Langer Türkenkrieg

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Allegorie auf den Ausbruch des Langen Türkenkrieges (Die Kriegserklärung vor Konstantinopel
Hans von Aachen, um 1603/04, HGM)

Der Lange Türkenkrieg war ein von 1593 bis 1606 währender Krieg zwischen dem Osmanischen Reich und mehreren christlichen Staaten, insbesondere der Habsburgermonarchie. Der Krieg endete mit dem Frieden von Zsitvatorok am 11. November 1606. Konfliktgebiete waren zu großen Teilen das Königliche Ungarn, Transdanubien, das heutige Kroatien und die Walachei.

Der Krieg zeichnete sich vor allem durch jahrelange Stellungskämpfe aus und wurde deshalb auch Burgenkrieg genannt. Größere Gebietsgewinne konnte am Ende keiner der Konfliktbeteiligten erringen.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Jahrzehnte nach der erfolglosen osmanischen Belagerung Wiens 1529 und der Scheineinnahme bei der Belagerung von Kőszeg 1532 hatten zu einer relativen Beruhigung der politischen Lage in Ungarn geführt. Die Dreiteilung des Königreichs war eine vollzogene Tatsache. Im Osten lag das unter türkischer Hegemonie stehende Fürstentum Siebenbürgen, im Westen Westtransdanubien unter habsburgischer Verwaltung und in der Mitte der türkische Herrschaftsbereich.

Die angrenzenden europäischen Mächte hatten in den Jahrzehnten der relativen Ruhe Vorkehrungen getroffen und neue Grenzfestungen gebaut sowie vorhandene erneuert. Hauptbefestigungen auf Habsburgischer Seite befanden sich in Kanicsa, Raab, Komorn und Erlau. Die osmanischen Festen Plätze lagen in Gran, Ofen, Stuhlweißenburg und Temesvár.[1]

Verlauf[Bearbeiten]

Schlacht von Sissek
Kupferstich

Seit 1555 herrschte in der Region ein ständiger Kleinkrieg. Der habsburgische Kaiser Rudolf II. unterzeichnete am 29. November 1590 die vierte und letzte Bestätigung des Vertrags von 1547, der Tributzahlungen an den osmanischen Sultan vorsah. Aufgrund großangelegter beidseitiger Grenzverletzungen in Ungarn, durch osmanische Akıncıs und habsburgische Uskoken, weitete sich der Kleinkrieg zu einem offenen Krieg aus. Die Einfälle der Uskoken wurden so groß, dass osmanische Kräfte aus der bosnischen Provinz im Frühjahr 1593 unter Koca Sinan Pascha den damaligen Grenzflusses Kupa überquerten und in kroatisches Gebiet einfielen. Bei diesem Vorstoß wurde eine Anzahl österreichischer Festungen erobert. Im Oktober 1592 kündigte der habsburgische Kaiser den Friedensvertrag und entsandte eine Streitmacht, die die osmanischen Kräfte in der Schlacht bei Sissek am 22. Juni 1593 schlug. Formell wurde daraufhin der Krieg durch Sinan Pascha erklärt. In seinem Verlauf waren sämtliche diplomatischen Kontakte zwischen beiden Seiten unterbrochen.

