockenen bis mäßig frischen, häufig wasserzügigen, humosen oder auch rohsandigen/-lehmigen Stellen zu finden. Vor allem in lichten Laub- und Nadelwäldern, auf Waldschlägen, an Weg- und Feldrändern, auf Küsten- und Binnendünen sowie an feuchten Flussufern kommt die Art häufig vor. Im Osten Nordamerikas tritt sie als Neophyt auf.

Der Gewöhnliche Strandhafer (Ammophila arenaria) bildet durch Kreuzung mit dem Land-Reitgras einen Gattungsbastard, den Baltischen Strandhafer (Calammophila baltica, Syn.: Ammocalamagrostis baltica).

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für das Land-Reitgras bestehen bzw bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Hügelrohr, Reid und Siegrühr (Siebenbürgen im Rauthal).[1]

Verwendung[Bearbeiten]

Das Land-Reitgras ist als Streugras und zur Dünenbepflanzung verwendbar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1828-7
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1. (Abschnitt Ökologie)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Land-Reitgras – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 71, online.