Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch

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Geschichte und Methoden des (kriminalisierten) Schwangerschaftsabbruchs

Das Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch (MUVS) ist ein Museum im 15. Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus. Es ist das weltweit einzige Museum, das sich ausschließlich den Schwerpunkten Empfängnisverhütung, Schwangerschaftstests und Schwangerschaftsabbruch widmet.

Geschichte[Bearbeiten]

Das MUVS wurde im Jahr 2003 vom Gynäkologen Christian Fiala, selbst Betreiber einer Wiener Familienplanungsklinik, gegründet. Fiala meinte dazu: „Als Arzt kann ich nur eine begrenzte Anzahl von Menschen über ihre Fruchtbarkeit aufklären und wie sie damit bestmöglich umgehen. Als Wissenschafter und Vortragender sind es schon mehr. Aber erst mit einem Museum gelingt es, das Wissen über verlässliche Verhütung und über den medizinisch sicheren Schwangerschaftsabbruch in die ganze Welt hinaustragen.

Im März 2007 wurde das Museum in Anwesenheit der früheren Frauenministerin Johanna Dohnal eröffnet. Es befindet sich am Mariahilfer Gürtel, in unmittelbarer Nähe zum Wiener Westbahnhof. Finanziert wird das Museum durch einen gemeinnützigen Verein sowie durch Einzelspenden.

Zielsetzung[Bearbeiten]

Historische Verhütungsmittel

Aufgabe ist es, wissenschaftlich korrekte Informationen über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Verhütung, Schwangerschaftstests und Schwangerschaftsabbruch anzubieten.[1] Damit soll die „Wucht der Fruchtbarkeit“ greifbar gemacht werden: Durchschnittlich 15 Schwangerschaften pro Frauenleben sind „natürlich“, „naturgewollt“. Von den etwa 10 Geburten haben früher rund sieben Kinder überlebt. Das ist den meisten Menschen aus wirtschaftlichen, sozialen oder anderen Gründen aber zu viel, früher wie heute. Die Beschränkung der Kinderzahl war und ist daher für alle Generationen und die meisten Kulturen ein wichtiges Thema.[2]

Struktur[Bearbeiten]

Das Museum besteht aus den realen Schauräumen in Wien und dem virtuellen Museum www.muvs.org.

Schauobjekte, Modelle, Akten, Schriften und Filme werden den Besuchern in drei Schauräumen präsentiert. Zur Orientierung stehen Erklärungen auf Audioguides (deutsch, englisch) sowie eine Basisbroschüre (deutsch, englisch) bereit. Zusätzlich gibt es Broschüren zu Spezialthemen (deutsch, englisch). Die Schauräume zeigen nur einen geringen Teil der Sammlung.

Das MUVS nimmt jedes Jahr an der Langen Nacht der Museen teil.

Das virtuelle Museum kann über eine Museumstour besucht werden. Das Kernstück ist eine umfangreiche Datenbank von Sammlung und Bibliothek, die von jedem User gratis benützt werden kann. Die Bilder dürfen kostenfrei gegen Quellennennung weiterverwendet werden.

Bestände[Bearbeiten]

Sammlung, Archiv und Bibliothek umfassen etwa 1500 Objekte, 1000 Artikel und 1000 Bücher. Eine Reihe von Wissenschaftern hat dem Museum ihren Vor- oder Nachlass anvertraut. Sammlung, Archiv und Bibliothek sind über die Homepage zugänglich und werden darüber hinaus durch Themenbroschüren und den regelmäßigen kostenlosen Newsletter (deutsch, englisch) aufgearbeitet.

Hermann-Knaus-Dokumentationszentrum[Bearbeiten]

Der österreichische Gynäkologe Hermann Knaus (1892–1970) wurde gemeinsam mit dem japanischen Arzt Kyusaku Ogino (1882–1975) als Entdecker der sicheren und unsicheren Tage im Zyklus der Frau bekannt. Im Rahmen seines Schwerpunktes Bewahrung österreichischen Kulturgutes führt das Museum ein umfangreiches Teilarchiv Hermann Knaus.[3]

Verhütung macht Schule[Bearbeiten]

Blick in den Verhütungsraum

Ein besonderer Schwerpunkt der Museumsarbeit ist die Wissensvermittlung an Jugendliche. Aus Platzgründen und um den jungen Besuchern ausreichend Zeit für ihre Fragen zu geben, werden maximal vier Führungstermine pro Tag vergeben.

Mitgliedschaften und Internationale Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Das Museum ist direkt oder über seine Repräsentanten Mitglied beim Museumsbund Österreich (MÖ) und beim Internationalen Museumsrat (ICOM). Es besteht ein enger Wissensaustausch mit medizinhistorischen Sammlungen weltweit und eine Partnerschaft mit dem Dittrick Medical History Center and Museum, Cleveland, Ohio.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2009: Österreichisches Museumsgütesiegel
  • 2010: Nominiert für den European Museum of the Year Award
  • 2010: Erster Preisträger des Kenneth Hudson Award der Trustees of the European Museum Forum
  • 2011: Member of Excellence Club: „The Best in Heritage“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Begrüßungsstatement von Barbara Prammer, Präsidentin des Österreichischen Nationalrates
  2. „Das Resultat des Geschlechtsverkehrs ist im Allgemeinen das Kind“, MUVS-Basisbroschüre
  3. „Hermann Knaus - Detektiv der fruchtbaren Tage“, Herausgegeben vom MUVS

Literatur[Bearbeiten]

  • W. Regal, M. Nanut: Ein Menschheitstraum: Die Fortpflanzung kontrollieren. In: ÄrzteWoche vom 3. Dezember 2003
  • C. Werner: Verhütung im Museum. In: Oberösterreichische Nachrichten vom 24. März 2007
  • Gerti Senger: Lust und Last der Fruchtbarkeit. In: Kronen-Zeitung vom 1. April 2007
  • Anna Lissel: Plastik statt Jute - eine kurze Geschichte der Verhütung. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 6. Mai 2007
  • Staunen macht klug. In: Der Mediziner. Ausgabe 4/2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.19491666666716.339083333333Koordinaten: 48° 11′ 42″ N, 16° 20′ 21″ O