Movimento Popular de Libertação de Angola

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Die Flagge der MPLA wurde zur Grundlage für die Flagge Angolas

Die Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA; deutsch Volksbewegung zur Befreiung Angolas) war eine der drei wichtigsten angolanischen Befreiungsbewegungen gegen die Kolonialmacht Portugal und ist seit der Unabhängigkeit des Landes dort die beherrschende Partei.

Geschichte[Bearbeiten]

Die MPLA wurde 1956 gegründet und rekrutierte sich vorwiegend, aber keineswegs ausschließlich aus den im Gebiet von Luanda bis Malange lebenden Ambundu, aber auch aus der Mischlingsbevölkerung und einer Minderheit der Angolaportugiesen. 1961–74 führte sie einen Guerillakrieg gegen die portugiesische Kolonialmacht, wobei sie vor allem von der UdSSR und Kuba unterstützt wurde.[1] Mit deren Hilfe konnte die MPLA bei den rivalisierenden Bewegungen FNLA und UNITA die Oberhand gewinnen, nachdem Portugal sich 1974 zum Rückzug aus seinen Kolonien entschlossen hatte. Am 11. November 1975 rief sie die Unabhängigkeit der Volksrepublik Angola aus.[2] Sie stellte auch den ersten Präsidenten, Agostinho Neto, und führte ein Einparteiensystem ein, das dem der damaligen sozialistischen Länder Europas nachempfunden war. Sie sah sich jedoch sofort der bewaffneten Opposition von UNITA und FNLA gegenüber und es kam zum Bürgerkrieg in Angola.

In den 1970er Jahren kam es zu Richtungskämpfen innerhalb der MPLA, bei denen Agostinho Neto mit harter Hand, gelegentlich durch blutige Unterdrückung, eine „orthodoxe“ Linie durchsetzte. Nach seinem Tod im Jahre 1979 entwickelte sich die MPLA jedoch im Verlauf eines Jahrzehnts von einer sich kommunistisch-sozialistisch gebenden zu einer sozialdemokratischen Partei. Im Jahre 1990 änderte sie die Verfassung und führte ein Mehrparteiensystem ein. Bei den darauffolgenden Wahlen gewann sie – gegen ihre Rivalen aus dem antikolonialen Krieg und einige neu gegründete Parteien – im Parlament die absolute Mehrheit. Bei den gleichzeitigen Präsidentenwahlen erhielt der (nach dem Tode Agostinho Netos ausgewählte) MPLA-Vorsitzende und Staatspräsident José Eduardo dos Santos die relative, jedoch nicht die absolute Mehrheit gegen Jonas Savimbi, den Vorsitzenden der UNITA. Letzterer erkannte die Wahlergebnisse nicht an und nahm die Kriegshandlungen sofort wieder auf.

Gegenwart[Bearbeiten]

Nach Savimbis Tod im Jahre 2002 ließ die MPLA erst 2008 erneut Parlamentswahlen durchführen, bei denen sie knapp 82 Prozent der Stimmen erhielt. Ein Ergebnis in dieser Höhe war von niemandem erwartet worden und wurde bei Wahlanalysen innerhalb wie außerhalb der MPLA in erster Linie mit der geringen Glaubwürdigkeit der anderen Parteien erklärt, vor allem UNITA und FNLA.[3] Erst in zweiter Linie schlugen die Leistungen beim Aufbau des Landes zu Buche, die in vielen Teilen des Landes unübersehbar waren, aber noch viel zu wünschen übrig ließen und von flagranten Missständen (Korruption, soziale Ungleichheit, schlechtem Funktionieren von Staatsapparat und öffentlichen Unternehmen) überschattet wurden. Mit ihrer neuen Mehrheit setzte sie 2010 eine neue Verfassung durch, nach der der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende der im Parlament stärksten Partei automatisch Staatspräsident bzw. Vize-Präsident werden. Da gleichzeitig die Gewaltenteilung weitestgehend aufgehoben ist, hat sich die MPLA für die vorausschaubare Zukunft faktisch die Rolle einer Staatspartei gesichert. 2009 - 2012 bemühte sie sich - schon aus ihrem Selbsterhaltungstrieb heraus - beim weiteren Wieder- und Neuaufbau stärker um die Bekämpfung der Mängel, ohne allerdings den autoritären Charakter des Regimes infrage zu stellen.[4]

