Esztergom

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Esztergom
Wappen von Esztergom
Esztergom (Ungarn)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Ungarn
Region: Mitteltransdanubien
Komitat: Komárom-Esztergom
Kleingebiet bis 31.12.2012: Esztergom
Koordinaten: 47° 47′ N, 18° 44′ O47.78555555555618.740277777778105Koordinaten: 47° 47′ 8″ N, 18° 44′ 25″ O
Höhe: 105 m
Fläche: 100,35 km²
Einwohner: 30.858 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte: 308 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+36) 33
Postleitzahl: 2500-2509
KSH kódja: 25131
Struktur und Verwaltung (Stand: 2013)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeisterin: Éva Tétényi (parteilos)
Postanschrift: Széchenyi tér 1
2500 Esztergom
Webpräsenz:
(Quelle: A Magyar Köztársaság helységnévkönyve 2011. január 1. bei Központi statisztikai hivatal)
Luftbild der Basilika von Esztergom
Basilika in Esztergom
Blick von Štúrovo auf Esztergom, 1999
Im Zweiten Weltkrieg zerstörte Donaubrücke, 1969
Neu errichtete Maria-Valeria-Brücke bei Esztergom, 2006
Párkány (heute Štúrovo) und Esztergom, 1664
Esztergom in 1543 auf einer türkischen Miniatur

Esztergom [ˈɛstɛrgom] (lateinisch Solva, deutsch Gran, slowakisch Ostrihom, latinisiert Strigonium) ist eine Stadt in Nordungarn (Komitat Komárom-Esztergom), an der Donau gelegen. Früher war sie die Hauptstadt Ungarns. Die Donau bildet hier die Grenze zur Slowakei, wo die Schwesterstadt Štúrovo liegt.

Geschichte[Bearbeiten]

Esztergom ist eine der ältesten Städte Ungarns. Die ersten bekannten Siedler waren Kelten der späten Latènezeit (150 v. Chr. – 30/0 v. Chr.) auf dem markant aufragenden Burgberg.[1] Nach der Besetzung des Landes errichteten die Römer am selben Platz ein Kastell mit einer um den Berg liegenden Siedlung und nannten den Ort Solva mansio[2] Nach der Völkerwanderungszeit siedelten sich in den Ruinen des Kastells Slawen an. Der nun unter anderem Ostrihom[3] beziehungsweise latinisiert Strigonium genannte Ort war eine der zentralen Burganlagen des Neutraer Fürstentums und Großmährens. Ihr deutscher Name Gran leitet sich von dem Flussnamen Hron (Gran) ab, der gegenüber von Esztergom in die Donau mündet.

Nach der Ankunft der Magyaren in diesem Gebiet, zu Anfang des 10. Jahrhunderts, wurde Esztergom gegen Ende desselben Jahrhunderts Sitz des Großfürsten Géza und dann bis zum Ende des 12. Jahrhunderts einer der Hauptsitze ungarischer Herrscher. Nach dem großen Slawenaufstand 983 richtete Kaiser Otto III. (980 – 1.002) 1001/[4]1002 das Erzbistum Gran zur Christianisierung des Landes ein, das gebietsmäßig bis ins 18. Jahrhundert weitgehend der heutigen Slowakei entsprach und als die kirchliche Hauptprovinz des Königreichs Ungarn galt – der Erzbischof von Gran trug den Titel Primas von Ungarn. Fast zeitgleich mit der Schaffung des Bistums wurde Stephan I. 1000/1001 zum ungarischen König gekrönt. Auf dem Burgberg entstand der erste Königspalast, zu dem auch eine christliche Basilika gehörte.[5] Unter Stephan I. entstand auch das Komitat Gran.

Als die Stadt von 1543 bis 1683 Bestandteil des Osmanischen Reichs war, war Trnava (Tyrnau) (faktisch jedoch Pressburg (Bratislava)) Sitz des Erzbischofs von Esztergom. Anfang des 18. Jahrhunderts kehrte der Erzbischof nach Esztergom zurück. Nach der Befreiung von den Türken war die Stadt völlig verwüstet und musste neu besiedelt werden. Die große Zahl dieser Siedler bestand aus Deutschen und Slowaken.

Erst 1708 wurde die Stadt zu einer königlichen Freistadt erklärt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Stadt gibt es ein wichtiges Archiv und Museum mit Dokumenten und Bildern hauptsächlich aus dem Gebiet der heutigen Slowakei, aber auch dem restlichen Königreich Ungarn und aus Österreich. Die Stadt wird beherrscht von der 1838 − 1846 durch den Architekten József Hild errichteten und größten klassizistischen Basilika des Landes, der Kathedrale Mariä Himmelfahrt und St. Adalbert, einem der größten Kirchenbauten Europas, die weit sichtbar auf dem Burgberg steht. Sie ist die größte katholische Kathedrale Ungarns mit einer Renaissance-Kapelle, die an die Basilika angegliedert ist. Die Basilika wird auch caput, mater et magistra ecclesiarum hungariae (Haupt, Mutter und Lehrerin der ungarischen Kirchen) genannt.

Die Donaubrücke, die Esztergom mit Štúrovo (Slowakei) verbindet, wurde im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen gesprengt und war bis 2001 unpassierbar. Im Jahre 2000 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, der 2001 abgeschlossen worden ist, seither verkehren zwischen den Nachbargemeinden keine Fährschiffe mehr. Die Maria-Valeria-Brücke dient jetzt wieder als regionaler Grenzübergang in die Slowakei. (siehe dazu Liste der Donaubrücken).

Einrichtungen[Bearbeiten]

De jure ist Esztergom der Sitz des ungarischen Verfassungsgerichtshofes (Magyarország Alkotmánybírósága).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die japanische Suzuki Motor Corporation gründete 1991 das ungarische Tochterunternehmen Magyar Suzuki Zrt. in Esztergom und errichtete hier ein Zweigwerk zur Produktion von Kleinwagen.

Kirchen in Esztergom[Bearbeiten]

  • Kathedrale von Esztergom
  • St. Stephan (Szent István- bzw. Kertvárosi templom)
  • Ferenc Tempel
  • St. Anna-Kirche
  • St. Peter-und-Paul (Belvárosi templom)
  • St. Georg (Szentgyörgymezei templom)
  • Kirche in der Wasserstadt mit dem Katholischen Museum
  • Griechisch-orthodoxe Kirche
  • Synagoge
  • eh. St. Adalbert (zerstört)

Verkehr[Bearbeiten]

Esztergom besitzt einen kleinen, meist privat benutzten Flughafen und einen Hafen an der Donau. In Esztergom verkehren zudem täglich 632 Busse. Der Zugverkehr ist in der Stadt ebenfalls von Bedeutung, da hier eine Regional-Linie aus Richtung Budapest endet.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Esztergom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Esztergom – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8, S. 68.
  2. Sándor Soproni: Der spätrömische Limes zwischen Esztergom und Szentendre. Akadémiai Kiadó, Budapest 1978. S. 16.
  3. Arvéd Grébert: Die Slowaken und das großmährische Reich. Beitrag zum ethnischen Charakter Großmährens. München 1965. S. 15.
  4. Hermann Kellenbenz (Hrsg.): Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd. 2. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1980. ISBN 3-12-904740-9. S. 511.
  5. Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8, S. 67.