Memorbuch

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Frankfurter Memorbuch

Das Memorbuch ist eine der ältesten Traditionen des Totengedenkens im Judentum. Besonders im aschkenasischen Judentum bilden die Memorbücher eine der wichtigsten Quellen der kollektiven Erinnerung an Verstorbene.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Im 13. Jahrhundert entwickelten sich die memorialen Aufzeichnungen zu einer literarischen Gattung. Allerdings gewannen die Memorbücher erst ab Mitte des 17. Jahrhunderts an Bedeutung, weil sie nicht nur als Gedenkbücher, sondern auch als Gebetssammlungen dienten. Memorbücher wurden in der Synagoge der jeweiligen Gemeinde verwahrt, um so auch die Totentage der verstorbenen Gemeindemitglieder einzuhalten. Eine weitere wichtige Funktion der Memorbücher war die Geschichte der Gemeinde für die Nachkommen zu erhalten und so finden sich in Memorbüchern nicht nur die Namen der Verstorbenen, sondern auch besondere Ereignisse, wie z. B. Ausschreitungen gegen die Gemeinde.

Im Mittelalter[Bearbeiten]

Bekannte Memorbücher des Mittelalters sind das Nürnberger Memorbuch aus dem Jahre 1349 (Pestverfolgungen) und das Wormser Memorbuch von 1096 (Verfolgung der Juden während des 1. Kreuzzuges) und 1349.[1]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Eine wichtige Rolle spielten die Memorbücher zur Zeit des Nationalsozialismus, da sie einen besonders detaillierten und relativ vollständigen Einblick in die Opferzahlen der Juden gewähren. Dabei ergänzen sie beispielsweise das Gedenkbuch des Bundesarchivs. Viele Morde an Juden sind in diesem deutschen Gedenkbuch als „Freitod“ bezeichnet, da die Quellenlage auf Archiv-Material aus der Zeit des Nationalsozialismus beruht. Heutige Memorbücher der Jüdischen Gemeinden oder Organisationen bemühen sich dagegen oft, die wahren Todesursachen und Todesumstände zu nennen.

So geht z. B. aus einem Memorbuch[2] hervor, dass in der Pogromnacht in Wien ungefähr

  • 7000 Juden eingekerkert wurden
  • 4600 Juden nach Dachau verschleppt wurden
  •    27 Juden in Dachau ermordet wurden
  •  680 Juden sich in Dachau das Leben genommen haben
  •    94 Juden sich in Wien das Leben genommen haben
  •  832 Juden sich im Jahre 1939 das Leben genommen haben

Weitere bislang unbekannte Opfer werden in ungefähr 500 Büchern, welche die Verfolgung der Juden in Deutschland beschreiben, namentlich genannt.[3] Die zukünftige Aufgabe der Memorbücher definiert sich ebenfalls aus dem Holocaust, nämlich der Erstellung von Gedenkbüchern für die Opfer, die kein Grab und keinen Namen mehr haben, weil sie mit ihren Gemeinden ausgelöscht worden sind.

Aufgabe[Bearbeiten]

Früher führte jede jüdische Gemeinde ein Memorbuch, um die Erinnerung an jene Menschen wach zu halten, die nach jüdischem Glauben eine Probe zu bestehen hatten. Diese Art eines Gedenkbuches ist daher als ein symbolisches Zeugnis des Lebens und des Leidens jüdischer Personen anzusehen. In jedem Memorbuch sind die Namen des Verstorbenen sowie dessen Alter und Todesdatum, als auch die Todesursache erwähnt. Viele Memorbücher enthalten darüber hinaus einige Gebete wie das El male rachamim und das Jiskor, die zu entsprechenden Daten im jüdischen Kalender oder zum Todestag des Verstorbenen gesagt werden, insofern dieses Datum bekannt ist. Manche Memorbücher enthalten sogar teilweise (kurze) Erzählungen über das Leben und die Taten einer Person.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name Memorbuch geht auf lateinisch memoria („Gedächtnis“) zurück. Eine weitere Erklärung für den Ausdruck Memorbuch ist der historische Aufbewahrungsort. Früher wurden die Memorbücher nämlich unter dem Almemor (Gebetspult in der Synagoge) gelagert.

Heute werden Memorbücher besonders im Hinblick auf die Erinnerung an die in der Shoah verschleppten und ermordeten Juden geführt und teilweise auch Yizkor-Buch genannt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Memorbuch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schwarz, Meier, Märtyrertum im Judentum!,S.115 in: Bach, Dieter und Barkenings, Hans-Joachim, 1096 – Der erste Kreuzzug und die Verfolgung der Juden in deutschen Städten (Tagung in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche im Rheinland – Mülheim an der Ruhr 1.–3. März 1996), Mülheim an der Ruhr 1996, S.112-119
  2. Adunka, "Österreichische Synagogen, Ein Gedenkbuch"
  3. ashkenazhouse.org