Neferkasokar

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Namen von Neferkasokar
Neferkasokarsakkara.png
Kartuschenname des Neferkasokar, Königsliste von Sakkara [1]
Eigenname
V10A O34
k
r
F35 D28 Z1 V11A G7

Neferkasokar (Nefer ka Sokar) [2]
Nfr k3 Skr
[A 1]

Hiero Ca1.svg
F35 D28 O34
k
r
Hiero Ca2.svg
Neferkasokar (Nefer ka Sokar)[A 2]
Nfr k3 Skr
Königspapyrus Turin (Nr.III./1)
V10A F35 D28 Z1 O34
V31
r
Z5 G7 V11A G7
[3][A 3]
Neferkasokar (Nefer-ka-Sokar)
Nfr k3 Skr
Königsliste von Sakkara (Nr.9)
Hiero Ca1.svg
O34
k
r
F35 D28
Hiero Ca2.svg
Neferkasokar (Nefer-ka-Sokar)
Nfr k3 Skr
Griechisch
Manetho-Varianten:

Africanus: Sesochris [A 4]
Eusebius: Sesochris [A 4]
Eusebius, AV: Sesochris [A 4]

Neferkasokar (eigentlich Nefer-ka-Sokar) war ein altägyptischer König (Pharao) der 2. Dynastie (Frühdynastische Zeit), der eventuell von um 2744 bis um 2736 v. Chr. regierte.[4] Er wird in den wenigen Quellen als Nachfolger von König Neferkare/Aaka und als Vorgänger von König Hudjefa beschrieben.

König Neferkasokar gilt als obskure Gestalt in der frühägyptischen Chronologie, der bislang nur in posthumen Quellen des Neuen Reichs zutage tritt.

Belege[Bearbeiten]

Rollsiegel des Neferkasokar, Herkunft unbekannt [5]

Der Name Neferkasokar ist vorrangig von der Königsliste von Sakkara im Grab des Vorlesepriesters Tjuneroy (19. Dynastie) in Sakkara bekannt, wo er als siebter Herrscher der 2. Dynastie beschrieben wird. Des Weiteren erscheint er im Königspapyrus Turin, ebenfalls als siebter Regent. Der Papyrus bescheinigt Neferkasokar eine Regierungsdauer von 8 Jahren und 3 Monaten. Zeitgenössische Denkmäler oder Artefakte wurden bisher nicht entdeckt.[6]

Ein Rollsiegel aus Steatit unbekannter Herkunft nennt den Kartuschennamen des Herrschers, gefolgt von dem Epitheton Meri-Netjeru (m.rj-ntjr.w). Besonders letztgenannte Beischrift deutet an, dass das Siegel aus deutlich späterer Zeit stammt. Andere Ägyptologen hinterfragen allerdings die Echtheit des Siegels.[7]

Ein weiteres Mal wird Neferkasokars Name in einer überlieferten Erzählung erwähnt. Diese erscheint auf einem Papyrus mit der Bezeichnung pBerlin 23071 und befasst sich mit der Architektur von Tempeln und den Dienstpflichten der dort Beschäftigten. In einem kurzen historischen Abschnitt heißt es:

Diese Schrift wurde im Tempel des Atum, des Herrn von Heliopolis gefunden, als man Schriften suchte im Bücherhaus in einer verfallenen Kammer, die beschriftet war mit dem Namen des „Neferkasokar“. Es wurde neu kopiert, um es zu erhalten, auf den Namen des Königs von Ober- und Unterägypten Cheops durch den fähigen Königssohn Djedefhor.[8]

Im Anschluss erzählt der Papyrus, dass unter König Neferkasokar eine siebenjährige Hungersnot Ägypten heimsuchte und die Tempel verfielen. Während eines Traums erhält der Herrscher die Mahnung, alle Heiligtümer umgehend restaurieren zu lassen. Als Neferkasokar dies tut, ist die Hungersnot laut Überlieferung beendet. Der Herrscher lässt daraufhin ein Dekret verfassen, welches der Prinz Djedefhor wiederentdeckt.[8]

Der Ägyptologe und Demotist Joachim Friedrich Quack gab dem Traktat später den Namen „Buch vom Tempel“.[9]

Historische Zuordnung[Bearbeiten]

Da Neferkasokars Name nur für Unterägypten belegt ist, wird er von vielen Ägyptologen als Gegenkönig zu den Herrschern Peribsen und Nubnefer angesehen.[10]

Er könnte mit einem König identisch sein, den der Historiker Manetho Sesôchris nennt. Manetho schreibt über den Herrscher, seine Statur habe 5 Ellen und 3 Handbreit gemessen.[11]

Kartusche des Neferkasokar im Turiner Papyrus, der Königstitel Nesut-Biti ist weggebrochen (ganz rechts)

Regierungszeit[Bearbeiten]

Da bislang keinerlei archäologische Funde Neferkasokars Zeit sicher zugeordnet werden können, ist nichts Konkretes über politische, kultische oder wirtschaftliche Ereignisse bekannt. Es wird jedoch allgemein angenommen, dass Neferkasokar nur in Unterägypten regierte, da sein Name in der Sakkara-Liste erscheint, in der Königsliste zu Abydos hingegen fehlt[12] und die Sakkara-Liste memphitische, also unterägyptische, Traditionen widerspiegelt.[13]

Neferkasokar wird zudem als Gegenregent zu den Herrschern Peribsen und Sechemib angesehen. Hintergrund dieser Ansicht ist eine vermutete Reichsteilung zum Zeitpunkt des Todes von König Ninetjer. Zu Neferkasokars Zeit hätte Ägypten somit aus zwei Landeshälften bestanden, von denen der südliche Teil von Königen wie Peribsen dominiert wurde, während im Norden neben Neferkasokar Könige wie Sened und Neferkare/Aaka herrschten. Beendet wurde die Reichsteilung unter König Chasechemui.[14]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jan Assmann, Elke Blumenthal, Georges Posener: Literatur und Politik im pharaonischen und ptolemäischen Ägypten. Institut français d'archéologie orientale, Paris/ Kairo 1999, ISBN 2724702514.
  • Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen. Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin 1984, ISBN 3-422-00832-2.
  • Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2310-7.
  • Wolfgang Helck: Lexikon der Ägyptologie. Bd. 4. Harrassowitz, Wiesbaden 1982, ISBN 3447022620, S. 195.
  • Jochen Kahl: Inscriptional Evidence for the Relative Chronology of Dyn. 0–2. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden/Boston 2006, ISBN 978-90-04-11385-5, S. 94–115 (Online).
  • Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit Bd. 2. Harrassowitz, Wiesbaden 1963, ISBN 3-447-00052-X.
  • Joachim Friedrich Quack: Ein ägyptisches Handbuch des Tempels und seine griechische Übersetzung. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik. Nr. 119, Habelt, Bonn 1997, S. 297–300.
  • Hermann A. Schlögl: Das Alte Ägypten: Geschichte und Kultur von der Frühzeit bis zu Kleopatra. Beck, Hamburg 2006, ISBN 3406549888.
  • Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3.
  • Martin A. Stadler: Weiser und Wesir: Studien zu Vorkommen, Rolle und Wesen des Gottes Thot im ägyptischen Totenbuch. Mohr Siebeck, Tübingen 2009, ISBN 3161498542.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. mit Namensideogramm für einen König, das den Horusfalken darstellt
  2. Nach einer Rollsiegelinschrift
  3. Die hier von den sonst üblichen Syntax für Hieroboxen abweichende Darstellung des Eintrags im Turiner Papyrus ist auf den Umstand gemünzt, dass im Hieratischen offene Kartuschen zur Verwendung kamen. Das abwechselnde Mal-fehlen-mal-vorhandensein bestimmter Namenselemente ist auf Materialschäden im Papyrus zurückzuführen.
  4. a b c Regierungsdauer 48 Jahre.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. nach: Eduard Meyer: Ägyptische Chronologie. Bildtafel I., Kartusche Nr. 9.
  2. Schreibweise nach dem Papyrus Vindobonensis
  3. Alan H. Gardiner: The Royal Canon of Turin. Griffith Institute, Oxford 1997, ISBN 0-900416-48-3, Bildtafel II.
  4. Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. S. 175.
  5. nach: P. Kaplony: Die Rollsiegel des Alten Reiches. Band 2, 1981, Bildtafel 1.
  6. Jan Assmann, Elke Blumenthal, Georges Posener: Literatur und Politik im pharaonischen und ptolemäischen Ägypten. S. 277.
  7. Jürgen von Beckerath: Handbuch der Ägyptischen Königsnamen. S. 29.
  8. a b Martin A. Stadler: Weiser und Wesir. S. 84 & 85.
  9. Joachim Friedrich Quack: Ein ägyptisches Handbuch des Tempels und seine griechische Übersetzung (PDF; 50 kB)
  10. Hermann A. Schlögl: Das Alte Ägypten. S. 78.
  11. William Gillian Waddell: Manetho (= The Loeb classical librabry. Bd. 350). Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 2004 (Reprint), ISBN 0-674-99385-3, S.37 - 41.
  12. I. E. S. Edwards: The Cambridge Ancient History. S. 35.
  13. Walter Bryan Emery: Ägypten, Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200-2800 v. Chr. S. 19.
  14. Herman A. Schlögl: Das Alte Ägypten. S. 77 - 78.


Vorgänger Amt Nachfolger
Neferkare I. König von Ägypten
2. Dynastie
Hudjefa I.