Mangrovenamazilie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mangrovenamazilie
Mangrovenamazilien (♂ oben, ♀ unten), Darstellung von Jean-Marie Fugère (1818-1882)

Mangrovenamazilien (♂ oben, ♀ unten), Darstellung von Jean-Marie Fugère (1818-1882)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kolibris (Trochilinae)
Gattung: Amazilia-Kolibris (Amazilia)
Art: Mangrovenamazilie
Wissenschaftlicher Name
Amazilia boucardi
(Mulsant, 1877)

Die Mangrovenamazilie (Amazilia boucardi) ist eine Vogelart aus der Familie der Kolibris (Trochilidae). Diese monotypische Art ist endemisch in dem mittelamerikanischen Land Costa Rica. Der Bestand wird von der IUCN als stark gefährdet (Endangered) eingeschätzt.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Mangrovenamazilie erreicht eine Körperlänge von etwa 9,5 Zentimetern bei einem Gewicht von 6,5 Gramm.[1] Das Männchen ist sowohl am Scheitel, als auch auf der Oberseite blassgrün mit bronzefarbener Tönung am Bürzel. Der Schwanz weist eine bronzegrüne Färbung auf und ist leicht gegabelt. Die weißliche Unterseite ist an der Brust und den Seiten hellgrün bis bläulich marmoriert. Die Vögel haben einen etwa 18 Millimeter langen, dunklen Schnabel mit rötlichem Unterschnabel. Die Weibchen sind den Männchen sehr ähnlich, doch ist die Unterseite hauptsächlich weiß mit nur kleinen Sprenkeln an der Kehle und an den Seiten.[2]

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Die Vertreter dieser Art kommen ausschließlich in den Mangroven der Pazifikküste Costa Ricas vor. Hier sind sie vom Golf von Nicoya bis an den Golfo Dulce bei Puerto Jiménez anzutreffen.[3]

Verhalten[Bearbeiten]

Die Kolibris ernähren sich vorzugsweise von Tee-Mangroven (Pelliciera rhizophorae). Zur Nahrungsaufnahme bewegen sie sich in den unteren und mittleren Straten. Zusätzlich fliegen sie auch Bäume mit Blüten an wie beispielsweise Lonchocarpus, Inga, Kletterpflanzen wie Maripa nicaraguensis, Epiphyten oder Helikonien.[1][4] Sie tolerieren auch an die Mangroven angrenzende Gebiete, sofern dort Tee-Mangroven vorkommen.[2] Insbesondere die Männchen verhalten sich sehr aggressiv, sind aber nicht territorial an den Blüten.[1]

Nest[Bearbeiten]

Die Brutsaison der Mangrovenamazilien dauert von Oktober bis Februar. Das Nest hat die Form eines kleinen Kelches und besteht aus Fasern des Balsabaums, anderem Material, das von Pflanzen abgefallen ist, sowie aus Spinnennetzen und wird an den Außenwänden durch Flechten verziert. Das Nest wird in den Zweigen der Mangroven ein bis vier Meter über dem Wasser platziert.[3] Hierin ist Platz für zwei Eier, die ausschließlich vom Weibchen ausgebrütet werden.[4]

Gefährdung und Schutzstatus[Bearbeiten]

BirdLife schätzt den Gesamtbestand der Art auf 2500 bis 10000 Individuen. Der Bau von Meerwassersalinen und Garnelenteichen und das konkrete Abholzen zur Gewinnung von Holzkohle zerstören die ökologische Nische der Mangroven. Andere Bedrohungen sind illegaler Holzschnitt, Deiche, Straßenbau und Luftverschmutzung (insbesondere durch den Hafen in Puntarenas). So ist die gesamte Pazifikküste Costa Ricas von den wirtschaftlichen Entwicklungen betroffen.

Es werden Erhebungen zum Zustand der Mangroven durchgeführt, in denen das Verschwinden von Mangrovenlandschaften überwacht wird. Weitere Untersuchungen zielen darauf ab, zu analysieren, warum die Art in vermeintlich passendem Habitat nicht vorhanden ist. Der Nationalpark Carara soll ausgebaut werden. Eventuell soll mit Hilfe dieser endemischen Spezies eine Kampagne gestartet werden, um die Bevölkerung auf die bestehenden Probleme aufmerksam zu machen.[2]

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Étienne Mulsant hatte die Mangrovenamazilie ursprünglich unter dem wissenschaftlichen Namen Arena boucardi beschrieben. Ein weiteres Synonym, das man in der Literatur finden kann, lautet Polyerata boucardi.

Das Wort Amazilia stammt aus einer Novelle von Jean-François Marmontel, der in Les Incas, Ou La Destruction De L'empire Du Pérou von einer Inka Heldin namens Amazili berichtete.[5] Das Artepitheton boucardi ist eine Widmung an den Ornithologen und Sammler Adolphe Boucard (1839–1905), der ebenfalls über Kolibris publizierte.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Frank Gary Stiles, Dana Gardner, Alexander Frank Skutch: A Guide to the Birds of Costa Rica. Comstock Publishing Associates, Ithaca, New York 1990, ISBN 978-0801496004.
  •  David A. Luther: Mangrove Hummingbird (Amazilia boucardi). Neotropical Birds Online (Cornell Lab of Ornithology), Ithaca 2009 (online, abgerufen am 18. Juli 2011).
  •  James A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press, Oxford 1991, ISBN 978-0-19-854634-4.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c F. Gary Stiles al, S. 220
  2. a b c BirdLife Species Factsheet
  3. a b F. Gary Stiles al, S. 221
  4. a b David A. Luther
  5. James A. Jobling S. 9
  6. James A. Jobling S. 32