Melilla

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Melilla (span.)
 
Melilla
Flagge
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Wappen
Wappen
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Über dieses Bild
Basisdaten
Land: Spanien
Verwaltungssitz: Melilla
Fläche: 13,4 km²
Einwohner: 83.679 (1. Januar 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 6.244,7 Einw./km²
Ausdehnung: Nord–Süd: ca. 8 km
West–Ost: ca. 4 km
ISO 3166-2: ES-ML
Website: www.melilla.es
Politik und Verwaltung
Amtssprache: Spanisch
Autonomie seit: 14. März 1995
Präsident: Juan José Imbroda (PP)
Vertretung in den
Cortes Generales:
Kongress: 1 Sitze
Senat: 2 Sitze
Gliederung:
Karte
Karte
Blick auf den Festungshügel Medina Sidonia

Melilla (Tamazight Mrič) ist eine spanische Stadt, die an der nordafrikanischen Küste liegt und somit eine Exklave bildet, die an das Mittelmeer und an Marokko grenzt. Das Gebiet umfasst 13,4 km², auf denen etwa 83.679 Einwohner (Stand 1. Januar 2013) leben.

Melilla ist seit dem Jahr 1497 in spanischem Besitz; auch 1956 – nach der Unabhängigkeit Marokkos von den Kolonialmächten Frankreich und Spanien – blieben Melilla und das ebenfalls in Afrika gelegene Ceuta spanisch.

Die Altstadt von Melilla (Medina Sidonia) ist als Kulturgut (Bien de Interés Cultural) in der Kategorie Conjunto histórico-artístico anerkannt.

Lage[Bearbeiten]

Melilla liegt auf einer Halbinsel (Cabo de Tres Forcas) des afrikanischen Kontinents und ist von Grenzbefestigungen umgeben. Nador, die nächstgelegene Stadt auf marokkanischem Boden liegt ca. zehn Kilometer südlich; es verkehren etwa halbstündlich Busse bis zur Grenze, danach muss man in einen anderen Bus umsteigen. Die Entfernung der Fährverbindung nach Málaga beträgt etwa 190 Kilometer; nach Almería sind es ca. 180 Kilometer – die Überfahrt dauert jeweils ca. 7,5 Stunden.

Gliederung[Bearbeiten]

Melilla wird in acht Stadtbezirke (barrios) gegliedert:

  • Barrio de Medina Sidonia
  • Barrio del General Larrea
  • Barrio del Ataque Seco
  • Barrio de los Héroes de España
  • Barrio del General Gómez Jordana
  • Barrio del Príncipe de Asturias
  • Barrio del Carmen
  • Barrio del Polígono Residencial de La Paz

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1960 1970 1981 1991 2001 2011
Einwohner 79.056 64.942 58.449 63.670 66.411 78.476

Bei der ersten Volkszählung im Jahre 1877 hatte Melilla nur etwa 1.500 Einwohner; zehn Jahre später waren es ca. 5.500 und im Jahr 1900 ca. 10.000.

Religion[Bearbeiten]

Etwa 45 % der Einwohner Melillas sind Katholiken und ca. 30 % Muslime. Der Rest verteilt sich auf andere Glaubensrichtungen (15 %) und auf Agnostiker sowie Atheisten (10 %).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die wichtigsten Wirtschaftszweige Melillas sind die Fischverarbeitung und der Schiffbau. Vom Freihafen aus werden vor allem Fisch und Obst sowie Eisen- und Bleierze exportiert. Der grenzüberschreitende Handel sowie finanzielle Transfers vom spanischen Festland oder der restlichen EU sind weitere wirtschaftliche Stützen der Stadt. Die einzige offizielle Währung ist der Euro. In vielen Geschäften werden auch marokkanische Dirhams angenommen.

Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Melilla einen Index von 95 (EU-27:100) (2006).[2]

Verkehr[Bearbeiten]

Melilla besitzt einen Hafen mit Fährverbindungen nach Spanien, hauptsächlich Málaga und Almería, und einen Flughafen. Der Flughafen Melilla (Kürzel MLN) liegt etwa vier Kilometer südwestlich des Stadtzentrums nahe der Grenze zu Marokko; er wurde 1969 eröffnet. Von hier aus sind nur nationale Flüge auf das spanische Festland oder nach Mallorca möglich. Der Helipuerto Melilla wird militärisch genutzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Melilla geht möglicherweise auf eine Gründung der Phönizier zurück, die hier um 1100 v. Chr. einen Handelsplatz und eine Siedlung mit Namen Rusadir gründeten. Später wurde die Siedlung karthagisch, dann gehörte sie zum Königreich Mauretanien, welches im Jahre 42 n. Chr. in die römische Provinz Mauretania Tingitana integriert wurde. Im 5./6. Jahrhundert wurde der Ort zunächst von den Vandalen erobert, später dann von Konstantinopel, das jedoch im Jahre 705 den Arabern weichen musste, die die Siedlung zerstörten. Im 9. und 10. Jahrhundert wiederaufgebaut, wurde sie erneut zum Endpunkt eines wichtigen Karawanenwegs zwischen dem Mittelmeer und der Wüstenstadt Sijilmassa. Abd ar-Rahman III. befahl im Jahre 927 die Eroberung Melillas und der gesamten Nordküste Marokkos, das er von den schiitischen Fatimiden bedroht sah. Um 1030 n. Chr. gehörte Melilla zum Teilkönigreich (taifa) von Málaga. Unter den Meriniden war Melilla zeitweise Grenzbefestigung zwischen den Königreichen von Tlemcen und Fès. Im Jahre 1497, also fünf Jahre nach der Eroberung Granadas wurde die Stadt im Auftrag der Katholischen Könige Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón während der schwachen Herrschaft der marokkanischen Wattasiden-Dynastie erobert. Die Stadt wurde als Stützpunkt für weitere Aktivitäten in Nordafrika angesehen und den Herzögen von Medina-Sidonia übergeben; ab 1556 unterstand sie direkt der spanischen Krone. Nach mehrfachen vergeblichen Belagerungen (die letzte in den Jahren 1774/5) wurde Melilla im 17. und 18. Jahrhundert von den Spaniern zu einer Festungsstadt ausgebaut.

Melilla und Alhusemas vor 1910

Permanente Konflikte im Norden Marokkos, die auch von den europäischen Mächten Frankreich, Spanien und dem Deutschen Reich geschürt wurden, mündeten schließlich in den Rifkrieg (1911–1927), der auch unter dem Einsatz von Giftgas geführt wurde. Am 17. Juli 1936 erhoben sich Teile der in Melilla stationierten spanischen Truppen unter der Führung des Generals Francisco Franco gegen die Zweite Spanische Republik und lösten somit den Spanischen Bürgerkrieg aus.

Seit der Staatsgründung im Jahr 1956 beansprucht Marokko Melilla, das ca. 400 km weiter westlich gelegene Ceuta sowie einige kleine spanische Inseln vor der afrikanischen Küste, die auch zur Gruppe der Plazas de soberanía gehören[3]. Die Gebietsansprüche werden jedoch nicht vorangetrieben, da Marokko in vielerlei Hinsicht (Handel mit Europa, Status der Westsaharagebiete) von Melilla profitiert.

Seit dem Jahr 1995 verfügen Ceuta und Melilla jeweils über den Status einer „autonomen Stadt“ (ciudad autónoma), der ihnen einige der Befugnisse der autonomen Gemeinschaften verleiht. Melilla ist somit integraler Bestandteil des spanischen Staatsgebiets, der Europäischen Union und der NATO, verfügt aber über einige Sonderrechte. Insbesondere gehört es gem. Art. 3 Abs. 1 Zollkodex nicht zum Zollgebiet der Europäischen Union.

Migration nach Europa[Bearbeiten]

Blick von einem der südlichen Forts auf den Berg Gurugú zwischen Melilla und Nador in Marokko

Migranten aus Subsahara-Afrika versuchen immer wieder, über Algerien und Marokko nach Melilla zu gelangen, um nach Spanien oder in andere Länder der Europäischen Union einzureisen. Sie campieren in den Waldgebieten des Monte Gurugú und werden von Hilfsorganisationen mit Wasser und Lebensmitteln versorgt. Die Stadt ist zum Schutz vor illegaler Einwanderung mit drei bis zu sechs Meter hohen Zäunen (perímetros) sowie mit Bewegungsmeldern, Nachtsichtgeräten und Kameras gesichert, außerdem patrouilliert die Guardia Civil. Die Situation verschärfte sich erstmals Ende September 2005, nachdem bekannt wurde, dass die spanische Regierung die Sicherungsanlagen verstärken ließ. Während der Grenzübertritte kam es seitdem zu insgesamt 14 Todesfällen. Marokko schob Flüchtlinge, die an den Grenzanlagen von Melilla abgewiesen wurden, in die südlichen Nachbarländer ab; dabei wurde Marokko von internationalen Hilfsorganisationen beschuldigt, Flüchtlinge in der Wüste ausgesetzt zu haben.[4] Die marokkanische Regierung bestritt dies jedoch.

