Mariella Mehr

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mariella Mehr (* 27. Dezember 1947 in Zürich) ist eine Schweizer Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten]

Die Schweizerin Mariella Mehr wurde als Angehörige der Minderheit der Jenischen 1947 in Zürich geboren. Mehr ist ein Opfer des Hilfswerks für die Kinder der Landstrasse, das Kinder von ihren „fahrenden“ Eltern zwangsweise trennte. Sie wuchs in 16 Kinderheimen und drei Erziehungsanstalten auf. Viermal wurde sie in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, 19 Monate verbrachte sie in der Frauenstrafanstalt Hindelbank.

Seit 1975 publiziert sie, zunächst journalistisch, dann schriftstellerisch. Sie erhielt zahlreiche literarische Auszeichnungen. 1981 erschien ihr erster Roman (Steinzeit). Seit den 1970er Jahren engagiert sie sich für die Interessen der Roma, worunter sie auch Jenische versteht, von deren Organisationen sie sich mit ihrem Bekenntnis zur Roma-Gemeinschaft ausgegrenzt sieht.[1] Sie war 1975 Gründungsmitglied der Radgenossenschaft der Landstrasse, in der sie, zunächst als Kassier, von 1976 bis 1982 als Sekretär aktiv war. An der Generalversammlung vom 5. März 1983 nahm sie nicht teil und wurde von der Versammlung nicht mehr als Mitglied des Verwaltungsrats wiedergewählt.[2] Sie sieht sich weniger als Schweizer als vielmehr als Roma-Schriftstellerin.[3] Für ihre schriftstellerische Leistung wie für ihr minderheitspolitisches Engagement erhielt sie 1998 die Ehrendoktorwürde der Universität Basel. Heute lebt Mariella Mehr in der Toskana.

Im Jahre 2000 trat sie aus der Autorenvereinigung Gruppe Olten aus, weil diese das Ziel, „eine demokratische sozialistische Gesellschaft“ zu verwirklichen, aus dem Zweckartikel ihrer Statuten gestrichen hatte. Sie ist Mitglied der International Romani Writers (IRWA), deren Vizepräsidentin sie zeitweise war.[4]

Mariella Mehr schreibt in Deutsch, aber auch Französisch und Italienisch; Gedichte wurden ins Romanes übersetzt von Rajko Đurić.[5]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1981 Literaturpreis des Kantons Zürich für Steinzeit
  • 1981 Förderungspreis des Kantons Bern für Steinzeit
  • 1983 Literaturpreis der Stadt Bern für In diesen Traum...
  • 1987 Literaturpreis der Stadt Bern für Kinder der Landstrasse
  • 1988 Ida-Somazzi-Preis
  • 1992 Anerkennungspreis des Kantons Graubünden (für das Gesamtwerk)
  • 1995 Anerkennungspreis der Stadt Zürich (Gesamtwerk)
  • 1996 Einzelwerkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung für Daskind
  • 1996 Ehrenmedaille der Gemeinde Tomils
  • 1998 Ehrendoktorwürde der Universität Basel
  • 2002 Buchpreise des Kantons und der Stadt Bern für Angeklagt
  • 2012 ProLitteris Preis für ein literarisches Lebenswerk[6]

Werke[Bearbeiten]

Prosa, Lyrik[Bearbeiten]

  • Steinzeit. Roman. Zytglogge Verlag, Gümligen 1981
  • In diesen Traum schlendert ein roter Findling. Gedichte. Zytglogge, Gümligen 1983
  • Das Licht der Frau. Bericht über Spanien und die Stierkämpferinnen. Zytglogge, Gümligen 1984
  • Kinder der Landstrasse. Ein Hilfswerk, ein Theater und die Folgen. Zytglogge, Gümligen 1987 (dokumentiertes Buch zur Aufführung)
  • Rückblitze. Zytglogge, Gümligen 1990 (Sammlung von Texten aus den Jahren 1976–1990)
  • Zeus oder der Zwillingston. Roman. R+F Verlag, Zürich 1994
  • Daskind. Roman. Nagel & Kimche Verlag, Zürich 1995
  • Brandzauber. Roman. Nagel & Kimche, Zürich 1998
  • Nachrichten aus dem Exil. Gedichte, zweisprachig (deutsch & romani). Übersetzung von Rajko Djuric. Drava Verlag, Klagenfurt 1998
  • Widerwelten. Gedichte, teilweise zweisprachig (deutsch & romani). Übersetzung von Miso Nikolic. Drava, Klagenfurt 2001
  • Angeklagt. Roman. Nagel & Kimche, Zürich 2002
  • Im Sternbild des Wolfes. Gedichte. Drava, Klagenfurt 2003

Bühnentexte[Bearbeiten]

  • Kinder der Landstrasse. Drama, uraufgeführt im Theater 1230, Bern 1986
  • Silvia Z. Drama, uraufgeführt im Stadttheater Chur 1986
  • Anni B. Drama. Aufführung im Theater Gessnerallee, Zürich 1989 (von der Autorin abgelehnte Aufführung)

Literatur[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rafaela Eulberg: „Sprache ist mein Zuhause“. Interview mit der Romni-Schriftstellerin Mariella Mehr. In: Schlangenbrut, 21 (2003), Nr. 82, S. 21–25, hier: S. 25.
  2. Auszug HR-Akten, Download gratis mit E-Mail
  3. Rafaela Eulberg: „Sprache ist mein Zuhause“. Interview mit der Romni-Schriftstellerin Mariella Mehr. In: Schlangenbrut, 21 (2003), Nr. 82, S. 21–25.
  4. zur Geschichte der IRWA.
  5. Mariella Mehr: Nachrichten aus dem Exil / Nevipe andar o exilo, Gedichte /Gila, Übersetzungen ins Romanes von Rajko Djuric, Edition Niemandsland, Klagenfurt 1998. ISBN 3-85435-296-4
  6. http://www.prolitteris.ch/de/portrait-prolitteris/news/ (abgerufen 5. März 2012) und http://www.swissinfo.ch/fre/nouvelles_agence/international/Litterature:_Mariella_Mehr_recompensee_a_Zurich.html?cid=32230050 (abgerufen 5. März 2012)