Louis Le Prince

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Louis Le Prince (um 1885)

Louis Aimé Augustin Le Prince (* 28. August 1842[1] in Metz; † am 16. September 1890 (verschollen)) war ein französischer Chemiker, Erfinder und Filmpionier, der 1888 die ersten Filmaufnahmen der Geschichte mit einer Filmkamera durchführte.

Biografie[Bearbeiten]

Roundhay Garden Scene von Le Prince ist der erste Film der Geschichte

Le Prince wurde als Sohn eines Offiziers der französischen Armee geboren, des Louis Abraham Ambroise Leprince (16. September 1799– 2. August 1855), der ein Freund des Fotopioniers Louis Jacques Mandé Daguerre war. Durch ihn wurde Le Prince schon früh mit den Techniken der Fotografie vertraut. Er studierte angeblich Chemie und Physik an der Universität Leipzig, wo er sich mit dem englischen Ingenieur John Whitley anfreundete. Whitley lud Le Prince 1866 nach Leeds ein, der dort als Ingenieur im Betrieb der Familie Whitley arbeitete. 1869 heiratete Le Prince Whitleys Schwester Elizabeth. Mit ihr zusammen gründete er 1871 die Leeds Technical School of Arts.

1881 zog Le Prince mit seiner Familie nach New York, um dort als Vertreter für die Firma Whitley zu arbeiten. Als der Vertrag mit Whitley endete, blieb Le Prince in New York und begann als Agent für einige französische Künstler zu arbeiten. Außerdem setzte er Experimente zur Aufnahme bewegter Bilder fort.

Inspiriert durch die Arbeiten von Eadweard Muybridge und anderen Pionieren entwickelte er 1886 eine Kamera, die die Aufnahme bewegter Bilder mit Hilfe von 16 Linsen ermöglichte. Der Nachteil war aber, dass jedes Bild aus einer etwas anderen Perspektive aufgenommen wurde. Le Prince reichte ein Patent für diese Kamera ein, es wurde schließlich 1888 erteilt.

Leeds

1887 kehrte Le Prince ohne seine Familie nach Leeds zurück. Dort entwickelte er eine Kamera mit nur einem Aufnahmeobjektiv, für die er als Filmmaterial den von George Eastman vermarkteten Rollfilm auf Papierbasis (Stripping Film) benutzte. Das Patent für diese Kamera wurde ihm im Oktober 1888 erteilt. In diesem Monat filmte er Bilder von der Familie Whitley im heimischen Garten in Roundhay (Roundhay Garden Scene) sowie Aufnahmen vom Straßenverkehr auf der Leeds Bridge (Traffic Crossing Leeds Bridge). Von beiden Filmen existieren heute noch fotografische Kopien. Im selben Jahr erlangte er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

1890 plante Le Prince seine Rückkehr nach New York, um dort seine Kamera und seine Filme zu präsentieren. Am 12. September 1890 wollte er von Bourges nach Dijon reisen, um dort seinen Bruder zu besuchen. Laut diesem soll Le Prince am 16. einen Zug nach Paris bestiegen haben, um mit Freunden aus England zusammenzutreffen. Er kam aber nie in Paris an und blieb trotz intensiver Suche seiner Familie und der Polizei spurlos verschwunden. Was genau vor sich ging, ist bis heute ungeklärt.

Die University of Leeds benannte ihr Zentrum für Film, Fotografie und Fernsehen nach Louis Le Prince.

Seit einigen Jahren gibt es einen Nachbau seiner 1888-Kameras.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. andere Autoren nennen 1841 als Geburtsjahr, vgl. Rawlence: The Missing Reel, S. 87.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean-Jacques Aulas, Jacques Pfend: Louis Aimé Augustin Leprince, inventeur et artiste, précurseur du cinéma. In: 1895. Revue de l’Association Française de Recherche sur l'Histoire du Cinéma. Nr. 32, 2000, S. 9–74.
  • Christopher Rawlence: The Missing Reel. The Untold Story of the Lost Inventor of Moving Pictures. Collins, London, 1990; Fontana-Harper-Collins, 1991. ISBN 0-00-637328-3.
  • Christopher Rawlence: Warum verschwand Augustin Le Prince? Die mysteriöse Geschichte des Erfinders der bewegten Bilder. Verlagsgesellschaft, Köln 1991, ISBN 3-8025-2209-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Louis Le Prince – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien