Landesvertretung der Freien und Hansestadt Hamburg (Bonn)

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Ehemalige Hamburger Landesvertretung, heute Sitz der FORIS AG (2013)

Die Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund war von 1950 bis 2000 im Bonner Parlaments- und Regierungsviertel ansässig. Das ehemalige Gebäude der Landesvertretung, eine 1907–09 errichtete Doppelvilla, liegt im Ortsteil Gronau an der Kurt-Schumacher-Straße (Hausnummern 18–20) im Zentrum des Bundesviertels, gegenüber dem Schürmann-Bau.

Geschichte[Bearbeiten]

Doppelvilla Keller[Bearbeiten]

Halbvilla Keller, Aufriss der Vorderseite (1908)

Die Doppelvilla entstand nach einem Entwurf des Bonner Architekten und Regierungsbaumeisters Julius Rolffs, als dessen zweites Projekt in der „Villenkolonie Gronau“ an der damaligen Drachenfelsstraße[1] am südlichen Bonner Stadtrand. Als Bauherr beider Halbvillen trat Alfred Keller, Teilhaber der Firma Rolffs & Co in Siegburg sowie Mitbesitzer des Geländes in der Gronau, auf. Die nördliche Haushälfte wurde zuerst in Angriff genommen. Auf die jeweiligen Bauanträge vom März und Mai 1907 hin wurden im April und Juni die Baugenehmigungen erteilt. Im September 1908 konnte die Gebrauchsabnahme der nördlichen Halbvilla (für den Rittergutsbesitzer Roth) erfolgen, die der südlichen im September 1909. Im Nachgang erhielten die Haushälften über der zum Rhein gewandten Terrasse noch Glasdächer, die gemeinsam mit der letzten Halbvilla für den Gebrauch abgenommen wurden.

Die südliche Halbvilla (heute Kurt-Schumacher-Straße 18) erfuhr 1919/20 eine Erweiterung um Chauffeurhaus und Garage, für die erneut Rolffs verantwortlich zeichnete. 1926[2] war sie in den Besitz des Konsuls Ernst Kramer übergegangen. In diesem Jahr ließ er nach Plänen des Architekten Felix Krüger einen Pferdestall mit Wohnung errichten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen in der Doppelvilla Ausgebombte und Heimatvertriebene unter.

Landesvertretung Hamburg[Bearbeiten]

Nachdem Bonn 1949 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland wurde, befand sich die Villa inmitten des neuen Parlaments- und Regierungsviertels. Im März 1950 erwarb die Freie und Hansestadt Hamburg die damals 45 Räume umfassende Villa zur Unterbringung ihrer Landesvertretung (Vertretung beim Bund). Die bisherigen Mieter sollten zunächst zwangsgeräumt werden, erhielten aber schließlich Ersatzwohnungen.[3] Der Bezug des Gebäudes fand im Februar 1951 statt. Im Park der Villa wurde 1978 ein Gästehaus erbaut. Über ein weiteres Gästehaus verfügte Hamburg in der nahegelegenen Villa Heinrich-Brüning-Straße 18.[4] Im Zuge der Verlegung des Parlaments- und Regierungssitzes zog die Landesvertretung mit zuletzt 31 Mitarbeitern[5] 2000 nach Berlin um. Die FORIS AG übernahm das Gebäude und richtete dort ihre Konzernzentrale ein, für die das Dachgeschoss der Villa ausgebaut wurde.[6] Im Erdgeschoss befindet sich heute ein italienisches Restaurant.

Die Villa aus dem Jahre 1907 steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[7] Vor dem Gebäude steht ein im Juni 1978 als Geschenk der Hamburger Schiffswerft Blohm + Voss an die Landesvertretung aufgestellter Originalanker eines Hochseeschiffs (Spek-Anker), der auf die Bedeutung des Schiffbaus für Hamburg hinweisen soll.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Olga Sonntag: Villen am Bonner Rheinufer: 1819–1914, Bouvier Verlag, Bonn 1998, ISBN 3-416-02618-7, Band 3, Katalog (2), S. 294–300. (zugleich Dissertation Universität Bonn, 1994)
  • Kerstin Wittmann-Englert, René Hartmann (Hrsg.): Bauten der Länder. Die Landesvertretungen in Bonn, Berlin und Brüssel, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu 2013, S. 32–33. ISBN 978-3-89870-796-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Landesvertretung Hamburg Bonn – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vorläufig mit der Ziffer I bezeichnet
  2. bereits 1919 ist ein Bauherr Kramer verzeichnet
  3. Stadt Bonn, Stadtarchiv (Hrsg.); Helmut Vogt: „Der Herr Minister wohnt in einem Dienstwagen auf Gleis 4“. Die Anfänge des Bundes in Bonn 1949/50, Bonn 1999, ISBN 3-922832-21-0, S. 233/234.
  4. Ehemaliges Gästehaus der Hansestadt Hamburg, Marc Asbeck Grundbesitz
  5. Verkaufen, vermieten, verwerten: Abschied der Länder, General-Anzeiger, 9. Februar 1998, Stadtausgabe Bonn, S. 3
  6. Eine Anwalt-AG mit eigener Bushaltestelle, General-Anzeiger, 23. Mai 2005
  7. Denkmalliste der Stadt Bonn, S. 36, Nummer A 3768
  8. Gabriele Zabel-Zottmann: Skulpturen und Objekte im öffentlichen Raum der Bundeshauptstadt Bonn Aufgestellt von 1970 bis 1991. Dissertation, Bonn 2012. Teil 2, S. 153 (online; PDF; 5,8 MB)

50.7161647.109968Koordinaten: 50° 42′ 58″ N, 7° 6′ 36″ O