Luren

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Luren-Tracht um 1921

Die Luren (auch Loren, Lur oder Luri, in lurischer Sprache: لُر) sind eine zu den iranischen Völkern gehörende Ethnie, die bis in das 20. Jahrhundert hinein überwiegend als Nomaden lebte.[1][2][3][4] Ihr Hauptsiedlungsgebiet erstreckt sich von einem Zentrum um das Zagrosgebirge im westlichen Iran bis in den Südosten des Irak.[5] Insgesamt leben in den Hauptsiedlungsgebieten sowie in den iranischen Großstädten geschätzt knapp fünf Millionen Luren.[6]

Kultur[Bearbeiten]

Siedlungsgebiet der Luri

Sowohl die Luren im Norden als auch die in Lorestan lebenden Kurden teilen sich in die Gruppen Poshte Kuh („jenseits der Berge“) und Pishe Kuh („diesseits der Berge“). Unterhalb dieser Unterscheidung setzt sich das lurische Volk aus sechzig Stämmen zusammen, von denen die Boir Ahmadi, die Kuhgiluye und die Mamasani die bekanntesten sind. Die lurischen Stämme standen im Ruf, besonders furchtlose und harte nomadische Kämpfer von robuster Natur zu sein.[7]

Bis zur Herrschaft der Pahlavi-Dynastie lebte die Mehrheit der Luren als nomadische Hirten, mit einer kleinen städtischen Minderheit in der Provinzhauptstadt Khorramabad. Die Gesellschafts- und Herrschaftstraditionen der Luren ähnelten jenen der benachbarten Kurden. Weibliche Luren genossen, ebenso wie kurdische Frauen, seit jeher größere Freiheiten als dies bei benachbarten iranischen und arabischen Völkern der Fall war.[8] Die Selbstbestimmung der Luri-Stämme stand frühzeitig unter dem Druck zentralstaatlicher Interessen, jedoch behielten viele der Luri-Stämme bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine weitgehende Eigenständigkeit in inneren Belangen. Unter der Herrschaft des Nader Shah im 18. Jahrhundert wurden lurische Stämme aus dem Zagrosgebirge nach Khorasan umgesiedelt, vor allem der Luri-Stamm der Zand zog jedoch nach dem Tode Nader Shahs wieder zurück in ihr traditionelles Stammesgebiets im Bereich Malayir.[9]

Während der Herrschaft Reza Schah Pahlavis wurde das vormals nomadisch lebende Volk schließlich zur Sesshaftigkeit gezwungen und viele seiner Führer waren der Verfolgung ausgesetzt. Um 1986 waren die Luren fast vollständig sesshaft geworden. 60% der Luren leben heute in Großstädten in und außerhalb des traditionellen Siedlungsgebietes.[10][11] Zum Ackerbau wechselten die Luren vergleichsweise spät im Zuge ihrer Sesshaftwerdung.[12]

Die traditionellen Behausungen der Nomaden waren schwarze Zelte (siah tschador), offene Unterstände mit Blätterdach (kula) im Sommer und Steinhäuser (zemga) mit aus Lesesteinen geschichteten Wänden im Winter. Wie auch das benachbarte Volk der Qashqai, sind auch die Luren bekannt für ihre traditionelle Teppichknüpfkunst.[13]

Sprache[Bearbeiten]

Lorestan, Berg Oshtoran

Die lurische Sprache (Lorī) ist eine iranische Sprache, sie erinnert an eine archaische Form des Persischen.[14] Lori wird in zwei Hauptdialekte geteilt. Lure Bozorg („größeres Lur“) wird im Süden von den Bachtiyaris gesprochen. Lure Kuchik („kleineres Lur“) ist im Norden im Siedlungsgebiet der Luren verbreitet.

Genetische Besonderheiten[Bearbeiten]

Durch ihre Jahrtausende währende abgeschottete Lebensweise in schwer zugänglichem Gebirge, weisen Luri und ihre Nachfahren auch heute noch bestimmte, besondere genetische Merkmale auf, unter anderem ein vermehrtes Vorkommen der Y-DNA Haplogruppe R1b, insbesondere in Form der Untergruppe R1b1a2a-L23.[15][16]

Literatur[Bearbeiten]

  • Colin MacKinnon: Lurische Dialekte. In: Ehsan Yarshater (Hrsg.): Encyclopædia Iranica, Stand: 7. Januar 2011, eingesehen am 18. Juni 2012 (englisch, inkl. Literaturangaben)
  • Inge Demant Mortensen: Nomads of Luristan. History, Material Culture, and Pastoralism in Western Iran (= The Carlsberg Foundation's Nomad Research Project.). Thames and Hudson, London u. a. 1993, ISBN 0-500-01572-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David J. Phillips: Peoples on the Move: Introducing the Nomads of the World. Pasadena 2001, S. 273ff.
  2. Richard Tapper: Tribe and State in Iran and Afghanistan. New York 1983.
  3. April Fast: Iran.The Land. New York 2005. S. 19ff.
  4. René Peyrous: Retour d'Ulysse de Troie vers Ithaque. S.116ff.
  5. John Limbert: The origins and appearance of the Kurds in pre‐Islamic Iran. In: Iranian Studies. Bd. 1, Heft 2, 1968, S. 41–51, hier S. 47, doi:10.1080/00210866808701350.
  6. Iran. The CIA World Factbook, 22. Juni 2014 (6 % von 80.840.713 Einwohnern)
  7. Usa Ipb: Iran. Country Study Guide. Int'l Business Publications, 2005. S. 150ff.
  8. Ariana Wolff (Hrsg.): Bands, Tribes, and First Peoples and Nations. Encyclopaedia Britannica, 2014
  9. Kaveh Farrokh: Iran at war. 1500-1988. Osprey Publishing, 2011
  10. Glenn E. Curtis, Eric Hooglund: Iran: A Country Study. A Country Study. Area Handbook Series. 5th Edition, Washington 2008.
  11. Lurs and Bakhtiaris. In: A Country Study: Iran. Library of Congress Country Studies, 2008
  12. Ariana Wolff (Hrsg.): Bands, Tribes, and First Peoples and Nations. Encyclopaedia Britannica, 2014
  13. Brian Murphy: The Root of Wild Madder: Chasing the History, Mystery, and Lore of the Persian Carpet. New York 2005.
  14. C. S. Coon: Iran: Demography and Ethnography. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 4, S. 9
  15. V. Grugni, V. Battaglia, B. Hooshiar Kashani, S. Parolo, N. Al-Zahery, A. Achilli, A. Olivieri, F. Gandini, M. Houshmand, M. H. Sanati, A. Torroni, O. Semino: Ancient migratory events in the Middle East: new clues from the Y-chromosome variation of modern Iranians. In: PloS one. Band 7, Nummer 7, 2012, ISSN 1932-6203, S. e41252, doi:10.1371/journal.pone.0041252. PMID 22815981, PMC 3399854 (freier Volltext) .
  16. Semino, Ornella; Magri, Chiara; Benuzzi, Giorgia; Lin, Alice A.; Al-Zahery, Nadia; Battaglia, Vincenza; MacCioni, Liliana; Triantaphyllidis, Costas et al. (2004). "Origin, Diffusion, and Differentiation of Y-Chromosome Haplogroups E and J: Inferences on the Neolithization of Europe and Later Migratory Events in the Mediterranean Area". The American Journal of Human Genetics 74 (5): 1023–34. doi:10.1086/386295. PMC 1181965 (freier Volltext). PMID 15069642.