Lektor (Universität)

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Im universitären Bereich versteht man unter einem Lektor einen Dozenten, der in der Regel seine eigene Muttersprache in philologischen Abteilungen und Studiengängen unterrichtet. Es gibt daneben auch deutsche Lektoren, die aufgrund ihrer Qualifikation (hervorragende Fremdsprachenkenntnisse mit entsprechendem akademischem Abschluss) diese Tätigkeit an deutschen Hochschulen ausüben. Die Tätigkeit des Universitätslektors ist demnach nicht mit der des Verlagslektors zu verwechseln, der Manuskripte zur Veröffentlichung aussucht und gegebenenfalls bearbeitet.

Historische Bedeutung[Bearbeiten]

Ursprünglich war Lektor die Bezeichnung für einen Hochschullehrer, der nicht Professor war und keinen Lehrstuhl innehatte.

An den Ordenshochschulen einiger Orden, u.a. der Dominikaner und Franziskaner, wurden bzw. werden die Professoren als „Lektoren” bezeichnet. 1926 schlossen sie sich in der Ordenslektorenvereinigung (OLV) zusammen.[1]

Außerhalb der Universitäten wurden Personen, die Lehrveranstaltungen abhielten, aber keine ausgebildeten Lehrer waren, als Lektoren bezeichnet, zum Beispiel Pastoren, die an einem Gymnasium unterrichteten. Der Begriff Lektor war ähnlich zu verstehen wie heute Dozent. Der moderne Gebrauch ist dagegen spezifischer.

Moderner Gebrauch[Bearbeiten]

An deutschen Hochschulen unterrichten beispielsweise muttersprachlich französische oder spanische Lektoren in der Romanistik oder englische Muttersprachler in der Anglistik. Neben der reinen Sprachvermittlung (sprachpraktische Übungen) unterrichten Lektoren, je nach Anforderungen und Gegebenheiten der Hochschule sowie je nach Qualifikation des Lektors, auch Literatur und Linguistik und halten landeskundliche Vorlesungen. Normalerweise unterrichtet der Lektor ausschließlich die moderne Sprachform, im Falle einiger Sprachen und Studiengänge sind die Lektoren jedoch auf historische Sprachformen spezialisiert (etwa klassisches oder mittelalterliches Latein, Altgriechisch, biblisches, rabbinisches, mittelalterliches Hebräisch). Zu unterscheiden sind insbesondere die unbefristet angestellten und die befristet angestellten Lektoren. Darüber hinaus gibt es Stiftungslektorate ausländischer Staaten.

Befristet angestellte Lektoren bleiben in der Regel zwei bis vier, manchmal sechs Jahre an einer deutschen Hochschule und bereiten parallel zu ihrer Unterrichtstätigkeit eine Promotion für ihre Heimathochschule vor, etwa in einem literatur- oder sprachwissenschaftlichen Fach. In diesem Fall wird das Lektorat als Qualifikationsstelle genutzt, auch wenn es vom Umfang der Lehrverpflichtung her nicht als solche ausgestattet ist: Qualifikationstellen mit stets befristeter Laufzeit verpflichten wissenschaftliche Angestellte in Deutschland zu lediglich 4 Semesterwochenstunden Unterrichtstätigkeit, Lektorate hingegen zu rund 17 Stunden.

Unbefristete Lektorate sind ausdrücklich nicht als Forschungsstellen angelegt, sondern ganz oder doch überwiegend der Lehre gewidmet. So erklärt sich, dass für einen Lektor normalerweise die doppelte Unterrichtsverpflichtung eines Professors gilt; Letzterer gibt laut Lehrverpflichtungsordnung 8 bis 9 Semesterwochenstunden, ein Lektor 16 bis 17 (in manchen Bundesländern mehr). Der Aufstieg eines unbefristeten Lektors kann in Form des Bewährungsaufstiegs erfolgen, der nach einer bestimmten Anzahl von Jahren erfolgreicher Lehre gewährt wird; dabei ändern sich weder Amtsbezeichnung noch Tätigkeit, doch steigt der Lektor in eine höhere Gehaltsklasse. Unbefristete Lektorate dienen dazu, die Kontinuität des philologischen Unterrichts zu gewährleisten; die Lektoren organisieren und führen Prüfungen durch, konzipieren und optimieren die Strukturen des Fremdsprachenunterrichts und achten auf eine sinnvolle Zuordnung von Unterrichts- und Prüfungsmaterialien zu definierten Lernniveaus. Oft verfassen sie selbst Lehr- und Grammatikbücher.

Ein Teil der in Deutschland tätigen Universitätslektoren sind Stiftungslektoren; das heißt, ihre Stelle ist von ihrem Heimatstaat gestiftet und wird von ihm finanziert, um die Kenntnis von dessen Sprache in Deutschland zu fördern. Die in diesem Bereich engagierten Staaten sind traditionell solche, aus denen größere Einwandererströme nach Deutschland geflossen sind. So bestehen an einigen Hochschulen italienische, portugiesische und griechische Stiftungslektorate. Das Dienstverhältnis dieser Lektoren ist in der Regel befristet. Danach kehren sie in ihr Ursprungsland zurück und unterrichten dort als Lehrer oder verfolgen eine wissenschaftliche Laufbahn.

An manchen deutschen Hochschulen werden Lektorenaufgaben auch von Wissenschaftlichen Mitarbeitern, Akademischen Räten oder Studienräten im Hochschuldienst wahrgenommen. Die Stellenbeschreibung kann in diesen Fällen variieren und weitere Aufgaben (z.B. im Bereich der Forschung) beinhalten; dafür ist das Lehrstundendeputat gegebenenfalls reduziert (z.B. 12 oder 14 Semesterwochenstunden).

Deutschlektoren vermittelt u. a. der DAAD an ausländische Hochschulen (ebenso wie deutsche Sprachassistenten an ausländische Gymnasien). Auch andere Träger wie die Robert Bosch Stiftung oder der österreichische Staat (ÖAD) entsenden Lektoren, die die deutsche Sprache und Literatur im Ausland unterrichten und fördern.

An skandinavischen Hochschulen ist ein Lektor ein fest angestellter Dozent mit Unterrichts- und Forschungspflicht. Lektorate sind nicht auf die philologischen Fächer beschränkt, sondern kommen an allen Fakultäten vor. Die Anstellung als Lektor setzt den PhD- oder Doktorgrad voraus. Hier entspricht der Begriff eher dem englischen lecturer.

Die Funktion des Lektors erfüllt an französischen Hochschulen der maître de langues. In anderen Ländern wird er als teacher oder senior teacher eingestuft.

Die Bezahlung entspricht in Deutschland im Allgemeinen der eines Wissenschaftlichen Mitarbeiters oder Gymnasiallehrers.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Erich Grunert: Ordenslektoren. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Aufl. Bd. 6. Herder, Freiburg 1961, Sp. 937.

Siehe auch[Bearbeiten]