Maria Goretti

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die hl. Maria Goretti mit ihrer Familie, wenige Monate vor ihrem Tode, 1902

Maria Goretti (* 16. Oktober 1890 in Corinaldo bei Ancona; † 6. Juli 1902 in Agro Pontino) ist eine italienische Jungfrau und Märtyrin. Sie wird in der römisch-katholischen Kirche als Heilige verehrt.

Leben[Bearbeiten]

Maria Goretti („Marietta“) war das älteste von fünf Kindern des Bauern Luigi Goretti und seiner Ehefrau Assunta Carlini. Als Maria neun Jahre alt war, zog die Familie in das Dorf Le Ferriere nahe Nettuno, da sie nicht mehr vom Ertrag der Felder leben konnte. Nach einem Jahr starb Marias Vater an Malaria. Von nun an war Maria gemeinsam mit ihrer Mutter für die Versorgung ihrer Geschwister verantwortlich. Der sechzehnjährige Alessandro Serenelli, der Sohn des Verpächters, der im selben Haus wohnte, stellte ihr jedoch ständig nach und belästigte sie. Am 5. Juli 1902 versuchte er schließlich, das elfjährige Mädchen zu vergewaltigen. Maria wehrte sich zwar mit aller Kraft, doch schließlich zückte der Junge eine Ahle und stach vierzehnmal auf sie ein. Dabei rief Maria mehrmals aus: „Das ist Sünde, Alessandro, du kommst in die Hölle“. Schwerverletzt wurde Maria in das Krankenhaus zu Nettuno eingeliefert, wo sie jedoch einen Tag später starb. Noch auf dem Sterbebett vergab sie ihrem Peiniger.

Alessandro Serenelli wurde zu 30 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er berichtete, dass er durch einen Traum, in dem sein Opfer ihm erschien und ihm vierzehn Lilien schenkte, reumütig wurde. An Weihnachten 1928 wurde er wegen guter Führung vorzeitig aus der Haft entlassen und bat Marias Mutter um Vergebung, die sie ihm gewährte. Im Kloster der Kapuziner von Macerata arbeitete er als Gärtner und trat in den dritten Orden des hl. Franziskus ein.

Verehrung[Bearbeiten]

Statue der hl. Maria Goretti mit ihren Heiligenattributen in der Pfarrkirche St. Martin in Visé (Belgien)

Bereits früh wurde Maria Goretti von der italienischen Landbevölkerung verehrt. Am 27. April 1947 sprach Papst Pius XII. Maria Goretti selig. Ihre Heiligsprechung erfolgte am 24. Juni 1950 durch denselben Papst im Beisein von Marias Mutter und bei einer Aufsehen erregenden Feier vor einer halben Million Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom; es war die erste Heiligsprechung, die auf dem Petersplatz stattfand. In seiner Botschaft an den Bischof von Albano anlässlich des hundertsten Todestages der hl. Maria Goretti führte Johannes Paul II. aus, dass der Geist Gottes Maria Goretti den Mut verliehen habe, bis zum höchsten Opfer ihres Lebens der christlichen Berufung treu zu bleiben.[1]

Maria Goretti wird in der Ikonographie dargestellt mit den Attributen der Jungfräulichkeit und des Martyriums (Lilie und Märtyrerpalme). 1951 wurde Maria Goretti Patronin der Marianischen Kongregationen. Ihr Gedenktag ist der 6. Juli. Ihr Grab befindet sich in der ihr geweihten Kirche in Nettuno südlich von Rom und wurde von dem ehrwürdigen Diener Gottes Paul VI. und dem hl. Johannes Paul II. aufgesucht.

Reliquien der Märtyrin befinden sich vor allem in zwei Kirchen: Eine größere Armreliquie ist im Besitz der Heimatstadt Corinaldo, wo sie in der Krypta der heiligen Maria Goretti zu sehen ist. Die Gebeine und der Kopf sind in Nettuno zusammengefasst zu einem künstlichen Leib, in einem gläsernen Ganzkörperreliquar ruht. Die sichtbaren Teile des Körpers sind aus Wachs gebildet. Auch in den Altar der Kirche in Brockdorf sind Reliquien der Heiligen eingelassen.[2]

Patrozinien[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Maria Goretti sind in Deutschland verschiedene Kirchen geweiht, unter anderem in Biebesheim, in Brockdorf und in Lippoldsberg.St. Maria Goretti in Meinersen wurde im September 2014 profaniert. Darüber hinaus gibt es Kindergärten und Schulen, die dem Patronat Maria Gorettis unterstellt sind.

Österreich[Bearbeiten]

In Wien-Donaustadt ist die Neukagraner Maria-Goretti-Kirche der Heiligen geweiht. Die Kirche wurde im Jahre 1959 nach den Plänen der Architekten Peter Czernin und Lukas Matthias Lang errichtet.

Belgien[Bearbeiten]

In Belgien ist Gent Standort einer St. Maria Goretti-Kirche, St. Vith Standort eines Internats namens Maria-Goretti-Schule.

Italien[Bearbeiten]

Santuario di Santa Maria Goretti in Nettuno

Der heiligen Maria Goretti sind in Italien außer in Nettuno Kirchen in Rom, in Fonteblanda und in Mormanno geweiht.

Brasilien[Bearbeiten]

Einen „Educandário Santa Maria Goretti“ findet man in Teresina.

Haiti[Bearbeiten]

In Chambellan gibt es eine Schule St. Maria Goretti.

Kanada[Bearbeiten]

Im Québecer Stadtbezirk Charlesbourg befindet sich die Kirche Ste. Maria Goretti.

Peru[Bearbeiten]

In Lima wurde ein „Collegio Santa Maria Goretti“ errichtet.

Literatur[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maria Goretti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Botschaft von Johannes Paul II. an den Bischof von Albano, Agostino Vallini vom 6. Juli 2002 [1]
  2. Tourist Information Nordkreis Vechta e.V.: St. Maria Goretti in Brockdorf