Erneute Parlamentswahlen wurden 2012 durchgeführt. Im Gegensatz zu früheren Erklärungen war José Eduardo dos Santos wiederum Spitzenkandidat der MPLA. Dessen Stimmenanteil ging zwar leicht zurück, auf rund 72%,[5] doch behielt sie ihre beherrschende Stellung bei und stellte sicher, dass ihr Vorsitzender weiterhin Staatspräsident bleibt. Empfindlich getroffen wurde die Partei allerdings dadurch, dass in der zentral wichtigen Hauptstadtprovinz Luanda, wo sich ein Viertel der Gesamtbevölkerung des Landes ballt, die Enthaltung 42% betrug und die Oppositionsparteien zusammen rund 40% der abgegebenen Stimmen erhielten - sich also nur um die 25% der Wahlberechtigten für die MPLA entschieden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Mauricio José Barros: Die Entwicklung der nationalen Befreiungsbewegung in Angola. Eine kritische Betrachtung. Berlin 1977.
  • Bettina Decke: a terra é nossa: Koloniale Gesellschaft und Befreiungsbewegung in Angola. Informationsstelle Südliches Afrika, Bonn 1981.
  • Jean-Michel Mabeko Tali: Dissidências e poder de Estado: O MPLA perante si próprio (1966–1977). Nzila, Luanda 2001.
  • Jean Martial Arsène Mbah, As rivalidades políticas entre a FNLA e o MPLA (1961-1975), Luanda: Mayamba, 2012
  • Lúcio Lara, Um amplo movimento: Itinerário do MPLA através de documentos e anotações, Band I, Até Fevereiro de 1961, 2. Ausg., Luanda: Selbstverlag Lúcio & Ruth Lara, 1998, Band II, 1961–1962, Luanda: Selbstverlag Lúcio Lara, 2006, Band III, 1963–1964, Luanda: Selbstverlag Lúcio Lara, 2008
  • Inge Brinkmann, War, Witches and Traitors: Cases from the MPLA's Eastern Front in Angola (1966-1975), Journal of African History, 44, 2003, S. 303–325
  • Fernando Tavares Pimenta, Angola no percurso de um nacionalista: Conversas com Adolfo Maria, Porto: Afrontamento, 2010
  • Dalila Cabrita Mateus & Álvaro Mateus, Purga em Angola, Lissabon: Edições Asa, 2007
  • Fátima Salvaterra Peres, A Revolta Activa: Os conflitos identitários no contexto da luta de libertação (em Angola), Magisterarbeit, Universidade Nova de Lisboa, 2010

Weitere Literatur in den Artikeln Angola, Geschichte Angolas und Bürgerkrieg in Angola

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Siehe die sorgfältige Rekonstruktion dieser Phase, festgemacht am damaligen Generalsekretär der MPLA, Lúcio Lara: Associação Tchiweka de Documentação, Lúcio Lara (Tchiweka) 80 anos: Imagens de um percurso até à conquista da independência. Edições ATD, Luanda 2010.
  2. Siehe Franz-Wilhelm Heimer: Der Entkolonisierungskonflikt in Angola. Weltforum Verlag, München 1979.
  3. Bezeichnend ist, dass fast alle „Kleinstparteien“ aus dem Parlament verschwunden sind, die vorher bis drei Abgeordnete hatten und sich damit immerhin zu Wort melden konnten. Das beste Beispiel ist die von Intellektuellen getragene FpD (Frente para a Democracia), die sich in den Plenardebatten und Ausschüssen durch Sachverstand hervorgetan hatte, sich aber kaum hatte durchsetzen können.
  4. http://www.bti-project.org/country-reports/esa/ago/
  5. http://eleicoes2012.cne.ao/paginas/paginas/dat99/DLG999999.htm