Lorenz Christoph Mizler

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Lorenz Christoph Mizler [de Kolof] (* 26. Juli 1711 in Heidenheim (Mittelfranken); † 8. Mai 1778 in Warschau)[1] war ein deutscher philosophischer Gelehrter, Schriftsteller, Mediziner, Buchdrucker, Buchhändler, Musiktheoretiker, und Musikwissenschaftler. Der Doktor der Philosophie und der Medizin hat eine besondere Relevanz für die Bachforschung und für die polnische Aufklärung.[2]

Leben und Werk[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Mizler beschäftigte sich schon früh mit antiken Autoren, den Problemen der zeitgenössischen Philosophie und Theologie, aber auch mit den Fragen der Musik. Der Schulbesuch in Ansbach wurde durch häuslichen Privatunterricht ergänzt.[3] Georg Heinrich Bümler, der Kapellmeister des Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und Johann Samuel Ehrmann, Chordirektor zu Ansbach, wurden neben dem Theoretiker Johann Mattheson und dem Praktiker Johann Sebastian Bach als Widmungsträger in Mizlers Dissertatio (1734) geehrt. Mizler betonte in seinem Widmungstext, er habe von seinem lieben und besten Freund Johann Samuel Ehrmann die Grundlagen der Musik gelernt. Johann Matthias Gesner, der 1731 Rektor der Leipziger Thomasschule wurde, sorgte mit seinem hervorragenden Empfehlungsschreiben dafür, seinem ehemaligen Ansbacher Schüler in der neuen sächsischen Heimat eine Fortsetzung des Musikunterrichtes bei Johann Sebastian Bach zu vermitteln.

Prägungen durch Christian Wolff und Johann Sebastian Bach[Bearbeiten]

Dem 26-jährigen Mizler wurde im Leipziger Kulturleben großer Respekt entgegengebracht. Der hier tätige Philosophieprofessor und einflussreiche Gelehrte Carl Günther Ludovici räumte ihm 1737 eine weitaus höhere Bedeutung innerhalb der Musik ein als dem Virtuosen Johann Sebastian Bach. Das führte dazu, dass Mizlers Leben und Werk deutlich umfangreicher als das seines Lehrers in dem redaktionell von Ludovici ab 1739 betreuten Universal-Lexicon dargestellt wurden. Die Gründe für diese eigenartige Bevorzugung liegen in dem hohen Stellenwert der Wolffischen Philosophie, die von der Musikwissenschaft bei der Betrachtung des Leipziger Geisteslebens bislang meistens unbeachtet blieb. Mizler hatte sich schon frühzeitig als leidenschaftlicher Wolffianer zu erkennen gegeben und nahm deshalb diese herausgehobene Position bei den führenden Aufklärern im Leipziger Raum ein.

Über die Philosophie Christian Wolffs wurde bereits in Ansbach äußerst kontrovers diskutiert, und Mizler sah in seiner von Leidenschaft geprägten Suche nach Wahrheit keine Kompromissmöglichkeit zwischen den so genannten Wolffianern und den Anti-Wolffianern. Hauptstreitpunkt war das Verhältnis von Philosophie und Theologie. Die von Wolff propagierte Freiheit von Forschung und Lehre ermöglichte gegenüber theologischen Aussagen eine grundsätzlich kritische Haltung, die Wolff aus dem Vorrang der Philosophie vor der Theologie ableitete. Lutherisch-orthodoxe und pietistische Theologen waren über die Forderung nach einer Änderung dieser alten Rangordnung empört und unterstellten überdies Wolff eine antichristliche oder – mit Blick auf dessen Begeisterung für die chinesische Kultur – sogar atheistische Haltung. Als Bachschüler war der Akademiker Mizler in den 1730er Jahren auf einem gänzlich anderen Wissensstand als der Nicht-Akademiker Bach. Dies alles muss auf den im konservativen Umfeld lebenden Bach zunächst irritierend gewirkt haben. Mizler hatte bereits in seiner Dissertation 1734 von einem „vollkommenen Musiker“ gefordert, er müsse nicht nur in allen Teilen der Philosophie bewandert, sondern vor allem auch ein geübter Mathematiker sein. Ganz im Sinne des damaligen Zeitgeistes schrieb Mizler, Kompetenz erweise sich dadurch, dass der wirkliche Kenner die Regeln seiner Kunst auf wissenschaftliche Weise erläutern könne. Allerdings räumte Mizler ein, ein solcher sei in der Musik nur sehr schwer zu finden. Möglicherweise ist es wegen derartiger für die Wolffianer typischen Forderungen sogar zu einer vorübergehenden Distanz zwischen dem Praktiker Bach und dem Theoretiker Mizler gekommen.

