Mantelmauer

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Als Mantelmauer (auch Hoher Mantel genannt) wird eine Ringmauer von besonderer Höhe bezeichnet, welche die Kernburg wie ein schützender Mantel umgibt. Mantelmauern wurden seit dem 13. Jahrhundert erbaut und konnten aus der Erhöhung bereits vorhandener Ringmauern hervorgehen. Sie weisen im Vergleich zu der Schildmauer häufig eine geringere Stärke auf, doch erfüllten sie in manchen Fällen dieselbe wehrbauliche Funktion. Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind in der Regel direkt an die Mantelmauer angebaut.

Begriff und Abgrenzung[Bearbeiten]

Bergfried mit davor liegendem „Hohen Mantel“: Die Burg Ortenberg im Elsass
Der „Hohe Mantel“ der Schönburg über Oberwesel
Die Mantelmauer der Burg Eisenberg
Die hochmittelalterliche Mantelmauer der Burg Cadolzburg wird von spätmittelalterlichen Zwingeranlagen umgeben
Die Kernburg der Rumburg über der Einmündung des Anlautertales in das Altmühltal
Die Mantelmauer der Leuchtenburg in Südtirol

Der Begriff der Mantelmauer wird in der Burgenkunde erst seit einigen Jahrzehnten für eine besonders hohe Ringmauer verwendet, die eine Burganlage ganz oder teilweise schützt. „Hoher Mantel“ bezeichnete vorher meist einen auffallend hohen, schildmauerartigen Abschnitt einer Ringmauer. Typische Beispiele dieser Definition sind etwa Schönburg über Oberwesel am Rhein und die Ortenburg im Elsass. Bei der Ortenburg läuft der „Hohe Mantel“ schiffsbugartig um die Angriffsseite der Burg und wird vom Bergfried überragt, der „echten“ Mantelmauerburgen meistens fehlt.

Eine ganz ähnliche Konzeption ist bei der pfälzischen Burg Gräfenstein zu erkennen. Hier umfasst ebenfalls eine Mantelmauer den Bergfried. Auch die hessische Burg Lindenfels besaß ehemals sowohl eine Mantelmauer, als auch einen Bergfried, der heute nur noch als aufgemauertes Fundament erhalten ist.

Oft entstanden Mantelmauern und „Hohe Mäntel“ durch die nachträgliche Erhöhung älterer Ringmauern, ihre Funktion kann also nicht aus den Grundrissen der Burganlagen abgeleitet werden. Auch die Konstruktion und die wehrtechnischen Details solcher Befestigungskonzepte entsprechen meist regulären Ringmauern.

Die Abgrenzung zu einer normalen Ringmauer von besonderer Höhe und zur Schildmauer ist schwierig. „Mantelmauer“ ist also einer von vielen undeutlichen und nicht immer einheitlich verwendeten Begriffen der Burgenkunde. In mittelalterlichen Quellen meint „Mantel“ oft auch niedrigere Mauerabschnitte oder Schildmauern.

Die gegenwärtig übliche synonyme Anwendung der Begriffe „Mantelmauer“ und „Hoher Mantel“ ist deshalb problematisch. Otto Piper unterschied etwa im frühen 20. Jahrhundert in seiner Burgenkunde noch zwischen einer Mantelmauer, die die gesamte Burg umschließt und dem „Hohen Mantel“, der nur vor einem Teil einer Burg oder einer Gebäudegruppe liegt.

Mantelmauerburgen[Bearbeiten]

Ein eindrucksvolles Beispiel einer voll ausgebildeten Mantelmauerburg ist die Burg Eisenberg in der Nähe von Füssen im Allgäu. Der „Hohe Mantel“ war hier Schutz und Statussymbol genug, um auf einen Bergfried verzichten zu können.

Auch die, im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte, mittlerweile jedoch wiederaufgebaute Burg Cadolzburg bei Nürnberg ist im Kern eine hochmittelalterliche Mantelmauerburg. Als Burg der mächtigen Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern gilt die Veste trotz umfangreicher spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Ausbauten noch immer als anschauliches Beispiel dieses Bautyps. Die Ringmauer ist drei Meter stark und mit sorgfältig gearbeiteten Buckelquadern verblendet. Sie wird nur von den erneuerten Satteldächern der Burggebäude und einem schlanken Torturm überragt. Auch hier fehlt dementsprechend ein Bergfried, der heute von einigen Burgenforschern als das klassische Macht- und Statussymbol einer mittelalterlichen Adelsburg interpretiert wird. Besonders bei dieser Burganlage wird allerdings die Schwierigkeit der Abgrenzung einer Mantelmauer von einer hohen Ringmauer deutlich.

Im oberbayerischen Anlautertal, einem Nebental des bekannteren Altmühltales, liegen drei kleinere Mantelmauerburgen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Allen Burgen fehlt ein Bergfried. Bei der Burg Brunneck ist die Ringmauer hinter dem Halsgraben schildmauerartig verstärkt. Deutlicher wird die Konzeption als Mantelmauerburg bei den nahen Ruinen der Rumburg und der Burg Rundeck (Stossenburg).

Anschauliche Beispiele für Mantelmauerburgen sind auch die Bergfeste Dilsberg über dem Neckartal und die Leuchtenburg in Südtirol.

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Wolfgang Böhme, Reinhard Friedrich, Barbara Schock-Werner (Hrsg.): Wörterbuch der Burgen, Schlösser und Festungen. Philipp Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-010547-1, S. 182–183
  • Deutsche Burgenvereinigung (Hrsg.): Burgen in Mitteleuropa – Ein Handbuch. Bd. 1: Bauformen und Entwicklung, S. 230/231. Stuttgart, 1999. ISBN 3-8062-1355-0
  • Otto Piper: Burgenkunde - Bauwesen und Geschichte der Burgen. 3 Aufl, München, 1912 (Reprint Augsburg, 1994. ISBN 3-89350-554-7)
  • Joachim Zeune: Burgen - Symbole der Macht. Ein neues Bild der mittelalterlichen Burg. Regensburg 1997, ISBN 3-7917-1501-1.