Lesben- und Schwulenviertel

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Straßenschmuck im Lesben- und Schwulenviertel von Chicago, mit der Regenbogenfahne als Identifikationselement

Als Lesben- und Schwulenviertel (auch Schwulenviertel; engl.: gay neighborhood, gay village, gayborhood) werden Stadtviertel bezeichnet, die sich durch eine ausgeprägte lesbisch-schwule Subkultur auszeichnen. Typisch sind ein hoher schwuler und lesbischer Bevölkerungsanteil sowie eine auf diese Gruppen ausgerichtete Infrastruktur, wie beispielsweise Bars, Kneipen, Nachtclubs, Saunen, Restaurants, Vereinsräume, Beratungszentren, Buchhandlungen und Videotheken.[1] In der wissenschaftlichen Forschung werden Lesben- und Schwulenviertel insbesondere in Queer Studies und Stadtforschung thematisiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Straßenschild im Lesben- und Schwulenviertel von Philadelphia mit Regenbogen

Lesben- und Schwulenviertel wurden in den westlichen Industriestaaten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts für Ortsfremde als solche erkennbar, entstanden jedoch Jahrzehnte vorher. Vor der Verbreitung der Lesben- und Schwulenbewegung waren solche Gebiete einer breiteren Öffentlichkeit eher unbekannt, oftmals wegen der strafrechtlichen Situation, richteten sich jedoch in Nischen von Großstädten ein. So berichtet der Historiker George Chauncey von der Bowery als eine solche Nische in New York City um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, die bis zu den 1920er Jahren durch Harlem und Greenwich Village ersetzt wurde.[2] Auch Marc Stein sagt über Philadelphia aus, dass es Konzentrationen sowohl von Lesben als auch von Schwulen in den 1940ern, -50ern, und -60ern gegeben hat, die zum Teil überlappten, und Wohnraum, kommerziellen Raum, wie auch öffentlichen Raum umfassten.[3]

Ausgang des U-Bahnhofs Beaudry im Lesben- und Schwulenviertel von Montreal

Literatur[Bearbeiten]

Schon vor den Goldenen Zwanziger Jahren ein Treffpunkt und bei den Manns oder bei Christopher Isherwood beschrieben: Die Gegend um Nollendorfplatz und Motzstrasse in Berlin
  • Manuel Castells: The City and the Grassroots: A Cross-Cultural Theory of Urban Social Movements. University of California Press, Berkeley, Los Angeles 1983.
  • John D'Emilio:, Making Trouble: Essays on Gay History, Politics, and the University. Routledge, New York, London 1992.
  • Jeffrey Escoffier: American Homo: Community and Perversity. University of California Press, Berkeley, Los Angeles, London 1998.
  • Richard Florida: The Rise of the Creative Class: And How It's Transforming Work, Leisure, Community und Everyday Life. Perseus Books Group, New York 2002.
  • Benjamin Forest: West Hollywood as Symbol: The Significance of Place in the Construction of a Gay Identity. In: Environment and Planning D: Society and Space. Band 13, 1995, S. 133–157.
  • Sven Harthun: Queer Spaces – Lebensräume von Schwulen und Lesben in Großstädten. Grin, München 2007.
  • Moira Rachel Kenney: Remember, Stonewall was a Riot: Understanding Gay and Lesbian Experience in the City. In: Leoni Sandercock (Hrsg.): Making the Invisible Visible. Kapitel 5, S. 120–132. University of California Press, Berkeley, Los Angeles, London 1998.
  • Mickey Lauria, Lawrence Knopp: Toward an Analysis of the Role of Gay Communities in the Urban Renaissance. In: Urban Geography. Band 6, 1985. S. 152–169.
  • Martin P. Levine: Gay Ghetto. In: Martin Levine (Hrsg.): Gay Men: The Sociology of Male Homosexuality. Harper & Row, New York, Hagerstown, San Francisco, London 1979, S. 182–204.
  • Brian Ray, Damaris Rose: Cities of the Everyday: Socio-Spatial Perspectives on Gender, Difference, and Diversity. In: Trudi Bunting, Pierre Filion (Hrsg.): Canadian Cities in Transition: The Twenty-First Century. Zweite Ausgabe. Oxford University Press, Oxford 2000, S. 507–512

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. M. P. Levine: Gay Ghetto. In: Journal of Homosexuality. Band 4, 1979, S. 364
  2. George Chauncey: Gay New York: Gender, Urban Culture, and the Making of the Gay World. Basic Books, New York 1994, S. 227.
  3. Marc Stein: City of Brotherly and Sisterly Loves: Lesbian and Gay Philadelphia, 1945–1972. University of Chicago Press, 2000, S. 21