J. S. Bach, Ölgemälde von Elias Gottlob Haussmann

Die Beziehung zwischen Bach und Mizler wurde in den 1740er Jahren intensiver, denn der Komponist empfing seinen ehemaligen Schüler 1747 wie einen guten Freund und gewährte ihm Einblicke in seine Partituren.[4] Mizler war durch wichtige Veröffentlichungen inzwischen zu einem in der Musikwelt geachteten Musiktheoretiker geworden, zu einem interessanten und kompetenten Gesprächspartner für Bach. Dieser setzte ein weiteres positives Zeichen und trat nach Abschluss der etwa ein Jahr dauernden Formalitäten 1747 der von Mizler gegründeten und an der Philosophie Wolffs orientierten Correspondierenden Societät der musicalischen Wissenschaften bei, zu der er sich auch ohne Not hätte distanzieren können. Dieser öffentliche Beitritt Bachs zu der Sozietät des leidenschaftlichen Wolffianers Mizler lässt aufhorchen. Die inzwischen sorgfältig erforschte Quellenlage ermöglicht eine neue Sichtweise auf das letzte Lebensjahrzehnt von Bachs. Mizler bewertete seinerseits das Verhältnis mehrfach positiv und sprach von Bach als seinem guten Freund und Gönner.[5] Das bekannte Bach-Portrait[6] von Elias Gottlob Haussmann wurde 1746 satzungsgemäß im Rahmen der Vorbereitungen von Bachs Sozietätsbeitritt angefertigt und zeigt die Relevanz Mizlers ebenso wie die von ihm veröffentlichte erste umfangreiche Bachbiographie. Die Bedeutung Mizlers für das letzte Lebensjahrzehnt Bachs ist allerdings von Bachforschern unterschiedlich bewertet worden – leider immer auf der Basis fragmentarischer Erkenntnisse zu Mizler.[7]

Musiktheoretischer Rationalismus[Bearbeiten]

Bei einem flüchtigen Blick auf die musikwissenschaftlichen Schriften Mizlers könnte man vermuten, dass er diese Kunst als in allen Details rational erfassbar betrachtete. Dieser Eindruck des rigorosen Rationalismus könnte sich verstärken durch die von ihm vielfach betonten mathematischen und systematischen Aspekte der Musiktheorie. Zweifellos versuchte der Gelehrte, möglichst viele Bereiche streng wissenschaftlich zu erforschen. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich allerdings Differenzierungen, denn Mizler sah durchaus die Geheimnisse des Komponierens, die sich einer rationalen Durchdringung verschließen. Manche Äußerungen aus den 1730er Jahren waren von jugendlichem Eifer geprägt oder leichtfertig und missverständlich formuliert. Mizler relativierte später die in Übermut veröffentlichten Äußerungen und sprach von Bereichen in der Musik, die sich rational nicht fassen lassen.[8] Hingegen wollte er die überschaubaren Themen der Musiktheorie nach strengen Prinzipien systematisieren. Schon die Zeitgenossen hatten Mizlers „Generalbass-Maschine“ missverstanden, denn damit sollte lediglich das rational darstellbare Lehrkonzept der Allgemeinen Musiklehre inklusive des Satzmodells der so genannten Oktavregel demonstriert werden.

