Nadir Schah

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Dieser Artikel bezieht sich auf einen persischen Schah des 18. Jahrhunderts; zu dem gleichnamigen afghanischen König des 20. Jahrhunderts siehe Mohammed Nadir Schah.
Nadir, Schah von Azerbaijan und Persien; Gemälde von ~1750
Reiterbildnis des Nadir Schah in Jonas Hanways Zuverläßige Geschichte der Englischen Handlung durch Russland, über die Caspische See, nach Persien, der Tartarey und Türkey, Armenien und China, Leipzig 1769
Grabanlage des Nadir Schah in Maschhad

Nādir Schāh Afschār (persisch ‏نادر شاه افشار‎; * 22. Oktober 1688; † 20. Juni 1747), eigentlich Nadr Qulī (‏نادر قلی‎), mit dem Titel Tahmāsp Qulī (‏تهماسپ قلی‎, „Tahmāsps’ Sklave“), regierte als Schah Persiens von 1736 bis 1747 und gründete die Dynastie der Afschariden. Wegen seiner militärischen Fähigkeiten wurde er von einigen Historikern als „zweiter Alexander“ oder „Napoleon Persiens“ bezeichnet. In seiner Zeit reichte Persien vom Kaukasus bis zum Indus und ans Südufer des Persischen Golfs.

Geboren wurde er in Dastgerd in Chorasan in den oghusischen Qirqlu-Stamm, einen Unterstamm der Afschar. Sein Vater, ein verarmter Kleinbauer, starb, als Nadir noch ein Kind war. Nadir und seine Mutter wurden von Usbeken versklavt, aber er konnte fliehen und fand bei den Afscharen Unterschlupf. Dort wuchs er auf – zunächst wohl als Anführer jugendlicher Banditen – und wurde unter der Obhut der Stammesführer ein militärischer Führer.

Als 1719 die Paschtunen die Macht im Reich übernahmen und die Hotaki-Dynastie gründeten, wurde Nadir vom Safawiden Tahmasp II. rekrutiert, gefördert und zum General ernannt, sodass er den Titel Tahmasp Quli annahm. Nadir zog mit 5.000 Mann gegen die Hotaki und besiegte sie 1729 in einer Schlacht bei Damghan. Die Paschtunen zogen sich 1730 in ihr Gebiet nach Kandahar zurück. Kurz zuvor – 1729 – war Tahmasp in Isfahan zum Schah erhoben worden. Nadir legte seinen Beinamen Tahmasp Quli ab und wurde zum Staatsverweser (Vakīl-al-dawla) und Vizekönig (Nāʾeb-al-salṭana).

Tahmasp II. fing einen Krieg gegen die Osmanen an, die das Chaos der Hotakiherrschaft für Einfälle im Iran genutzt hatten, und verlor dabei die Provinzen Georgien und Armenien. Als Nadir nach Isfahan kam, setzte er Tahmasp als Schah ab und schickte ihn nach Chorasan ins Exil. Anstelle von Tahmasp setzte Nadir den achtmonatigen Sohn Tahmasps als Abbas III. auf den Thron. Später wurde auch Abbas abgesetzt und Nadir krönte sich am 8. März 1736 in der Mughan-Steppe selbst zum König. Nadir konnte die Osmanen in mehreren Kämpfen besiegen und so alle verlorenen Gebiete wiedergewinnen.

1738 eroberte er die Stadt Kandahar und besetzte Ghazni, Kabul und Lahore. Ende 1738 überquerte er den Indus und besiegte die Mogulen in der Schlacht von Karnal am 27. Februar 1739. Er nahm den Mogulherrscher Muhammad Schah als Geisel und plünderte die Hauptstadt Delhi. Dabei starben an die 30.000 Menschen. Als Nadir Schah die Stadt im Mai 1739 verließ, nahm er Tausende von Jugendlichen als Sklaven mit sich. Auf diesem Feldzug erbeutete er auch den berühmten Pfauenthron, der damit zum Symbol aller persischen Herrscher wurde. Zur Beute gehörten auch viele Elefanten, Pferde und Kamele, die alle mit Raubschätzen wie den berühmten Diamanten Kuh-e Nur („Berg des Lichts“) und Darya-ye Nur („Meer des Lichts“) bepackt waren. Mit dieser riesigen Beute im Wert von rund 700 Millionen Rupien (heute ca. 126,6 Millionen Euro)[1] war Nadir in der Lage, für drei Jahre die Perser von allen Steuern zu befreien. Die Edelsteine waren später Gegenstand blutiger Kämpfe und wurden von den Kadscharen und Pahlavi-Monarchen als Kronjuwelen verwendet.

1740 griff Nadir Schah die Usbeken in Transoxanien an. Auf der anderen Seite baute er eine große Flotte auf, mit der er Bahrain den Arabern entriss. 1743 eroberte er den Oman. Nach einem Attentat 1741 ließ er seinen Sohn Reza Quli Mirza blenden, weil er ihn verdächtigte. Mit der Zeit wurde Nadir immer paranoider, sodass er viele verdächtige Personen hinrichten ließ.

1746 konnte er mit einem Vertrag mit den Osmanen die heilige Stadt Nadschaf in Besitz nehmen. Aber ein Jahr später – 1747 – wurde Nadir Schah von seinen Generälen während eines Feldzuges in Chorasan ermordet.

An Nadirs Stelle kam sein Neffe Adil Schah. Doch dieser geriet dann gegen seinen Bruder Ebrāhīm Schah Afschār und Schah Ruch, einen Enkel Nadir Schahs, in Kämpfe und wurde später abgesetzt. Fast alle Provinzgouverneure erklärten ihre Unabhängigkeit und das große Reich zerbröckelte und fiel ins Chaos. Aber 1760 konnte Karim Khan Zand die Führung übernehmen und das Reich stabilisieren und retten, nachdem zuvor schon Ahmad Schah Durrani im Osten das selbstständige Durrani-Reich gegründet hatte, welches später zum Wegbereiter des modernen Afghanistan wurde.

Nadirs Sohn retteten einige seiner Getreuen nach Semlin in Europa, wo ihn die habsburgische Kaiserin Maria Theresia taufen und erziehen ließ. Er trat später unter dem Namen Baron von Semlin in russische Dienste und machte den Siebenjährigen Krieg mit Auszeichnung mit; er starb in Mödling bei Wien.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Axworthy: Iran. Weltreich des Geistes. Von Zoroaster bis heute., Verlag Klaus Wagenbach, ergänzte aktualisierte und überarbeitete Ausgabe 2011, Berlin, ISBN 978 3 8031 3636 7, S. 170 f.

Literatur und Weblinks[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
Abbas III. (Safawide) Schah von Persien
1736-1747
Adil Schah (Afscharide)