Im Juni 2008 stürmten in zwei Wellen erneut Dutzende afrikanischer Flüchtlinge die spanische Exklave. Dabei sollen auch mehrere Grenzpolizisten verletzt worden sein. Nur wenige Flüchtlinge gelangten in die Stadt, 50 Personen wurden aufgegriffen und in Abschiebelager gebracht.[5] Ähnliches wiederholte sich in den Jahren 2012,[6] 2013,[7][8] und 2014.[9] Anfang 2014 schätzte man die Zahl der Flüchtlinge, die sich in der Nähe der Grenzanlagen aufhalten, auf 30.000 Personen.[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Rathaus (ayuntamiento) von Melilla an der Plaza de España
  • Der ringsum befestigte Altstadthügel, auch Medina Sidonia genannt, ist das alte Herz der Stadt. In den winkligen und manchmal ansteigenden Gassen finden sich Zisternen (aljibes) und Lagerräume (almacenes), die in Belagerungszeiten die Wasser- und Lebensmittelversorgung sicherstellten, der Leuchtturm und mehrere Museen, von denen eines (Museo de Arqueología e Historia de Melilla) mit vielfältigen Exponaten zur Stadtgeschichte aufwartet. In der Kirche der Purísima Concepción (1687, rekonstruiert 1757) wird eine Statue der Nuestra Señora de la Victoria verehrt, der Schutzpatronin der Stadt.
  • In den zumeist rechtwinklig verlaufenden Straßen der Neustadt sowie an der Plaza de España finden sich viele Häuser im Stil des spanischen Modernismo aus dem letzten Drittel des 19. und dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Melilla gehört – nach Barcelona und Madrid – zu den wichtigsten Städten der spanischen ‚Gründerzeitarchitektur‘.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Blick von der Altstadt über den Hafen und die Uferpromenade auf das zur Erinnerung an die Fünfhundertjahrfeier der Eroberung der Stadt durch die Spanier (1997) errichtete Hochhaus und den Monte Gurugú

Partnerstädte[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Melilla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Melilla – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikivoyage: Melilla – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero de 2013. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).
  2. http://www.ine.es/prensa/np488.pdf Instituto Nacional de Estadistica
  3. * François Papet-Périn, "La mer d'Alboran ou Le contentieux territorial hispano-marocain sur les deux bornes européennes de Ceuta et Melilla". Tome 1, 794 p., tome 2, 308 p., thèse de doctorat d'histoire contemporaine soutenue en 2012 à Paris 1-Sorbonne sous la direction de Pierre Vermeren.
  4. Marokko holt Afrika-Flüchtlinge aus Sahara zurück Spiegel Online, 12. Oktober 2005
  5. Afrikanische Flüchtlinge stürmen spanische Exklave Melilla Der Spiegel, 22. Juni 2008
  6. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/afrikanische-fluechtlinge-ueberwinden-grenzwall-zu-exklave-melilla-a-850888.html
  7. Decenas de inmigrantes entran en Melilla en dos asaltos de unos 400 subsaharianos. EFE, 23. Juli 2013, abgerufen am 23. Juli 2013 (spanisch).
  8. Artikel auf n-tv.de (abgerufen am 18. September 2013)
  9. Hunderte Afrikaner überwinden Grenzzaun in Melilla. Deutsche Welle, 18. März 2014, abgerufen am 19. März 2014 (deutsch).
  10. Massenansturm auf Melilla: 30.000 Flüchtlinge stehen an den Grenzen zu Spanien. spiegel.de, 17. Februar 2014, abgerufen am 17. Februar 2014

35.2825-2.9475Koordinaten: 35° 17′ N, 2° 57′ W