Lixus

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Die Ruinen von Lixus liegen auf einem Hügel oberhalb des Oued Loukos.

Lixus (phön.: Lks) war eine phönizische und römische Stadt und Handelsniederlassung im Nordwesten Marokkos.

Lage[Bearbeiten]

Die antike Ruinenstätte von Lixus liegt auf einem etwa 3 Kilometer landeinwärts gelegenen Hügel gegenüber der heutigen Stadt Larache. Am Fuß des Hügels befanden sich ehemals die Mündung des Oued Loukos und der antike Hafen. Die Straße N 1 nach Tanger läuft unmittelbar an den Garumbecken vorbei.

Geschichte[Bearbeiten]

Phönizier[Bearbeiten]

Der Überlieferung zufolge wurde Lixus möglicherweise schon im 11. oder 12. Jahrhundert v. Chr. von den Phöniziern gegründet, doch konnte das überlieferte Gründungsdatum 1180 v. Chr. archäologisch nicht bestätigt werden. Die frühesten Funde lassen sich ins späte 9. oder frühe 8. Jahrhundert v. Chr. datieren.[1] Der Handel mit Phönizien soll ungefähr zur gleichen Zeit wie in Gades eingesetzt haben. Später gelangte die Stadt unter karthagischen Einfluss. Sie war als Handelskontor der Phönizier bzw. Karthager für das erzreiche Hinterland, einem Ausläufer des Atlas, von großer Bedeutung. Dort wurden Gold, Kupfer, Eisen und Blei gewonnen.

Numider[Bearbeiten]

Die Überreste einiger Monumentalbauten von Lixus stammen möglicherweise aus der Zeit des Numiderkönigs Juba II., der um die Zeitenwende das Königreich Mauretanien regierte. Es sind jedoch nur spärliche Reste erhalten. Im Jahre 40 n. Chr. wurde sein Sohn und Nachfolger, Ptolemäus II., auf Befehl des Kaisers Caligula in Rom ermordet.

Römer[Bearbeiten]

In der römischen Kaiserzeit gehörte Lixus zu der von Kaiser Claudius im Jahr 42 geschaffenen Provinz Mauretania Tingitana. Es erlebte durch den Handel und den Schiffstransport von Getreide, Oliven und vor allem von Garum, einer zur römischen Zeit beliebten salzigen Fischsauce, eine wirtschaftliche Blüte und wurde reich mit Bauten ausgestattet − auch ein Theater/Amphitheater wurde gebaut, daneben Tempel, Thermen, Forum und andere öffentliche Bauten sowie private Villen (teilweise mit Mosaikfußböden). Während der spätantiken Krisenzeit wurde mitten durch die Stadt eine etwa 2 Meter hohe Mauer gezogen − möglicherweise der Versuch einer Trennung von römischer und einheimischer Bevölkerung. Lixus wurde im 4. Jahrhundert von den Römern aufgegeben.

Ausgrabungen[Bearbeiten]

Während einer langen und mehrfach unterbrochenen Ausgrabungskampagne in den Jahren 1949 bis etwa 1970 wurde das Zentrum − d. h. etwa 20 % der ehemaligen Gesamtfläche − des antiken Stadtgebietes untersucht. Einige Mosaikfunde aus römischer Zeit wurden ins Archäologische Museum von Tétouan gebracht. Die Seitenwange eines Thronsitzes mit der − möglicherweise noch aus phönizischer Zeit stammenden − Darstellung einer Sphinx ist heute im Archäologischen Museum von Rabat zu sehen.

Bedeutung[Bearbeiten]

Nach Volubilis ist Lixus die bedeutendste antike Ausgrabungsstätte in Marokko. Dennoch ist ein Besuch der Ruinen nur für Fachleute interessant. Ein Blick auf die − am Fuße des Hügels und unweit des antiken Hafens gelegenen − Garumbecken sowie auf die Überreste des Theater/Amphitheaters und die Grundmauern eines kleinen apsidialen Bauwerks, dass man als spätantike Kirche oder sogar als frühe Moschee angesehen hat, genügen in der Regel.

Die antike Stätte von Lixus wurde im Jahr 1995 auf die vorläufige Liste des UNESCO-Weltkulturerbes gesetzt.

Legende[Bearbeiten]

Bereits in der Antike wurde Lixus mit dem Platz gleichgesetzt, an dem Herakles die goldenen Äpfel aus dem Garten der Hesperiden stahl.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weitere Stätten am Atlantik mit möglicherweisem phönizischem Hintergrund sind Tingis (= Tanger), Sala (= Chellah von Rabat), Rusibis (= El Jadida) und die Purpurinseln bei Essaouira. An der Mittelmeerküste ist Rusaddir (= Melilla) zu nennen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Sommer, Die Phönizier – Handelsherren zwischen Orient und Okzident. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-45401-7
  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam − Geschichte , Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2009, S. 211ff ISBN 978-3-7701-3935-4
  • Ingeborg Lehmann, Rita Henss u. a.: Marokko. Baedeker-Verlag, Ostfildern 2010, S. 284f ISBN 978-3-8297-1251-4

Weblinks[Bearbeiten]

35.2-6.1Koordinaten: 35° 12′ 0″ N, 6° 6′ 0″ W

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eleftheria Pappa, Reflections on the earliest Phoenician presencs in North-West Africa (PDF; 356 kB), TALANTA XL-XLI (2008-2009), S. 53, 67 Anm. 38 (mit weiterführender Literatur)