Schlacht bei Mezögeresztes
osmanisches Manuskript

Die ersten beiden Jahre verliefen militärisch unentschieden. Die Osmanische Armee konnte zunächst einige ungarische Festungen erobern, unter anderen die Hauptfestung Raab im Jahr 1594. Auf diplomatischem Gebiet gelang es den Habsburgern jedoch, eine Kooperation mit Prinz Michael von der Walachei einzugehen, da dieser unzufrieden mit den immer höher werdenden finanziellen Forderungen aus Istanbul war und er daraufhin im November 1594 eine Revolte gegen den Sultan begann, bei der alle vorgefundenen Muslime umgebracht wurden.[2] Dies war insofern bedeutend, da dadurch den Osmanen ein wichtiger Weizenlieferant wegfiel und die traditionelle osmanische Versorgungslinie mit schwerem Kriegsmaterial vom Schwarzen Meer über die Donau ins Kriegsgebiet blockiert wurde. Der alternde Großwesir Sinan Pascha wurde durch den Albaner Ferhat Paşa ersetzt. Unter seiner Führung ging die gute Position, die die osmanische Armee unter Sinan Pasha erkämpft hatte, schnell verloren. So konnten die Habsburger 1595 den größten Teil der im Vorfeld von den Osmanen eroberten Gebiete im nördlichen Kroatien zurückerobern. Am 7. September des Jahres fiel Gran nach einer mehrmonatigen Belagerung durch Karl von Mansfeld wieder in österreichische Hände. Dadurch wurde die Donau-Verteidigungslinie durchbrochen, und das osmanische Bosnien geriet in Gefahr. Zwar wurde Sinan Pasha erneut als Großwesir eingesetzt, doch auch er konnte das Blatt nicht wenden.

Erlau im 16. Jahrhundert
Georg Hoefnagel (1542–1600)

Die osmanischen Niederlagen führten schließlich dazu, dass der neue türkische Sultan Mehmed III. (1595–1603) das militärische Kommando übernahm. Er war der erste Sultan seit Süleyman I., der die Armee direkt führte.[3] Durch die Einnahme der wichtigen Festung Erlau wollte er die Verbindung zwischen den verbündeten Österreichern und Siebenbürgen unterbrechen und so die militärische Lage wenden. Am 12. Oktober 1596 gelang es dem Sultan, die Festung mit seiner 100.000 Mann starken Armee einzunehmen. Er setzte seinen Vormarsch fort, um die habsburgische Armee zu stellen. Die Osmanen konnten am 26. Oktober in der Schlacht bei Mezőkeresztes, dem einzigen großen Gefecht des Krieges, einen eindeutigen Sieg erringen. Im Ergebnis war der Weg in das Heilige Römische Reich geöffnet. Man hielt es für notwendig Wien in den Verteidigungszustand zu versetzen. Kaiser Rudolf II berief den Reichstag von 1597/98 ein, um eine weitere Türkenhilfe durchzusetzen.[4] Querelen innerhalb der Osmanischen Armee verhinderten, dass ein Vorteil aus den militärischen Erfolgen gezogen werden konnte.

Eroberung der Festung Raab 1598

In den folgenden Jahren kam es daher zu keinen größeren Feldzügen, der Konflikt zog sich vielmehr in Form eines Festungskrieges hin, bei dem sich die Eroberung und Zurückeroberung strategisch wichtiger Befestigungen ständig abwechselten. 1598 gelang es den habsburgischen Truppen unter Adolf von Schwarzenberg, die Festungen Raab und Veszprem von den Osmanen zurückzuerobern. Die anschließende Belagerung von Buda blieb indes erfolglos. Obwohl abzusehen war, dass der Krieg keinen Sieger finden würde, zögerte Rudolf II. das Ende hinaus, da er glaubte, dass der Triumph über die Türken nur eine Frage der Zeit wäre. Jedoch waren es die Türken, die 1600 wieder die Initiative ergriffen. Durch den Verrat französischer Söldner ging zunächst die habsburgische Festung Pápa verloren. 1601 wurde Stuhlweißenburg von den Osmanen erobert, die schließlich auch noch die wichtige Festung Kanicsa nach einer zweimonatigen Belagerung einnehmen konnten. Zwei Versuche der Habsburger, die Festung wieder in ihren Besitz zu bringen, scheiterten.[5] 1602 eroberten die Habsburger Stuhlweißenburg zurück, doch auch eine erneute Belagerung Budas blieb ergebnislos.

1603 starb der osmanische Sultan Mehmed III. Nachfolger wurde der 14-jährige Sohn Ahmed I. (1603–1617). Friedensverhandlungen zwischen beiden Kriegsparteien schienen nun in Sichtweite, da es auch auf der christlichen Seite zu einschneidenden Veränderungen kam: 1601 wurde der pro-osmanische Stephan Bocskai zum Prinzen von Siebenbürgen gewählt, was den habsburgischen Bemühungen, das Fürstentum aus der osmanischen Einflusssphäre zu lösen, entgegenstand.

