Larache

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Dieser Artikel behandelt die Stadt. Für die Provinz, siehe Larache (Provinz)

35.183333333333-6.15Koordinaten: 35° 11′ N, 6° 9′ W

Place de la Liberation

Larache (auch Laraish, oder El Araish; arabisch ‏العرائش‎ al-Ara'isch, DMG al-ʿArāʾiš) ist eine Hafenstadt in der Region Tanger-Tétouan im Norden von Marokko. Larache ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und hat ca. 200.000 Einwohner.

Lage[Bearbeiten]

Larache liegt − oberhalb der Mündung des Oued Loukos − unmittelbar am Atlantik und ist über die A 1 und N 1 mit Tanger (ca. 85 Kilometer nordöstlich) und der Hauptstadt Rabat (etwa 180 Kilometer südwestlich) verbunden. Tétouan liegt etwa 130 Kilometer in nordöstlicher Richtung entfernt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Larache verfügt über einen Fischereihafen und eine Fischkonservenfabrik. Wegen der schönen Strände im Norden der Stadt spielt in den letzten Jahren der Bade-Tourismus eine immer größere Rolle.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die in spanischem Stil erbaute kreisrunde Place de la Libération bildet mit ihren von Arakaden überdachten Cafés das Zentrum von Larache und gleichzeitig den Übergang von der Altstadt (Medina) zur Neustadt. Ein altes Stadttor (Bab-el-Khemis) führt vom Platz direkt in die Medina zum langgezogenen Socco de la Alcaiceria (auch Socco Chico genannt), dem ehemaligen Markt der Stoffhändler, wo es heute allerdings fast alles zu kaufen gibt.

Daneben sind die mächtigen Mauern der 'Storchenburg' (Castillo de las Cigueñas) interessant, einer Festungsanlage mit Bastionen aus spanischer Zeit. Über dem Eingang zum ehemaligen Turm des Kommandanten prangt ein spanisch-portugiesisches Wappen (siehe Weblink) aus der Zeit der Personalunion beider Länder (1580–1640).

Auf einem oberhalb des Meeres gelegenen Friedhof etwa zwei Kilometer südlich des Stadtzentrums befindet sich das Grab des französischen Dichters Jean Genet.

Geschichte[Bearbeiten]

Larache im 17. Jahrhundert

Etwa vier Kilometer nordöstlich der Stadt sind die Reste der ursprünglich punischen, später römischen Siedlung Lixus gefunden worden. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde das Gebiet römisch. Im 9. Jahrhundert wanderten die Beni Arous, ein berberischer Stamm, in die Gegend ein; sie nannten die Stadt El Araïch (die 'Weinreben') − ein Name, der sich bis heute gehalten hat.

Im Jahr 1489 versuchten die Portugiesen die Stadt und ihr Umland einzunehmen, mussten aber das eroberte Gebiet noch im selben Jahr wieder räumen. Zwischen 1610 und 1689 gehörte es zu Spanien. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich Larache − wie andere marokkanische Küstenstädte auch − zu einem Seeräubernest und wurde in der Folge zweimal (1829 und 1860) von europäischen Flottenverbänden angegriffen. 1829 begründeten die Europäer dies mit der Kaperung eines österreichischen Handelsschiffes, die marokkanischen Korsaren wollten, wie in den sogenannten Barbareskenstaaten üblich, die Besatzung als Sklaven verkaufen. Die Österreicher entsandten mehrere Fregatten vom Kriegshafen Venedig, es kam zu einer Seeblockade des Hafens von Larache und einem Artilleriegefecht, das Österreich gewann. Schiffe unter österreichischer Flagge wurden fortan nicht mehr angegriffen.[1] Ab 1909 bzw. endgültig ab 1912 bis zur Unabhängigkeit Marokkos 1956 gehörte die Stadt zum Protektorat Spanisch-Marokko.

Siehe auch[Bearbeiten]

Ältere Städte an der Atlantikküste Marokkos mit zeitweiligem portugiesischen bzw. spanischen Hintergrund sind: Tanger, Asilah, Casablanca, El Jadida, Safi, Essaouira, Agadir und Sidi Ifni; daneben Ceuta und Melilla an der Mittelmeerküste.

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam − Geschichte , Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2009, S. 211ff, ISBN 978-3-7701-3935-4
  • Ingeborg Lehmann, Rita Henss u. a.: Marokko. Baedeker-Verlag, Ostfildern 2010, S. 281ff, ISBN 978-3-8297-1251-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Larache – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Renate Basch-Ritter: Österreich auf allen Meeren. Geschichte der k.(u.)k. Kriegsmarine von 1382 bis 1918. Styria, Graz 1995, S. 48,ISBN 3-222-11796-9