Aktivitäten zur Förderung der Musik[Bearbeiten]

Ab der Mitte der 1730er Jahre startete Mizler auf verschiedenen Ebenen Aktivitäten zur Förderung der Musik: Er veröffentlichte die 2250 Seiten umfassende Fachzeitschrift Musikalische Bibliothek[9] Zunächst erschienen 15 einzelne Ausgaben, die dann zu vier Bänden zusammengefasst wurden. Die unterschiedlichen Themen der insgesamt 111 Zeitschriftenbeiträge stellen eine wichtige musikwissenschaftliche Quelle dar. 1738 gegründete Mizler die Correspondierende Societät der musicalischen Wissenschaften, die sich als virtuelle Gemeinschaft lediglich per Rundschreiben austauschte. Zu den Mitbegründern gehörten Giacomo de Lucchesini († 1739) und Georg Heinrich Bümler (1669–1745). Namhafte Komponisten wie Händel, Telemann, Stölzel, Graun und Bach wurden Mitglieder dieser bis mindestens 1761 existierenden Gesellschaft. Die erhoffte Effizienz der Vereinigung blieb allerdings trotz des intensiven Austauschs weit unter den Erwartungen Mizlers. Sozietätsinterne Auseinandersetzungen, insbesondere um die von Telemann eingebrachten speziellen Theorien zum Tonsystem, schwächten den Zusammenhalt der Mitglieder, so dass die Bedeutung der Sozietät im Laufe der Zeit sank, zumal sie sich noch mit finanziellen Problemen befassen musste. Erschwerend kam hinzu, dass Mizler bereits 1743 seinen Wohnsitz nach Końskie im Süden Polens verlegt hatte und sein Interesse nach seinem Umzug nach Warschau im Jahre 1749 zunehmend auf andere Gebiete verlagerte.

Mizler widmete sich neben seiner Arbeit für die Sozietät grundlegenden Arbeiten zur Musiktheorie. Er veröffentlichte eine Generalbass-Lehre, in der er Grundsätze der zeitgenössischen Musiklehre systematisch darstellte.[10] Das bedeutende Lehrwerk zum Kontrapunkt von Johann Joseph Fux Gradus ad Parnassum (lateinisches Original 1725), das für nachfolgende Komponisten bis zu Paul Hindemith als Standardwerk galt, erschien 1742 in Mizlers deutscher Übersetzung.[11]

Als Komponist hat Mizler nur eine marginale Bedeutung. Oft wurden seine viel diskutierten Odenkompositionen dazu missbraucht, seine umstrittenen Ideale zu diskreditieren. Diese kleinen Tonsatzarbeiten sind aber lediglich als Anwendungsbeispiele und Übungsstücke zu Mizlers Musiktheorie zu verstehen.

Wirken in Polen ab 1743[Bearbeiten]

In seiner zweiten Lebenshälfte wurde Mizler zum Königlich Polnischen Hofrath und Hofmedicus ernannt und trat sowohl als Doktor der Philosophie als auch der Medizin in Erscheinung. In Polen widmete er sich zunächst intensiv dem Arztberuf. Immer wichtiger wurde aber sein Wunsch, Einfluss auf das literarische Leben zu nehmen. Eine seiner Pioniertaten war die erste Gründung einer Druckerei in Warschau, die von der Geistlichkeit formal nicht abhängig war. Hier begann er den Betrieb 1756 und produzierte etwa 150 Schriften. Er wirkte als Autor, Buchhändler, Buchdrucker, Bibliothekar, Herausgeber von Zeitschriften und von polnischer Literatur. Insbesondere veröffentlichte er als Historiograph des Königreichs von Polen umfangreiche Folianten mit insgesamt über 4000 Seiten. Weiterhin ist die polnischsprachige Ausgabe von Johann Christoph Gottscheds Erste Gründe der gesamten Weltweisheit hervorzuheben. Die von ihm redaktionell maßgeblich gestaltete Zeitschrift Monitor wurde in den Jahren 1765–1777 in seiner Druckerei mit einem Umfang von mehr als 10.000 Seiten produziert. Sowohl Gottscheds Werk als auch der Monitor waren für die Entwicklung der polnischen Aufklärung bedeutsam. Mit Recht konnte sich Mizler als einer der ersten „Apostel der Wolffischen Philosophie“ bezeichnen. Für seine Verdienste wurden Mizler von der polnischen Regierung der Adelstitel „de Kolof“ und vom König Stanislaus II. August Poniatowski die besondere Ehrenmedaille Merentibus verliehen.