1604 kam es wegen der habsburgischen Rekatholisierungspolitik zu einem ungarischen Aufstand (von der ungarischen Geschichtsschreibung auch Freiheitskrieg genannt), der von Bocskai angeführt wurde.[6] Nachdem ein Waffenstillstand mit Bocskai (der nunmehr Fürst von Ungarn und Siebenbürgen war) den Aufstand im November 1605 beendet hatte, wandten sich die Habsburger wieder den Türken zu. Feldmarschall Tilly konnte die türkisch-tatarisch-heiduckischen Streifscharen am 3. Dezember 1605 bei Rábahídvég besiegen und in die Flucht schlagen.[7]

Folgen[Bearbeiten]

Der Krieg fand mit dem am 11. November 1606 abgeschlossenen Frieden von Zsitvatorok sein Ende. Wegen der drohenden Gefahr eines Zweifrontenkrieges gegen die Habsburger im Nordwesten und die persischen Safawiden im Osten des Osmanischen Reiches musste der Sultan den Kaiser erstmals als gleichberechtigten Verhandlungspartner anerkennen. Eine einmalige Zahlung von 200.000 Gulden beendete den bis dahin jährlich zu zahlenden habsburgischen Tribut. Es folgte eine vergleichsweise lange Phase des Friedens zwischen dem Osmanischen Reich und Habsburg. Sie endete erst 1663 mit dem Ausbruch des Türkenkrieges, der das militärische Gleichgewicht zugunsten Habsburgs verschieben sollte. Hinsichtlich der Gebietsverschiebungen ergaben sich zwar keine Änderungen, jedoch wurden im Zuge der beidseitigen Ermattungsstrategie große Gebiete in Ungarn und Siebenbürgen verwüstet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Paul Niederkorn: Die europäischen Mächte und der „Lange Türkenkrieg“ Kaiser Rudolfs II. (1593–1606). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1993, ISBN 3700121113.
  • Stephen Turnbull: The Ottoman Empire 1326–1699. Osprey Publishing, Oxford 2003, ISBN 1-84176-569-4.
  • Ernst August: Geschichte des Burgenlandes. In: Internationales Kunsthistorisches Symposion Mogersdorf, Eisenstadt 1972.
  • Stanford Shaw / Ezel Kural Shaw: History of the Ottoman Empire and modern Turkey, Band 1. Cambridge University Press, Cambridge 1976/77, ISBN 0-521-21280-4.
  • Claudia Reichl-Ham: Der „Lange Türkenkrieg“ Rudolfs II. und seine Rezeption im Heeresgeschichtlichen Museum. In: Viribus Unitis. Jahresbericht 2007 des Heeresgeschichtlichen Museums. Wien 2008, ISBN 978-3-902551-06-1, S. 7–22.
  • Harald Heppner: Der lange Türkenkrieg (1593–1606) – ein Wendepunkt im habsburgisch-osmanischen Gegensatz. In: Osmanlı Araştırmaları, Band 2 (1981), S. 133–146, online (PDF, 668 KB).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stephen Turnbull: The Ottoman Empire 1326-1699, S. 62
  2. Ezel Kural Shaw: History of the Ottoman Empire and modern Turkey, Band 1, S. 184
  3. Ezel Kural Shaw: History of the Ottoman Empire and modern Turkey, Band 1, S. 185
  4. Leopold Ranke: Zur deutschen Geschichte. Vom Religionsfrieden bis zum dreißigjährigen Krieg, Leipzig 1868, S. 135 ff. Online-Version
  5. Stephen Turnbull: The Ottoman Empire 1326-1699, S. 67
  6. Ernst August: Geschichte des Burgenlandes. In: Internationales Kunsthistorisches Symposion Mogersdorf, Eisenstadt 1972, S. 122
  7. Ernst August: Geschichte des Burgenlandes, S. 124