Liechtensteinisches Landesmuseum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Liechtensteinische Landesmuseum in Vaduz

Das Liechtensteinisches Landesmuseum ist eine öffentlich-rechtliche Stiftung des Fürstentums Liechtenstein, die die Geschichte sowie die Landes- und Naturkunde von Liechtenstein präsentiert. Das Museum umfasst am Hauptsitz in Vaduz zwei historische Gebäude und einen Neubau. Angegliedert an das Landesmuseum ist ausserdem das Postmuseum in Vaduz, sowie ein in der Gemeinde Schellenberg gelegenes bäuerliches Wohnmuseum.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gründung des Liechtensteinischen Landesmuseums wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch Fürst Johann II. initiiert und vom Landesverweser Friedrich Stellwag von Carion ausgeführt. Ziel war es, Kulturgüter, die für die Geschichte Liechtensteins wichtig waren, zu sammeln und für die Zukunft zu bewahren. Die Sammlung wurde im damals noch nicht von der fürstlichen Familie bewohnten Schloss Vaduz untergebracht. 1901 wurde der der Historische Verein für das Fürstentum Liechtenstein gegründet, der das Museum förderte und betreute. Während der Renovation des Schlosses Vaduz zur fürstlichen Residenz zog die Sammlung 1905 in das neue Regierungsgebäude in Vaduz um, wo sie 1926 wieder ausgelagert wurde.

1929 verlegte man die Sammlung wieder ins Schloss Vaduz. Nach dem Umzug der fürstlichen Familie nach Vaduz 1938 wurden die Objekte in verschiedenen Gebäuden untergebracht. In den frühen 1954 wurde die Sammlung schliesslich in die oberen Stockwerke des Neubaues der Liechtensteinischen Landesbank verlegt und zu Pfingsten eröffnet. 1966 musste die Sammlung aber wieder in verschiedene Häuser ausgelagert werden. Im April 1972 wurde das Museum dann in der ehemaligen herrschaftliche Taverne zum Adler im Zentrum von Vaduz, wieder eröffnet. Im Mai 1972 übernahm die neu gegründete Stiftung Liechtensteinisches Landesmuseum die Trägerschaft des Museum. Aufgrund massiver Schäden an der Bausubstanz des Museums durch nahe gelegene Baumassnahmen musste die Sammlung 1992 wieder ausgelagert und das Museum geschlossen werden. Nach der Errichtung des Bäuerlichen Wohnmuseums 1994 als Aussenstelle in Schellenberg konnten Teile der Sammlung wieder öffentlich präsentiert werden. 1999 wurde die Erweiterung und Renovation des Liechtensteinischen Landesmuseums begonnen und am 28. November 2003 erfolgte die feierliche Einweihung.[1]

Räumlichkeiten[Bearbeiten]

Das Landesmuseum umfasst am Hauptstandort zwei Altbauten und ein Neubau, die baulich miteinander verbunden sind.

Taverne und Zollstation[Bearbeiten]

Dendrochronologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Baugeschichte des Gebäudes bis ins Jahr 1438 zurückgeht. Der Kernbau bestand dabei aus einem zweigeschossigen und unterkellerten Massivbau. In der Folgezeit wurde das Gebäude als Taverne genutzt und ging schliesslich 1712 in den Besitz der Fürsten von Liechtenstein über. Anschliessend wurde zusätzlich eine Zollstation eingerichtet, die bis ins Jahr 1852 betrieben wurde. Von 1865 bis 1905 war das Gebäude Sitz der Landesregierung. 1933 wurde es in Privatbesitz übergeben und 1967 vom Land Liechtenstein erworben. In den Jahren 1968 bis 1970 wurde das Gebäude schliesslich umfassend umgebaut, um eine Nutzung als Museum zu ermöglichen.[2]

Das Liechtensteinische Landesmuseum im ehemaligen Verweserhaus

Verweserhaus[Bearbeiten]

Baugeschichtliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Ursprünge des Gebäudes auf das 12. bis 14. Jahrhundert zurückgehen. Der Bau besass zunächst die Form eines Wohnturmes mit trapezförmigem Grundriss, der schliesslich im 14. Jahrhundert zur heutigen Grundfläche ausgebaut worden war. Von 1594-1712 und von 1775-1918 diente das Gebäude dem Landvogt bzw. Landesverweser als Wohnsitz und bis 1865 auch als dessen Amtssitz. Von 1857-1862 war es zudem Tagungsort des Ständelandtages. In den Folgejahren wurde das Gebäude umfassend umgebaut und erhielt 1896 seine heutiges Erscheinungsbild. Im Jahr 1922 schenkte der damalige Landesfürst Johann II. das Bauwerk dem Land Liechtenstein, sodass es schliesslich als Bürogebäude verschiedener Ämter der Landesverwaltung genutzt wurde. Von 1999 bis 2003 wurde das Gebäude umgebaut und wird seither zu Ausstellungszwecken des Landesmuseums genutzt.[3]

Erweiterungsbau[Bearbeiten]

In den Jahren 1999 bis 2003 wurde neben den Altbauten ein Neubau errichtet, der in den östlich anschliessenden Berghang eingebaut wurde. Seither beherbergt der Erweiterungsbau eine naturkundliche Ausstellung und die Sonderausstellungen.[4]

Sammlungen[Bearbeiten]

Die Sammlungen des Liechtensteinischen Landesmuseums umfassen in erster Linie Objekte aus der liechtensteinischen und der regionalen Geschichte. Das Zeitspektrum reicht dabei von archäologischen Funden aus der Jungsteinzeit bis in die Neuzeit und umfasst sowohl Gebrauchsgegenstände, wie z.B. Waffen oder land- und alpwirtschaftliche Geräte, aber auch Kunstgegenstände, wie Orden oder Ehrenzeichen. Seit der Eröffnung des Erweiterungsbau im Jahr 2003 werden zudem auch Exponate einer naturkundlichen Sammlung – wie z.B. Flora und Fauna aus dem Alpengebiet - ausgestellt.[5]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Aussenstelle: bäuerliches Wohnhaus in Schellenberg

Das Museum umfasst neben Dauerausstellungen zur Geschichte und Landeskunde des Fürstentums Liechtenstein auch Wechselausstellungen mit spezifischen Themen.[6] Ausserdem besitzt das Landesmuseum mit dem Postmuseum in Vaduz und eine Ausstellung in einem bäuerlichen Museum in Schellenberg zwei Aussenstellen:

Das Postmuseum wurde im Jahr 1936 eröffnet und sammelt und konserviert seither wichtige Dokumente der Philatelie und Postgeschichte des Fürstentums Liechtenstein. Das Museum befindet sich seit 2002 in Räumlichkeiten des Engländerbaus in Vaduz.[7]

Das bäuerliche Museum befindet sich in einem der ältesten und besterhaltenen Holzwohnbauten in der Gemeinde Schellenberg. Das 1518 erbaute Gebäude gibt Einblicke in die Bauweise und Lebensweise der damaligen Zeit.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Museumsgeschichte Liechtensteinisches Landesmuseum - Abgerufen am 3. Juni 2011.
  2. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 308–309.
  3. Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. 2007, S. 309–310.
  4. Museumsgeschichte Liechtensteinisches Landesmuseum - Abgerufen am 3. Juni 2011.
  5. Sammlungen Liechtensteinisches Landesmuseum - Abgerufen am 3. Juni 2011.
  6. Ausstellungen Liechtensteinisches Landesmuseum - Abgerufen am 3. Juni 2011.
  7. Postmuseum Liechtensteinisches Landesmuseum - Abgerufen am 3. Juni 2011.
  8. Bäuerliches Wohnmuseum Liechtensteinisches Landesmuseum - Abgerufen am 3. Juni 2011.

Literatur[Bearbeiten]

  • Cornelia Herrmann: Die Kunstdenkmäler des Fürstentums Liechtenstein. Das Oberland. In: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK: Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Bern 2007, ISBN 978-3-906131-85-6.
  • Hansjörg Frommelt, Norbert W. Hasler: Liechtensteinisches Landesmuseum: Geschichte, Sammlungen, Ausstellungen, Bauten. Liechtensteinisches Landesmuseum, Vaduz 2004, ISBN 3-9521735-1-7.
  • Hansjörg Frommelt, Norbert W. Hasler: Die Dauerausstellung. Liechtensteinisches Landesmuseum, Vaduz 2004, ISBN 3-9521735-2-5.

Weblinks[Bearbeiten]

47.138679.52269Koordinaten: 47° 8′ 19″ N, 9° 31′ 22″ O; CH1903: 758078 / 222954