Mschatta-Fassade

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Die Mschatta-Fassade

Die Mschatta-Fassade ist die mit Reliefs bedeckte Fassade der jordanischen Wüstenresidenz von Mschatta aus der Mitte des 8. Jahrhunderts.

Die Fassade gehörte zu dem Palast von Mschatta, dessen Ruine ca. 30 km südlich der jordanischen Hauptstadt Amman liegt. Noch heute befinden sich Teile auf dem Gelände des Flughafens von Amman in Jordanien.

Es handelt sich bei der Gesamtanlage um eine umayyadische Anlage von quadratischem Grundriss mit 144 Meter innerer Seitenlänge und einem zentralen Hof von 57 Meter Länge. Der Palast darin wurde wahrscheinlich in der Regierungszeit des Kalifen Al-Walid II. (743–744) begonnen. Er blieb nach der Ermordung des Kalifen unbeendet und wurde wenig später von einem Erdbeben zerstört. Die Bezeichnung Mschatta („Winterlager“) wurde von den Beduinen übernommen, da man keine Überlieferung des ursprünglichen Namens fand.

Sie wurde 1840 europäischerseits "wiederentdeckt". Weil befürchtet wurde, dass nach dem Bau der Hedschasbahn in unmittelbarer Nähe der Ruine aus dem Kulturdenkmal wertvolle Bauteile verwendet werden könnten, gewann Josef Strzygowski Wilhelm von Bode für die Idee, die Fassade für die Berliner Museen zu erwerben.[1] Bode schlug dies Kaiser Wilhelm II. zunächst in einer Audienz und anschließend in einer Denkschrift vom 3. April 1902 vor.[1] Schließlich wurde die Fassade zum Abbau durch den osmanischen Sultan Abdülhamid II. an Kaiser Wilhelm II. verschenkt. Die Hedschasbahn ermöglichte dann auch den unproblematischen Abtransport der Fassade. Der größere Teil gelangte 1903 in das damals im Bau befindliche Kaiser-Friedrich-Museum (heute Bodemuseum). Da sich kurz nach Bode auch Julius Euting mit einem Vorschlag zur Anfertigung von Gipsabgüssen an den Kaiser gewandt hatte, folgte 1904 ein öffentlich ausgetragener Streit über die Urheberschaft der Idee.[2]

1932 wurde die Südfassade im Pergamonmuseum aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie schwer beschädigt. Sie ist heute neben dem Aleppo-Zimmer einer der Hauptanziehungspunkte im Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum in Berlin. Dort ist die Fassade auf einer Länge von 33 Metern und einer Höhe von 5 Metern mit zwei Tortürmen aufgebaut und vermittelt ein anschauliches Bild frühislamischer Baukunst, die von römischer naturalistischer Darstellung und frühbyzantinischen Steinmetztechniken in Syrien geprägt ist. Die kombinierte Verlegetechnik von Hausteinen und Ziegeln an den Wänden des Gebäudes, die Anordnung der Räume und die Konstruktion der Gewölbe wird dagegen auf persisch-irakischen Einfluss zurückgeführt.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Leo Trümpelmann: Mschatta. Ein Beitrag zur Bestimmung des Kunstkreises, zur Datierung und zum Stil der Ornamentik. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1962
  • Volkmar Enderlein: Bautechnische Beobachtungen an der Fassade von Mschatta. In: Kunst und Kunsthandwerk im Islam : 2. Bamberger Symposium der Islamischen Kunst, 25. - 27. Juli 1996, Oriente moderno, 84,2 (N.S. 23.2004,2 = 84,2), S. 417-426.
  • Volkmar Enderlein: Mschatta - ein Kalifenschloss, Staatliche Museen zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Führungsblatt Nr. ISL. 1, 1994
  • Volkmar Enderlein, Michael Meinecke: Graben, Forschen, Präsentieren. Probleme der Darstellung vergangener Kulturen am Beispiel der Mschatta-Fassade. In: Jahrbuch der Berliner Museen, 34. Bd., (1992), S. 137-172

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mschatta-Fassade – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Informationen zu Mschatta-Fassade in der Online-Datenbank der Staatlichen Museen zu Berlin

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Volkmar Enderlein: Die Erwerbung der Fassade von Mschatta. In: Forschungen und Berichte, Bd. 26, (1987), S. 81-90, S. 81
  2. Volkmar Enderlein: Die Erwerbung der Fassade von Mschatta. In: Forschungen und Berichte, Bd. 26, (1987), S. 81-90, S. 86; vgl. Julius Euting (1839-1913) (Version vom 27. August 2007 im Internet Archive): Durch Vermittlung J. Eutings kam ein Teil der Fassade des Wüstenschlosses Mschatta als Geschenk des Sultans an Kaiser Wilhelm II. nach Berlin
  3. Trümpelmann, S. 13, 18 / Frank Rainer Scheck: Jordanien. Völker und Kulturen zwischen Jordan und Rotem Meer. DuMont, Köln 1994, S. 252

52.52083333333313.396388888889Koordinaten: 52° 31′ 15″ N, 13° 23′ 47″ O