Philosophisches Selbstverständnis[Bearbeiten]

Es wäre irreführend, Mizler als Musiker mit anderen Bachschülern auf eine Stufe zu stellen. Der junge Gelehrte bezeichnete sich selbst vielmehr als Philosoph. Seine musikwissenschaftlichen Vorlesungen, die er an der Philosophischen Fakultät der Leipziger Universität mit philosophischen und theologischen Themen verknüpfte, gelten innerhalb der zu diesem Zeitpunkt noch nicht etablierten universitären Musikwissenschaft als Pioniertat. Als eigenständiger philosophischer Autor ist Mizler allerdings nicht nennenswert hervorgetreten, denn er lebte wie viele zeitgenössische Gelehrte vor Kant in der Hoffnung, mit der demonstrativen Methode Wolffs sei ein perfektes System zur Lösung der verschiedenartigsten Probleme gefunden. Nun käme es lediglich darauf an, dass Wolffs „Apostel“ die Wahrheit dieser Philosophie verbreiten und in der Praxis zum Wohle der Gesellschaft anwenden. Wahrheit wurde verstanden als eine wissenschaftliche Aussage, die einer strengen logischen Prüfung standhalten konnte. Mizlers Lehrer Johann Christoph Gottsched definierte die Philosophie (Weltweisheit) als „eine Wissenschaft der Glückseligkeit“.[12] Noch in seinen letzten Lebensjahren betonte Mizler die Bedeutung der Wissenschaften und Künste, „die doch alles zur wahren zeitlichen Glückseeligkeit mit beytragen“.[13] Da sich Mizler in diesem Sinne vornehmlich als Philosoph sah, ist es nicht verwunderlich, dass er immer wieder mit großem Nachdruck darauf hinwies, die Musik sei nur seine Nebentätigkeit.[14] In der Musik finde diese Philosophie aber ihre konkrete Anwendung.[15]

Mizlers Position innerhalb der Wolffianer[Bearbeiten]

Bei seinem Bemühen um eine Reintegration der antiken Musikphilosophie in das enzyklopädisch-universitäre Denken begab sich Mizler auf eine Gratwanderung. Unmissverständlich war das pythagoreische Denken im Zusammenhang mit den Diskussionen um Sigmund Ferdinand Weißmüller bei führenden Leipziger Gelehrten wie Carl Günther Ludovici diskreditiert worden. Das mag auch der Grund dafür sein, warum man Mizler lieber in Polen sah und nicht als Dozent der Leipziger Universität. Mizler hatte 1742, ein Jahr vor seiner Abreise nach Polen, sein Vorlesungskonzept dargelegt.[16] Es war umstritten, ob die traditionellerweise im Rahmen der artes liberales zur philosophischen Enzyklopädie gehörende Musik auch noch im 18. Jahrhundert als eine philosophische Wissenschaft zu betrachten sei. Mizler hatte diese Frage bereits in seiner Dissertation 1734 und noch deutlicher in der zweiten Edition 1736 eindeutig bejaht und dafür die Kritik Ludovicis ertragen müssen, der Mizler aber dennoch in den erlauchten Kreis der Wolffianer aufnahm. Sein Interesse an zeitgenössischer Mathematik zeigte Mizler in der Besprechung von Eulers Musiktraktat Tentamen novae theoriae musicae (1739). Mizler konnte durchaus mit dem Niveau von Eulers mathematischem Musikdenken mithalten. Wolff äußerte sich mehrfach lobend über Mizlers musikalische Kompetenz. Insbesondere freute sich der Philosoph, dass sein Kontrahent Euler durch Mizler in seiner musikalischen Inkompetenz demaskiert worden war. Auch Gottsched sprach mit überschwänglichem Lob über seinen ehemaligen Studenten.[17] Mizler genoss also als Gelehrter mit dem Schwerpunkt Musiktheorie bei den einflussreichen Wolffianern einen hervorragenden Ruf.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Primärquelle zu dem nicht einheitlich überlieferten Geburtsdatum Mizlers: „Laurentius Christophor[us] Herrn Johann Georg Mitzlers, Hochfürstl[ichen] Gerichtsschreibers alhier mit seiner Eheliebsten Fr: Barbaram [/neuzeitliche Einfügung, wohl von Kirchenrat Kübler/: geb. Stumpf aus St. Gallen] ehl: erzeigtes Söhnlein, welches Sontags d[en] 26. Jul: früh zwischen 2 – 3 Uhr zur Welt gebohren worden, hat folgenden Tags in offentlicher Kirche alhier bey der h. Tauff an statt Herrn Lauretij Christophori Mauler ältesten Hoff-Raths Secretarii, und in seinem Nahmen Herr Philipp Christoph Schneider, Ober Ampts Castner alhier nach Christl: Gebrauch versprochen.“ (Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Heidenheim, Taufe Nr. 21/1711; so auch bei Wöhlke 1940, S. 3).
  2. Mizler veröffentlichte mehrere philosophische Dissertationen: Dissertatio, quod Musica Ars sit pars eruditionis Philosophicae, Leipzig 1734, 2. verbesserte Aufl. mit geändertem Titel Dissertatio quod musica Scientia sit et pars eruditionis Philosophicae und neuem Vorwort, Leipzig und Wittenberg 1736, deutscher Auszug in: Gründl. Auszüge aus den Neuesten Theologisch-Philosophischen und Philologischen Disputationibus. Leipzig 1738, S. 84–94. Eine weitere philosophische Dissertation trug den Titel Programma de usu atque praestantia Philosophiae in Theologia, Iurisprudentia, Medicina, Leipzig 1736. Den medizinischen Doktorgrad erlangte er 1747 in Erfurt mit seiner Dissertatio Inavgvralis Medica De Balsami Vvlnerarii Vniversalis Vsv Ac Praestantia: in omnibus vulneribus, ulceribus tum inveteratis tum venereis, omnibus externis et plurimis internis inflammationibus [als Auszug Abhandlung vom Nutzen und Gebrauch des Mizlerischen Wundbalsams. In: Warschauer Bibliothek, Teil 1, Warschau und Leipzig im Mizlerischen Bücherverlag 1755, S. 75–79]. Online-Texte von Mizler siehe Internetquellen; Chronologie siehe Zeittafel.
  3. Die knapp gefasste Dissertation von Franz Wöhlke: Lorenz Christoph Mizler. Berlin 1940 widmet sich Teilaspekten von Mizlers Biografie. Sie wurde 2012 durch eine umfangreichere Forschung von Lutz Felbick ergänzt (s. www.mizler.de). Diese Gesamtschau basiert auf Mizlers Selbstverständnis als Philosoph.
