Marwar

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Die Flagge von 1877
Saal im Palast von Jodhpur

Marwar (Hindi: मारवाड़, Mārvāṛ) war einer der Fürstenstaaten der Rajputen im heutigen Rajasthan (Britisch-Indien). Seine erste Hauptstadt wurde um 1395 Mandore, das um 1450 von Jodhpur abgelöst wurde.

Gründungslegende[Bearbeiten]

Das Fürstentum wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von den hinduistischen Rathore-Rajputen gegründet, die als direkte Nachkommen der alten Gahadavala-Könige von Kannauj betrachtet wurden. Aber vielleicht ist das entsprechende Poem über den Staatsgründer Sihaji (gest. 1273) auch nur der spätere Versuch einer Aufwertung der Ahnenreihe. Zumindest werden vier Rathor-Rajas schon im Jahr 997 in einer lokalen Inschrift erwähnt.[1]

Der Staat im 15. Jahrhundert[Bearbeiten]

Der Raja Rao Chunda (reg. ca. 1383–1424[2]) übernahm die Herrschaft in Mandore, annektierte Nagaur und Ajmer und wurde in einer Schlacht mit dem Gouverneur von Multan getötet. Sein ältester Sohn Ranmal (reg. 1427–1438[2]) setzte sich mit Hilfe von Mewar gegen seine Brüder Kanha (reg. 1423–1424[3]) und Satta (reg. 1424–1427[3]) durch, half seinerseits dem Raja von Mewar gegen seine Feinde aus und wurde bei dem Versuch der praktischen Machtübernahme in dessen Hauptstadt Chitor ermordet. Danach fiel Marwar unter die Kontrolle des Maharana Kumbha von Mewar (reg. 1433–1468), bis Ranmals Sohn Jodha (*1416, reg. 1438–1488[2]) nach ca. 15-jährigen Exil die Herrschaft wieder an sich reißen und mit Mewar Frieden schließen konnte. Er gründete um 1459 Jodhpur und verlegte die Hauptstadt dorthin.

Unter der Herrschaft der Großmoguln[Bearbeiten]

Nach dem Tod von Maldev (reg. 1532–1562) kam es zum Thronfolgestreit, in dessen Folge Akbar (reg. 1556–1605) Marwar eroberte und die Rajas die Oberhoheit der muslimischen Großmoguln von Delhi anerkennen mussten. Beginnend mit Udai Singh (reg. 1583–1595) und Suraj Singh (reg. 1595–1619) standen sie z.B. als Heerführer in den Diensten der Großmoguln. Gaj Singh I. (reg. 1619–1638) wurde zum Vizekönig des Dekkan erhoben und dessen Sohn Jaswant Singh (reg. 1638–1678) war eine Zeit lang der führende Hindu-Würdenträger am Hof der Großmoguln. Sein Tod veranlasste den Großmogul Aurangzeb (reg. 1658–1707) trotz eines nachgeborenen Thronerben[4] zur Besetzung des Fürstentums, was einen 30-jährigen Kleinkrieg zwischen den Moguln und den Rajputenklans um Marwar zur Folge hatte, bis Ajit Singh (reg. 1679–1724) durch den Frieden mit dem neuen Großmoguln Bahadur Schah (reg. 1707–1712) seine Regierung antreten konnte.

Der Staat vom 18. bis zum 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts stellte Marwar aufgrund von Thronfolgestreitigkeiten zwischen Bijay Singh (reg. 1752/72–1793) und seinem Onkel Ram Singh († 1773) und ständiger Bedrohung durch die Raubzüge der Marathen keine besondere politische Größe dar. Beispielsweise wurde Bijay Singh 1790/91 von den Marathen des Mahadji Sindia († 1795) in zwei Schlachten vernichtend geschlagen und verbrachte den Rest seiner Tage mit Frauengeschichten.

Im Januar 1818 wurde Marwar unter dem Maharaja Man Singh (reg. 1803-1843) ein britisches Protektorat.

Der Fürstenstaat hatte 1941 ein Fläche von 91.420 km² und 2,5 Millionen Einwohner. Am 30. März 1949 trat der Maharaja der Konföderation Rajasthan bei, und vollzog am 7. April 1949 den Anschluss an Indien. Am 1. November 1956 wurde der Fürstenstaat aufgelöst.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. Jenny Leonora de Bruyne: Rudarakavi's Great Poem of the Dynasty of Rastraudha. Brill, Leiden 1968, S. 11.
  2. a b c Fredrick W. Bunce: Royal palaces, residences, and pavilions of India: 13th through 18th centuries : an iconographic consideration. D.K. Printworld, 2006, S. 303.
  3. a b Ram Avatar Agarawala: Marwar murals. Agam Prakashan, 1977, S. 106.
  4. Ein älterer Sohn namens Prithvi Singh soll von Aurangzeb bei Hofe vergiftet worden sein.

Literatur[Bearbeiten]

  • William Barton: The princes of India. Delhi 1983.
  • Andreas Birken: Philatelic Atlas of British India. CD-ROM, Hamburg 2004.
  • Ian Copland: The princes of India in the endgame of empire 1917–47. Cambridge 1997, ISBN 0-521-57179-0.
  • G. B. Malleson: An historical sketch of the native states of India. London 1875, Reprint Delhi 1984.
  • P. E. Roberts: Historical Geography of India. 2 Bde., 1938, Reprint Jaipur 1995.
  • Joseph E. Schwartzberg (Hrsg.): A historical atlas of South Asia. 2. A., New York/Oxford 1992, ISBN 0-19-506869-6.
  • R. K. Gupta, S. R. Bakshi: Rajasthan: Through the Ages. Sarup & Sons, Delhi 2008, Vol. V (Studies In Indian History).

Weblinks[Bearbeiten]