Muselmann

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Dieser Artikel behandelt eine veraltete Bezeichnung für Muslime. Zum Muselmann in der Lagersprache in Konzentrationslagern siehe Muselmann (KZ).

Muselmann (auch Muselman, Muselmane; von persisch musilmān über türkisch müslüman, italienisch musulmano; ursprünglich persisch muslimān – von arabisch muslim + persische Pluralendung -ān, „die Muslime“) ist laut Duden eine veraltete Bezeichnung für Muslime. Die eingedeutschte Endung -mann, Plural -männer, ist volksetymologischen Ursprungs.

Bis ins frühe 19. Jahrhundert war Muselmann eine übliche Bezeichnung für Muslime. In Lessings Drama Nathan der Weise (1779) heißt es anerkennend über Nathan: „Jud’ und Christ und Muselmann und Parsi, alles ist ihm eins.“[1] Novalis gebrauchte die Bezeichnung in seinem Kriegslied: „Auf Brüder auf zum Kriege hin / Seyd brav fürs Vaterland / Und lehrt den Musulmänner fliehn / Braucht eure rechte Hand. / Denkt nur an unsern Prinz Eugen / Den Türken furchtbar noch. / Wie er bey Zent, Salankemen / Der Türken Stolz betrog. / Nich half ihr großer Mohammed / Den Musulmännern auf / Es stärkte ihnen ihr Prophet / Die Beine nur zum Lauf. / Auf; schwingt den Säbel, traut auf Gott / Der euch noch nie verließ / Und wenn euch selbst noch ärgre Noth / Der böse Satan wies.“[2]

Die Bezeichnung wurde bereits um 1800 als eine „verderbte“ Form des arabischen Wortes muslim erkannt. So stellte die Oeconomische Encyclopädie 1805 fest: „Muselmann, ein Nahme, welchen sich die Anhänger Mahomed’s, oder die im gemeinen Leben sogenannten Türken selbst beylegen, und im Arabischen eigentlich Moslemim, d. i. Bekenner des Islam, oder wahren Glaubens, welchen Nahmen Mahomed seiner Lehre schon im Jahre 612 gab, bedeutet, und woraus die Europäer ihr Muselmann verderbt haben.“[3]

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden andere Bezeichnungen wie Moslem, Muslim und besonders Mohammedaner gebräuchlicher. Heute gilt die Bezeichnung Muselmann als Schimpfwort und Beleidigung.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kathrin Wittler: „Muselmann“. Anmerkungen zur Geschichte einer Bezeichnung. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 61 (2013) Heft 12, S. 1045–1056, ISSN 0044-2828

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gotthold Ephraim Lessing: Werke. Hg. von Kurt Wölfel. Bd. 1. Frankfurt am Main 1967. S. 503.
  2. Novalis, Schriften, Sechster Band, Erste Teilband, hrsg. von Hans-Joachim Mähl, begründet von Paul Kluckhohn und Richard Samuel, Stuttgart, Berlin, Köln 1998, S. 89.
  3. Oeconomische Encyclopädie, hg. von Johann Georg Krünitz u. a., Bd. 98, Berlin 1805, Sp. 449.
  4. „Muselmann“ kostet 1200 Euro merkur-online.de, 19. August 2009

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Muselman – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen