Monokultur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Monokultur (von altgriechisch μόνος monos „allein“ und lateinisch cultura „Anbau, Pflege“) ist eine Bezeichnung für die regionale Konzentration der Markterzeugung in der Landwirtschaft auf ein Produkt, etwa Baumwollproduktion, Kaffeeanbau oder Rinderzucht, im übertragenen Sinn auch für Teilgebiete oder Städte mit einseitig entwickelter, dabei jedoch krisenanfälliger Industrie, etwa Schiffbau, Schmuckindustrie.[1] Zu dieser räumlichen Dimension kommt insbesondere im pflanzenbaulichen Bereich eine temporale Dimension: So wird von Monokultur (auch Einfeldwirtschaft) gesprochen, wenn die Fruchtfolge lediglich aus einer Nutzpflanzenart besteht.[2]

Im übertragenen Sinn wird der Begriff auch in anderen Bereichen mit großer Vorherrschaft eines Systems (z. B. im Softwarebereich) verwendet.[3]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Monokultur in der Landwirtschaft: Nassreisanbau in der chinesischen Provinz Yunnan

Historisch gesehen ist der Nassreisanbau in Asien die verbreitetste Form der Monokultur in der Landwirtschaft. Auch moderne landwirtschaftliche Betriebe sind teilweise auf einige wenige Pflanzenarten spezialisiert. Die Vorteile einer Spezialisierung, etwa die Nutzung derselben Maschinen und Vermarktungsstrukturen sowie das weiter wachsende Spezialwissen sind durch die resultierenden Effizienzgewinne in der Regel größer als die einer stärker diversifizierten Fruchtfolge. Landknappheit und hohe Nachfrage (z.B. auch nach Biokraftstoffen) begünstigen ebenfalls Monokulturen.[2]

Monokulturen haben ohne wirksame Gegenmaßnahmen einen Ertragsnachteil gegenüber Fruchtfolgen mit mehreren Arten. In der Öffentlichkeit wird häufig noch davon ausgegangen, dass Monokulturen den Boden "auslaugen", also die Nährstoffe entziehen. Diese Sicht ist jedoch falsch, da Pflanzen jeder Art von Fruchtfolge, mit Ausnahme von Leguminosen, dem Boden Nährstoffe entziehen, die daher extern zugeführt werden müssen. Stattdessen fördert die wiederkehrende Präsenz der Wurzeln derselben Art im Boden den Aufbau von Pathogenen. Die resultierenden Wurzelinfektionen erschweren es der Pflanze, Nährstoffe aufzunehmen und sich gegenüber Unkraut zu behaupten. Zu Gegenmaßnahmen gehören vor allem Pflügen und Pestizideinsatz, beim Nassreisanbau auch Fluten. Die Züchtung von schädlingsresistenten Sorten hat bisher nur begrenzt stattgefunden.[2]

Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Monokultur in der Forstwirtschaft: Fichten

In der Forstwirtschaft werden zum Teil noch heute Fichten und andere Nadelhölzer in Monokultur angebaut, um die holzverarbeitende und Papierindustrie mit dem Rohstoff Holz zu beliefern. Nachteile wie extremer Borkenkäferbefall oder hohe Windbruchanfälligkeit bewegt die Forstwirtschaft jedoch immer mehr zu nachhaltigeren Wirtschaftsformen.[4] Das in den 1980er Jahren befürchtete Waldsterben war ein weiterer Anlass dafür, abgeholzte Waldflächen weniger als reinen Nadelholzwald und stattdessen mehr als Mischwald wiederaufzuforsten (man hielt damals Laubbäume für weniger anfällig gegen die damalige Luftverschmutzung und Bodenversauerung).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Monokultur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Monokultur, online im Internet.
  2. a b c Cook, R. James (2006): Toward cropping systems that enhance productivity and sustainability. Proceedings of the National Academy of Sciences. Vol. 103, Nr. 49, S 18389-18394. (PDF-Datei; 1,2 MB)
  3. IT-Verband warnt vor Gefahren durch Windows (Verwendung des Begriffs Monokultur im Softwarebereich) bei golem.de, abgerufen am 21. Juni 2010
  4. Christoph Heinrich: Keine Trendwende – Wie geht es eigentlich unserem Wald? in: Naturschutz heute, Ausgabe 3/2003 bei nabu.de, abgerufen am 21.Juni 2010