Anglistik

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Anglistik (auch Englische Philologie) ist die Wissenschaft, die sich mit der englischen Sprache, der englischen Literatur und der Kultur des englischen Sprachraumes beschäftigt.

Die Geschichte der Anglistik[Bearbeiten]

Die Geschichte der deutschen und deutschsprachigen Anglistik unterscheidet sich sehr deutlich von der Anglistik in den angelsächsischen Ländern. Insbesondere die Konzentration auf englische Philologie und die damit verbundene Ausrichtung auf mittelalterliche und frühmoderne Literaturen wurde in Großbritannien und den USA nicht geteilt. Infolge des Ersten und des Zweiten Weltkriegs kam es zu einer merklichen Trennung beider Wissenschaftstraditionen.[1]

Die Entwicklung der Anglistik in der Gegenwart[Bearbeiten]

Die Anglistik macht derzeit zwei wichtige Entwicklungen durch.

Erstens wird in den letzten Jahren immer mehr zwischen der englischen und der irischen Literatur unterschieden. Zusammenfassend wird von Anglo-Irish Studies gesprochen, um auszudrücken, dass die englische Kultur sich erheblich von der irischen unterscheide. Die (zeitgenössischen) irischen Literaten hätten einen völlig anderen kulturellen Hintergrund als die englischen, ergo müsse diese Unterscheidung gemacht werden.

Zweitens entwickeln sich zu einem weiteren Zweig der Anglistik seit den 1980er Jahren die sogenannten Commonwealth Studies, die sich mit der Sprache und Kultur der ehemaligen britischen Kolonien beschäftigen. Viele Autoren (z. B. in Indien, Jamaika, Hongkong) sprechen zwar die jeweilige Landessprache, sehen aber Englisch als Lingua Franca als wesentlich wirkungsvoller, um eine möglichst große Leserschaft zu erreichen.

Anglistik als Studienfach[Bearbeiten]

Anglistik/Amerikanistik bzw. Englische Philologie (English Studies im englischen Sprachraum) ist ein der Neuphilologie zugeordnetes Studienfach an Universitäten und Hochschulen im deutschen Sprachraum, das sich auf wissenschaftlicher Ebene mit den Bereichen der englischsprachigen Literatur (vorwiegend der britischen und US-amerikanischen), der Sprachentwicklung und -praxis (Linguistik, Soziolinguistik, Pragmatik, Phonologie etc.) sowie landeskundlich-kulturellen Studien des Sprachraumes, jeweils verschiedene Epochen betrachtend, befasst. An deutschen Universitäten kann Anglistik (in der Regel in Kombination mit mindestens einem anderen Studienfach) in Lehramtsstudiengängen sowie in Bachelor- und Master-Studiengängen studiert werden. Bis Ende der 2000er Jahre boten einige Universitäten auch einen wirtschaftswissenschaftlich geprägten Diplom-Anglistik-Studiengang an, der inzwischen durch Bachelor-/Master-Studiengänge ersetzt wurde. Auch die Magister-Studiengänge wurden im Rahmen des Bologna-Prozesses größtenteils eingestellt bzw. nicht fortgeführt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Korte, Barbara (et al.), Einführung in die Anglistik. Stuttgart, 2004. (ISBN 3476018946)
  • Nünning, Ansgar, Jucker, Andreas H., Orientierung Anglistik, Amerikanistik. Hamburg, 1999. (ISBN 3499556146)
  • Finkenstaedt, Thomas, Kleine Geschichte der Anglistik in Deutschland. Eine Einführung. Darmstadt, 1983. (ISBN 3534086279)
  • Hausmann, Frank-Rutger, Anglistik und Amerikanistik im Dritten Reich. Frankfurt/Main, 2003. (ISBN 3465032306)
  • Christa Jansohn, Dieter Mehl, Hans Bungert: Was sollen Anglisten und Amerikanisten lesen?, Berlin 1995. ISBN 978-3-503-03712-4
  • Scheler, Manfred, Berliner Anglistik in Vergangenheit und Gegenwart (1810–1985). Berlin, 1998. (ISBN 3891668902)
  • Bernhard Fabian: Ein anglistischer Grundkurs, Berlin 2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Utz, "Englische Philologie vs. English Studies: A Foundational Conflict," in Das Potential europäischer Philologien. Geschichte, Leistung, Funktion. Hrsg. Christoph König (Göttingen: Wallstein, 2009), S. 34–44.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Zeitschriften (Anglistik) – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Anglistik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen