Bergfeste Dilsberg

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Bergfeste Dilsberg
Turm der Bergfeste Dilsberg, zur Linken die Ringmauer

Turm der Bergfeste Dilsberg, zur Linken die Ringmauer

Entstehungszeit: 1150 und 1200
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ständische Stellung: Grafen
Ort: Neckargemünd
Geographische Lage 49° 23′ 55,5″ N, 8° 50′ 13,5″ O49.398758.8370833333333288.6Koordinaten: 49° 23′ 55,5″ N, 8° 50′ 13,5″ O
Höhe: 288,6 m ü. NN
Bergfeste Dilsberg (Baden-Württemberg)
Bergfeste Dilsberg
Stadttor
Historische Mauer
Brunnen
Mauerkranz
Das Kommandantenhaus der Burg
Blick auf einen der Türme mit Resten der Burgmauer

Die Bergfeste Dilsberg ist eine hochmittelalterliche Bergfeste östlich von Heidelberg im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg, aus der sich der Ortsteil Dilsberg der Stadt Neckargemünd entwickelt hat.

Lage[Bearbeiten]

Die Höhenburg liegt auf 288,6 m ü. NN über dem Neckartal und dem Kraichgau. Sie war Bestandteil der Wehranlagen der Kurpfalz.

Geschichte[Bearbeiten]

Ein Vorgängerbau der heutigen Bergfeste wurde zwischen 1150 und 1200 angelegt, worauf im heutigen Mauerwerk wiederverwendete Buckelquader hindeuten.[1] Burgherren waren 1208 die Grafen von Lauffen, die möglicherweise zuvor in Wiesenbach gesessen hatten. Nach dem Aussterben dieses Geschlechts gelangten die Grafen von Dürn an die Herrschaft, die sich seit 1252 Grafen von Dilsberg nannten. Um 1300 ging die Burg in das Eigentum der Kurpfalz über, unter deren Regie die Burg ab den 1330er Jahren umfangreich umgebaut wurde.[1]

Im Dreißigjährigen Krieg zählte sie zu den am meisten umkämpften Festungsanlagen. 1622 wurde die Festung vom Feldherrn Tilly nach langer Belagerung besetzt. 1633 eroberten die Schweden die Festung zurück. Trotz der Belagerung und Umkämpfung wurde die Feste selbst nicht militärisch erobert und auch nicht zerstört.

1803 fiel beim Ende der Kurpfalz die Bergfeste Dilsberg gemeinsam mit dem Ort an das Land Baden und diente diesem als Staatsgefängnis. 1822 wurde sie zum Abriss freigegeben.

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Bergfeste Dilsberg allmählich zu einem Ziel für Touristen. Die kleine Festung wurde dafür umfangreich saniert und rekonstruiert. Der unterirdische, rund 80 Meter lange Brunnenstollen, der 1896 von Fritz von Briesen wiederentdeckt und 1926 freigelegt worden war, ist eine der Besonderheiten der Feste.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Die Bergfeste Dilsberg ist für Besichtigungen geöffnet. Sie zählt zu den landeseigenen Monumenten und wird von der Einrichtung „Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg“ betreut. Kulturelle Höhepunkte bilden die regelmäßigen Veranstaltungen, wie der Dilsberger Kunsthandwerkermarkt, die Dilsberger Burgkonzerte sowie die Freilichtbühnen-Aufführungen der „Rose vom Dilsberg“ im Frühsommer.

Beschreibung[Bearbeiten]

Anlage[Bearbeiten]

Die Burganlage ist in Vor- und Hauptburg untergliedert. Zur Vorburg gehörten die Invalidenkaserne (heute eine Gartenanlage), die Zehntscheuer, der Marstall mit dem Fruchtspeicher und das Kommandantenhaus.

Äußere Verteidigungslinie ist die als Bergkrone ausgeformte Stadtmauer von Dilsberg.

Um in die Hauptburg zu gelangen, mussten zwei Flankierungstürme passiert werden. Im Hof der Hauptburg lagen der Palas, von dem nur noch ein Kellergewölbe erhalten ist, und ein sechseckiger Treppenturm. Die 16 Meter hohe Ringmauer umgab früher die ganze Hauptburg, bevor der östliche und südliche Teil abgerissen wurden.

1842 wollten die Dilsberger auch noch das Stadttor schleifen, um sich die Unterhaltungskosten zu sparen. Dies wurde ihnen aber von der Heidelberger Baubehörde des Landes Baden untersagt, die der Ansicht war „daß der Abriß des Stadttors dem 'Gesamteindruck' des Dilsbergs abträglich“ wäre; außerdem sei zu befürchten, daß im Falle des Abbaus des Stadttors das Läuten der von dort in die kath. Kirche umzusiedelnden Bürgerglocke in der Feldflur nicht mehr zu hören sei.

Karzer[Bearbeiten]

Im Bereich der Burg befindet sich ein Kellergewölbe, das eine Zeitlang als Karzer der Universität Heidelberg diente. Später wurde es zu einer militärischen Arrestanstalt.

Brunnen[Bearbeiten]

Der Burgbrunnen mit Kurbelgehäuse für den Wassereimer hat eine Tiefe von etwa 46 Metern und wurde vermutlich nach der Errichtung der Burg um das Jahr 1150 mit einer Tiefe von 21,50 Meter angelegt. Das kärgliche Wasserangebot war nur der Burgbesatzung vorbehalten. Die Dorfbevölkerung musste sich ihr Wasser woanders besorgen.

In einer zweiten Bauphase, vermutlich in den Jahren 1650 bis 1680, wurde der Brunnen verbreitert und vertieft, da eine durch die Errichtung einer kurpfälzischen Garnison stark vergrößerte Burgbesatzung mit Wasser versorgt werden musste. Bemerkenswert ist, dass vermutlich in beiden Bauphasen keine Sprengung vorgenommen, sondern die ganze Arbeit mit Schlägel und Eisen erledigt wurde.

Burgstollen[Bearbeiten]

Der Burgstollen wurde unter Ausnutzung der Trennfugen im Gestein angelegt, deshalb laufen Sohle und First spitz zu. Der Stollen wurde von außen in den Berg hinein vorgetrieben und sollte nach 65 Metern auf den Brunnenschacht stoßen. Die Bergleute kamen aber mehrfach von der Richtung ab. Deshalb beträgt die Gesamtlänge des Stollens 78 Meter.

Dilsberger Heimatforscher nahmen bisher an, dass der Stollen gebaut wurde, damit sich die Burgbesatzung bei Belagerungen ins Freie retten konnte. Heute vermutet man jedoch, dass der Gang ein Belüftungsstollen war.

Nachdem der Stollen seinen Zweck erfüllt hatte, die Arbeiter vor Giftgasen zu schützen, wurde er zeitweise zugeschüttet. Es bildete sich danach die Sage vom unterirdischen Gang, der unter dem Neckar zu einer Neckarsteinacher Burg führen soll. Diese Sage erwähnte der Schriftsteller Mark Twain in seiner Reiseerzählung A Tramp abroad (auf deutsch: Bummel durch Europa). Die Erzählung regte den Deutsch-Amerikaner Fritz von Briesen um das Jahr 1900 an, aus New York anzureisen, um den Stollen zu finden. Er ließ sich abseilen und fand tatsächlich den Stollenabgang. Mit seiner finanziellen Hilfe wurde dann im Jahr 1926 der Brunnen und der Stollen von Schutt befreit und der Stollenanfang im Wald freigelegt.

Aussichtsturm[Bearbeiten]

Über den sechseckigen Treppenturm gelangt man auf die Mantelmauer, eine 16 Meter hohe Ringmauer, von der aus man einen Rundblick über den Ort und das Neckartal hat. Die Ringmauer umschloss ursprünglich die ganze Hauptburg, ist aber nach Osten und Süden zum größten Teil zerstört.

Sagen[Bearbeiten]

Die Bienen von Dilsberg[Bearbeiten]

Der Erzählung zufolge war der Graf von Dilsberg auf Jagd und das wollten seine Feinde dazu nutzen, um die Burg zu erobern. Die wenigen Bauern, die zu Hause waren, konnten ihnen kaum Widerstand leisten. Da hatten sie einen Einfall und holten ihre Bienenkörbe. Dann stellten sie sich damit hinter der Stadtmauer auf. Als die Angreifer nahe genug herangekommen waren, schüttelten die Bauern die Bienenkörbe und ließen die gereizten Bienen auf die Angreifer los, womit der Angriff erfolgreich abgewehrt wurde. An diese Begebenheit erinnert heute noch das »Bienengärtlein« an der Stadtmauer.

Die Rose vom Dilsberg[Bearbeiten]

Die Rose vom Dilsberg erinnert an die Tochter des Grafen Heinrich von Düren, die ein trauriges Schicksal hatte, da zwei Ritter um ihre Hand anhielten, ein Landschad von Steinach und ein Ritter Wolf von Hirschhorn. Als sich herausstellte, dass sie dem Ritter Wolf zugetan war, schwor der abgewiesene Brautwerber Rache und erschlug Ritter Wolf auf dem Weg zum Dilsberg hinterrücks. Auf der Burg liefen schon die letzten Vorbereitungen zur Hochzeit und niemand getraute sich, der Braut das Verbrechen mitzuteilen. Als ein Diener der Braut die Tragödie mitteilte, stürzte sie sich von der Burgmauer. An der Stelle, an der man ihre Leiche fand, wächst seitdem ein großer Rosenstrauch mit weißen Rosen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Bühler: Burgen der Kurpfalz. Bergstraße und Neckartal. Heidelberger Verlagsanstalt, Heidelberg 1990. S. 121 ff. ISBN 3-89426-012-2
  • Jochen Goetze, Werner Richner: Burgen im Neckartal. Ed. Braus, Heidelberg 1989. ISBN 3-925835-52-0
  • B.H. Hottenroth: Die Rose von Dilsberg – Sage und Schauspiel aus dem Neckartal-Eine dramatische Sage aus dem 12. Jahrhundert. Eine Broschüre mit Bild und Text seit der ersten Aufführung 1910 in der romantischen Burganlage Dilsberg. Eigenverlag Frans Herrmans, o.O. 2000.
  • Axel W. Gleue: Wie kam das Wasser auf die Burg? Vom Brunnenbau auf Höhenburgen und Bergvesten. Verlag Schnell + Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2085-7, S. 167–176;
  • Wolfgang W. Kress: Burgen und Schlösser am Neckar. Von Esslingen bis Mannheim. DRW-Verlag. Stuttgart 1991. ISBN 3-87181-259-5
  • Heinrich Niester: Burgen und Schlösser in Baden. Nach Vorlagen aus alter Zeit. In: Burgen, Schlösser, Herrensitze. Band 18. Weidlich, Frankfurt am Main 1961
  • Adolf von Oechelhaeuser (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Heidelberg (Kreis Heidelberg). (Die Kunstdenkmäler des Grossherzogtums Baden, Achter Band, Zweite Abteilung). Tübingen, 1913
  • Otto Piper: Burgenkunde. Bauwesen und Geschichte der Burgen. neue, verbesserte und erweiterte Auflage, Nachdruck der 3. Auflage. Piper, München 1912. Weltbild-Verlag, Augsburg 1994. S. 522. Kapitel Unterirdische Gänge. ISBN 3-89350-554-7
  • Rhein-Neckar-Zeitung vom 13. Januar 2006, S. 10. „Das Kommandantenhaus
  • Wolfgang Seidenspinner: Dilsberg, Stadt Neckargemünd. In: Heidelberg, Mannheim und der Rhein-Neckar-Raum. Reihe „Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland“. S. 117 ff. Stuttgart: Theiss, 1999. ISBN 3-8062-1407-7.
  • Eduard Schuster: Die Burgen und Schlösser Badens. Verlag der Hofbuchhandlung Friedrich Gutsch, Karlsruhe 1908
  • Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Schmid, Brensbach 1998. ISBN 3-931529-02-9
  • Wolfgang Wiese: Burgfeste Dilsberg. Führer. (Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg). Braus, Heidelberg 2000. ISBN 3-926318-80-5
  • Stefan Wiltschko: Bergfeste Dilsberg. Führer durch die Burganlage. Braus, Heidelberg 2000. ISBN 3-926318-80-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Burg Dilsberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Nicolai Knauer: Die Burgen der Grafen von Lauffen im Neckartal. In: Christhard Schrenk,Peter Wanner (Hrsg.): heilbronnica 5. Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 2013, S. 100–102 (PDF; 2,9 MB, abgerufen am 21. Februar 2014).