Mangrove (Baum)

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Dieser Artikel behandelt das Gewächs, für das Ökosystem (Mangrovenwald) siehe Mangrove (Ökosystem)
Mangrove
Gewächsart Salzpflanze bzw. Halophyte (von agr. ἅλς hals, „Salz“ und φυτόν phytón, „Pflanze")
Mangroven der Everglades in Florida bei Flamingo.
Verbreitung:
Klimazonen Tropen, Subtropen und frostfreie Bereiche der Gemäßigten Zone
Orte Küstenregionen und Salzwasserkanäle von/in
Häufig vertreten in:
Familie: Rhizophoraceae (Rhizophoragewächse)
Familie: Combretaceae (Flügelsamengewächse)
Familie: Sonneratiaceae/Lythraceae (Weiderichgewächse)
Familie: Arecaceae (Palmengewächse)
Karte
Globale Verbreitung (Stand 2010)[1]


Mangrove ist ein mehrdeutiger Begriff und im engeren Sinn eine gemeinsame Bezeichnung für verholzende, in Salzwasser lebende Pflanzen mit unterschiedlichsten Zugehörigkeiten in der botanischen Biosystematik. Sie ist mit einer hohen Biodiversität überwiegend in den Subtropen und Tropen Amerikas, Afrikas, Asiens, Australiens und Ozeaniens, entweder in der Wuchsform als Strauch oder Baum beheimatet. Die Wuchshöhe verschiedener Exemplare differiert erheblich.

Das gemeinsame Merkmal von Mangroven ist, dass sie sich an das Leben im Gezeitenbereich warmer Küstenregionen angepasst haben und nur dort bestandsbildend sind. Da sie in Kolonien wachsen und ganze Wälder bilden können, bieten sie in ihrem Verbreitungsgebiet besondere Bedingungen für viele Arten von Säugetieren, Reptilien, Vögeln, Fischen, Krebsen und Weichtieren.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsverwendung [Bearbeiten]

Mangrovenbaum (Rhizophora) auf Cayo Levisa, Kuba
Strauchförmige Wuchsform der Mangrove Avicennia germinans auf einer hypersalinen, selten überfluteten Schlammfläche bei Bragança, Pará, Brasilien

Der Begriff Mangrove wird mehrfach im botanischen und geografischen Sinn verwendet. Neben der gemeinsamen Begriffsbezeichnung für die hier beschriebene Art der Salzpflanzen, ist er Bestandteil der Namen verschiedener Mangrovenarten, sowie die Benennung für einzelne, an ihren Standorten gebildeten Biotope, wie Mangrovensümpfe und -wälder und die Bezeichnung zur Unterscheidung der Wuchsform als Mangrovenstrauch oder Mangrovenbaum. Außerdem sind die Mangrovenwälder eine der Bioformationen (kurz Biom) der Erde.

Verbreitung [Bearbeiten]

In über 100 Ländern und Gebieten gibt es Mangroven und ihr Verbreitungsgebiet (siehe Infobox rechts), erstreckt sich in einem breiten Streifen etwa zwischen dem nördlichen und südlichen Wendekreis des Krebs bzw. Steinbocks, rund um die Erde. Die Standorte von Mangroven befinden sich sowohl in Flach-, Tiefwasser- wie auch in Trockengebieten. Sie sind nicht nur direkt an Ufern der Meeresküsten, sondern auch landeinwärts in Mündungen von Flüssen, ihren Deltas und in salzwasserhaltigen Kanälen zu finden. Die Sundarbans auf dem Indischen Subkontinent sind das größte zusammenhängende Gebiet mit Mangrovenwäldern. Außerhalb der Tropen und Subtropen sind Mangroven von kleinerem Wuchs, auch an wenigen Stellen in der gemäßigten Klimazone zu finden. Beispielsweise im Süden Australiens, einschlieißlich Tasmaniens. Die Lebensbedingung für diese Ausnahme ist völlige Frostfreiheit.

Beschreibung [Bearbeiten]

Erscheinung [Bearbeiten]

Die Mangrove ist eine immergrüne Salzpflanze aus Sprossachse, Blatt- und Wurzelwerk, mit einer Wuchshöhe von etwa 0,5 bis 30 Meter, die verschiedenste Wuchsformen ausbildet. Die Palette reicht vom Strauch, Busch bis zum hohen Stamm. Das Blätter sind mit unterschiedlichen Grundrissen von rund, oval, elliptisch bis eiförmig vorhanden, eine mangroven-spezifische Form gibt es nicht.

Wurzelwerk [Bearbeiten]

Ihre überirdischen bzw. über dem Wasserspiegel gelegenen Wurzeln sind ein markantes wie eindeutiges Merkmal vieler Mangroven, vor allem jener, die ständig mit den wechselnden Wasserständen von Ebbe und Flut zurechtkommen müssen. Hier hat sich das Wurzelwerk – um der Pflanze Sauerstoff zur Verfügung zu stellen, mit zum Teil imposant geschlungenen bzw. gebogenen Luftwurzeln herausgebildet.

Die Luftwurzeln haben aber nicht nur die Fähigkeit zum Gasaustausch, sondern sind auch in der Lage, zur Standfestigkeit, Befestigung oder als Hebefunktion für das Gewächs dienen. Je nach Standort und Bedürfnis der Pflanze – können die zwei Typen mit der Funktion zur physischen Stabilisierung sowie zum Atmen, sowohl als Mischtyp, mit beiden — einander ergänzend oder auch, an einer Pflanze mit nur jeweils einer der zwei Wurzeltypen vorhanden sein.

Ökologie [Bearbeiten]

Verschiedene Mangrovenbaum-Arten bilden unter ungünstigen Umweltbedingungen (hypersaline oder nährstofflimitierte Standorte) Zwergformen aus. Die natürliche Verbreitungsgrenze hängt nur indirekt mit einem kühlen Klima zusammen. Ausschlaggebend ist die Wassertemperatur während der kühlen Monate. Generell ist eine Winterisotherme des Wassers von unter 20 °C für viele Mangroven-Arten letal. Wegen der warmen Strömungen an der Ostseite der Kontinente (z. B. der Golfstrom) ist hier auch die Biodiversität der Mangroven höher. Zu den besonderen Anpassungen der Mangrovenbäume an ihren Lebensraum gehören ausgeprägte Salztoleranz und die Fähigkeit zum Wurzeln in sauerstoffarmem und häufig instabilem Sediment. Einige Taxa besitzen Blätter mit Salzdrüsen (Aegiceras, Aegialitis und Avicennia). Charakteristisch ist in vielen Fällen die Verbreitung über, im Augenblick der Trennung vom Mutterbaum, sehr weit entwickelte Früchte, die sich in kürzester Zeit zu einem schwimmfähigen Keimling entwickeln. Die Mangrovenbäume aus der Familie der Rhizophoraceae verbreiten sich „lebendgebärend“ über bereits am Mutterbaum gekeimte Jungpflanzen (Viviparie).

Bislang ungeklärt sind die Gründe für die Artenarmut der westafrikanisch-amerikanischen Mangroven-Flora im Vergleich mit den Mangrovenwäldern des indo-pazifischen Raums.

Anpassungen [Bearbeiten]

Mangroven in Bangladesch mit den typischen Stelzwurzeln

Das Luftgewebe (Aerenchym), das viele Mangroven besitzen, bildet eine dem Kork entwicklungsgeschichtlich gleichwertige Gewebeform und findet sich vorzugsweise an untergetauchten Stängeln und Wurzeln der Mangrovenfarne und -gehölze. Es besteht aus zartwandigen, unverkorkten Zellen mit großen dazwischenliegenden Luftkanälen. Nicht zu verwechseln ist dasselbe mit dem lakunösen Parenchym, welches nicht nur einen ungleichen Ursprung, sondern auch eine andere biologische Aufgabe hat. Das auch bei einzelnen einheimischen Salzwiesenbewohnern aufgefundene Gewebe veranschaulicht beispielhaft den Einfluss äußerer Lebensbedingungen auf den inneren Bau der Pflanzen. Nach Wachstum der Wurzelbestände an der Luft oder im Wasser, entwickelt sich in der Korkbildungsschicht (Suberinphellogen) entweder zartwandiges, unverkorktes Aerenchym oder ein einfacher Peridermmantel, indem im ersteren Falle der eingetretene Sauerstoffmangel des inneren Stängelgewebes das Plasma der Phellogenzellen eine Bildung von Luftgewebe zu veranlassen scheint.

Nutzung [Bearbeiten]

Indischer Kanalfischer in Bundesstaat. Tamil Nadu

Mangrovenbäume lassen sich in Ausnahmefällen forstlich nutzen (Malaysia). Mangrovenholz wird zur Holzkohleerzeugung oder direkt als Brennholz und gelegentlich für einfache Holzkonstruktionen genutzt. Die tanninhaltige Rinde einiger Mangrovenbäume wird regional zur Gerbstoffgewinnung eingesetzt.
Die Fauna, die durch die besonderen Lebensbedingungen innerhalb der einzelnen Mangrovenbiotope besteht, ist eine natürliche sekundäre Ressource dieser Gebiete, die durch die dort ansässige Bevölkerung genutzt wird.

Zur Bedeutung von Mangrovenwäldern im Küstenschutz siehe Mangrove (Ökosystem).

Systematik [Bearbeiten]

Mangrovenbäume bilden keine systematisch einheitliche Gruppe, sondern gehören unterschiedlichen Familien der Bedecktsamigen Pflanzen (Magnoliophyta) an.

Wichtige Taxa:

Weitere Gattungen/Arten:

Kladograme [Bearbeiten]

Kladogramm von zehn Pflanzenfamilien, und davon drei Unterfamilien, in denen Mangroven zugeordnet sind:


Mangrovenfamilien


Acanthaceae

Unterfamilie: Sterculioideae




     

Arecaceae


     

Combretaceae


     

Euphorbiaceae


     

Lythraceae bzw.Sonneraticeae


     

Malvaceae


     

Meliaceae


     
Tetrameristaceae

Unterfamilie: Pellicieraceae




     
Primulaceae

Unterfamilie: Myrsinaceae




     

Rhizophoraceae




Literatur [Bearbeiten]

  • P. B. Tomlinson: The Botany of Mangroves. Cambridge University Press, Cambridge 1986. ISBN 0-521-46675-X (englisch)

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Mangrove – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Autorenkollektiv „World Atlas of Mangroves” Veröffentlichungen United Nations University (Institute for Water, Environment and Health). Ontario, Kanada 2010.