José Eduardo dos Santos

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
José Eduardo dos Santos

José Eduardo dos Santos (* 28. August 1942 in Sambizanga, Luanda) ist seit 1979 Präsident der Republik Angola, damit zugleich auch Regierungschef und Oberkommandierender der Streitkräfte. Er ist gleichzeitig Vorsitzender der herrschenden Partei MPLA.

Leben[Bearbeiten]

Dos Santos (5. v. l.), im Oktober 1981 mit Wolfgang Rauchfuß (4. v. l.) und dem Ost-Berliner Stadtkommandanten Karl-Heinz Drews (2. v. r.) am Brandenburger Tor

José Eduardo dos Santos wurde als Sohn eines Bauarbeiters aus São Tomé und Príncipe geboren.[1] Nach der unten abgebildeten Urkunde wurde er in Almerim auf der Insel São Tomé geboren und war sein ursprünglicher Familienname "Van Dúnem". Grundschule und Gymnasium absolvierte er in Luanda. Bereits als Schüler trat er 1958 der damaligen Freiheitsbewegung und späteren Einheitspartei MPLA bei. 1961 siedelte er nach Frankreich, später in die Republik Kongo um. Von Brazzaville aus arbeitete er für das MPLA und wurde Vizepräsident von deren Jugendorganisation. Später studierte er in der Sowjetunion an der Aserbaidschanischen Staatlichen Ölakademie in Baku und schloss das Studium als Erdölingenieur ab.[2]

Geburtsurkunde von dos Santos

Als Politiker[Bearbeiten]

Ab 1970 war José Eduardo dos Santos wieder in Brazzaville und kehrte 1974 während des Entkolonisierungskonflikts[3] nach Angola zurück. Nach der Unabhängigkeit war er 1975–1976 und 1984–1985 Außenminister von Angola. 1975 wurde er auch in das Politbüro seiner Partei gewählt, die ein Einparteienregime nach sozialistischem Vorbild errichtete. Später wurde er Planungsminister und stellvertretender Premierminister. Er trat am 20. September 1979 die Nachfolge von Agostinho Neto als Staatspräsident und Parteivorsitzender an.

Als sich Angola 1991 zu einer Mehrparteiendemokratie wandelte, trat José Eduardo dos Santos bei den ersten Parlaments- und Präsidentenwahlen 1992 als Spitzenkandidat des MPLA an. Während seine Partei die absolute Mehrheit der Stimmen in der Nationalversammlung erreichte, erzielte er bei den Präsidentschaftswahlen nur 49 %, sodass ein zweiter Wahlgang gegen den Vorsitzenden der UNITA, Jonas Savimbi, nach der Verfassung notwendig war. Die UNITA erkannte jedoch die Wahlergebnisse nicht an und nahm den Bürgerkrieg wieder auf, der seit 1975 getobt hatte. José Eduardo dos Santos übte daraufhin weiter das Präsidentenamt aus, ohne gültig gewählt worden zu sein.

Im Jahre 2001 erklärte er, dass er bei den nächsten Präsidentschaftswahlen zurücktreten werde, vorausgesetzt, dass bis dahin Frieden herrsche. 2002 wurde Jonas Savimbi im Gefecht getötet und der Bürgerkrieg unmittelbar darauf beendet. Im Dezember 2003 wurde dos Santos als Vorsitzender der Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA) wiedergewählt. Er trat als Spitzenkandidat seiner Partei bei den Parlamentswahlen am 5. September 2008 an, bei der die MPLA 81,64 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.[4] Anfang 2010 wurde dann vom Parlament eine neue Verfassung verabschiedet, nach der der Vorsitzende der aufgrund der Wahlergebnisse stärksten Partei automatisch Staatspräsident wird. Bei der Parlamentswahl 2012 erhielt das MPLA erneut die Mehrheit; da dos Santos die Kandidatenliste dieser Partei anführte, ist er damit automatisch zum Präsidenten gewählt.[5] Nach 33 Jahren im Amt befindet er sich damit zum ersten Mal in einer Situation, in der er nach einer geltenden Verfassung als Präsident gültig gewählt worden ist.

Seit Jahren werden José Eduardo dos Santos autoritäres Verhalten und Neopatrimonialismus vorgeworfen. Vor einem Schweizer Gericht läuft gegen ihn ein Verfahren wegen Korruption im Amt. [6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: José Eduardo dos Santos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abstammung und Familie von José Eduardo dos Santos (portugiesisch)
  2. In diesem Punkt gibt es Widersprüche zwischen den offiziellen Quellen. Siehe etwa BIOGRAPHY OF HIS EXCELLENCY MR. ENG. JOSE EDUARDO DOS SANTOS, PRESIDENT OF THE REPULIC OF ANGOLA (Version vom 26. Juni 2013 im Internet Archive)
  3. Siehe Franz-Wilhelm Heimer, Der Entkolonisierungskonflikt in Angola, München: Weltforum Verlag, 1979
  4. Die Parlamentswahlen in Angola 2008 (PDF; 108 kB) Dr. Dr. Anton Bösl, Konrad-Adenauer-Stiftung
  5. Langzeit-Präsident dos Santos behält die Macht in Angola. In: Zeit Online. 2. September 2012.
  6. Anti-Korruptionsgruppe fordert Verfahren gegen Angolas Präsident