  4. Der geistesgeschichtliche Wandel in Leipzig mag zu dieser nun bestehenden allgemeinen Offenheit gegenüber den Anliegen der Wolffianer beigetragen haben, denn diese Stadt war in den 1740er Jahren zum "Schwerpunkt des Wolffianismus" geworden. Die Philosophie Wolffs war im Umfeld Bachs inzwischen so salonfähig geworden, dass sie nur noch vereinzelt Anlass zu Konflikten bot (Johannes Bronisch: Der Mäzen der Aufklärung. Ernst Christoph von Manteuffel und das Netzwerk des Wolffianismus, Berlin 2010, S. 175. Bronisch liefert in diesem grundlegenden Werk anhand zahlreicher Quellen und durch die Anführung von aussagekräftiger Sekundärliteratur eine detaillierte Darstellung der Leipziger Geistesgeschichte zur Zeit Wolffs {bzw. Bachs} (vgl. S. 170ff.) google-books.
  5. Mizler zählte Bach 1738 unter seine “guten Freunde und Gönner” (Musikalische Bibliothek, I.4 [1738], 61 Quelle online). 1754 bekräftigte Mizler im Nekrolog, Bach sei sein „guter Freund“ gewesen (Musikalische Bibliothek, IV.1 [1754], 173 Quelle online).
  6. Bereits 1746 kündigte Mizler den Beitritt von “drey ansehnlichen Mitgliedern” an, von denen einer Bach war. Sowohl diese Quelle als auch das schon 1746 vorliegende Haussmann-Gemälde und das in der Sozietät übliche aufwendige Aufnahmeverfahren, das fast ein Jahr dauern konnte, deuten auf eine frühe Bereitschaft Bachs zum Societätsbeitritt. Auch die 1746 erfolgte Satzungsänderung könnte in einem Zusammenhang mit seinem Beitritt stehen (Felbick 2012, S. 346, Musikalische Bibliothek, III.2 [1746], 415 Quelle online). Satzung der Sozietät, 2. Fassung: Musikalische Bibliothek, III.2 [1746], S. 348–356, Quelle online).
  7. „Wo immer Bachs letzte Lebens- und Schaffensjahre zur Debatte stehen, gehört vorab jene Korrespondierende Societät der Musikalischen Wissenschaften [Mizlers] auf die Tagesordnung, die wegen ihres aufklärerischen Impetus von der Bach-Forschung – man darf sagen, mit entschiedener Ausnahme Arnold Scherings – zum Teil leidenschaftlich diskreditiert worden ist“ (Hans Günter Hoke: Neue Studien zur „Kunst der Fuge“ BWV 1080. In: Beiträge zur Musikwissenschaft. 1975, S. 96; Arnold Schering: Musikgeschichte Leipzigs III. Leipzig 1941, S. 193–207).
  8. 1742 stellte Mizler klar, dass eine Komposition selbstverständlich nicht durch die mechanische Anwendung von einfachen Schulregeln verfasst werden kann: „Es gehört aber Verstand und Witz darzu, daß keine Schulfüchserey und pedantisches Wesen herauskömmt.“ Musikalische Bibliothek II.3 (1742), S. 105.
  9. Übersicht über die Titel der 111 Beiträge der Musikalischen Bibliothek
    Orientierungshilfe zu den online-Ausgaben der Musikalischen Bibliothek und weitere online verfügbare Schriften Mizlers
  10. Quelle online
  11. Quelle online
  12. Johann Christoph Gottsched: Erste Gründe der gesamten Weltweisheit (Ausgabe von letzter Hand) 2 Bde., Leipzig 1762, Reprint: Christian Wolff, Gesammelte Werke, hrsg. von Jean Ecole [u. a.], III. Abt.: Materialien und Dokumente Bd. 20.1/20.2., Hildesheim 1983, Bd. 1, S. 3.
  13. Lorenz Mizler: Brief[e] eines Gelehrten aus Wilna an einen bekannten Schriftsteller in Warschau, die polnischen Schaubühnen betreffend, Warschau 1775/76, Abdr. in: Ludwik Bernacki: Teatr, dramat i mzyka za Stanisław Augusta, Bd. 1: Żródła in materia ły. Lwów 1925, S. 108.
  14. Mizler sprach zwischen 1736 und 1752 von der Musik als seinem „Nebenwerk“: Mizlers Dissertatio 1736, S. V, Johann Mattheson: Grundlage einer Ehren-Pforte, Hamburg 1740, Reprint: Kassel 1969, S. 232 und in der Vorrede zum vierten Teil des dritten Bandes der Musikalischen Bibliothek vom 18. August 1752.
  15. Die Mathematische Methode Wolffs zeigt sich sehr offensichtlich in seiner Generalbass-Schrift Anfangs-Gründe des Generalbasses nach mathematischer Lehr-Art abgehandelt, und vermittelst einer hierzu erfundenen Maschine auf das deutlichste vorgetragen von Lorenz Mizlern, Leipzig o. J. [1739]. Vgl. die Analyse bei Felbick 2012, S. 486f.
  16. „recitationes suas mathematicas philosophicas musicas de novo futur“ als Anhang zu der philosophischen Schrift De natura syllogismi, Leipzig 1742 (Quelle online).
  17. Felbick 2012, S. 424 u. 468f.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]