Traum

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Ein Traum ist eine psychische Aktivität während des Schlafes. Er wird als besondere Form des Erlebens im Schlaf charakterisiert, das häufig von lebhaften Bildern begleitet und mit intensiven Gefühlen verbunden ist. Der Träumende kann sich nach dem Erwachen meist nur teilweise oder gar nicht erinnern.[1] Stickgold (2001) beschreibt Träume als „bizarre oder halluzinatorische mentale Aktivität […] die während eines Kontinuums an Schlaf- und Wachstadien einsetzt“. Krippner et al. (1994) beschreiben den Traum als „[…] eine Serie von Bildern, die während des Schlafes auftritt und oft verbal berichtet wird“. Der Neuropsychologe Hobson beschreibt den Traum als „[…] a form of madness“ (eine Form von Wahnsinn) (1998). Die Interpretation des Erlebten findet in der „Oneirologie“ (Traumdeutung) statt. Fantasievorstellungen und Imaginationen, die im wachen Bewusstseinszustand erlebt werden, werden als Tagtraum bezeichnet.

Traum als Erlebnis im Schlaf[Bearbeiten]

Träume werden in allen Phasen des Schlafes (Einschlafen, Aufwachen, REM-Schlaf und NREM-Schlaf) erlebt, bleiben aber nur selten als solche in Erinnerung. Das Traumgeschehen handelt häufig von Dingen und Ereignissen, die theoretisch unmöglich oder in der Wachrealität unwahrscheinlich sind. Sie können aber auch realen Dingen entsprechen. Träume unterliegen nur bedingt der Steuerung des Ichs und sind oft mit starkem emotionalem Erleben assoziiert. Kognitive Fähigkeiten wie begriffliches Denken und kausal-logisches Erinnern treten in den Hintergrund. Auch das Bewusstsein ist meist eingeschränkt. Erschreckende und angstauslösende Träume werden als Albträume bezeichnet.

Die Häufigkeit des Träumens scheint bei allen Menschen in etwa gleich ausgeprägt zu sein, wenngleich die Erinnerbarkeit individuell sehr verschieden ist. Auch durch die Einnahme bestimmter Psychopharmaka kann das Träumen unterdrückt werden. Dagegen kann gezielte Meditation vor dem Schlaf und Konzentration nach dem Aufwachen die Intensität des Traumerlebens und das Erinnerungsvermögen ausweiten.

Träume und deren Deutung hatten im Altertum eine zentrale Stellung in Bezug auf die Zukunft und das Schicksal der menschlichen Existenz. Ursache und Funktion des Traumes sind auch heute noch nicht umfänglich erforscht. Es sind verschiedene Hypothesen bekannt, die je nach wissenschaftlichem und weltanschaulichem Hintergrund zu unterschiedlichen Aussagen kommen: So werden Träume von der Hirnforschung ausschließlich als physiologische Antwort neuronaler Prozesse betrachtet, während sie die Tiefenpsychologie als Reflexionen des Unbewussten ansieht.

Forschung[Bearbeiten]

Neurobiologie[Bearbeiten]

Die Traumforschung sieht sich mit einem unüberwindbaren Problem konfrontiert. Der Traum an sich kann nicht direkt beobachtet werden. Um zu wissen, ob ein schlafender Mensch träumt, muss er aus dem Schlaf geweckt und befragt werden.

Es gibt bisher keine unter Neurophysiologen allgemein anerkannte Hypothese zur Funktion des Traumes und des REM-Schlafs. Der Schlafforscher Jerome Siegel bemerkt dazu: „Es ist schwer zu glauben, dass dieser physiologische Zustand nicht eine irgendwie geartete lebenswichtige Rolle spielt“, jedoch bestehe keine allgemeine Übereinstimmung unter Schlafforschern hinsichtlich der Funktion des REM-Schlafs.[2]

Die medizinisch-naturwissenschaftliche Erforschung des Phänomens Traum begann 1953 in Chicago mit Eugene Aserinskys Entdeckung der REM-Phase im Schlaf. An der Universität Lyon konnten Forscher um Michel Jouvet 1962 den Pons (auch Brücke genannt, ein Teil des Stammhirns) als den Bereich des Gehirns lokalisieren, der die Schlafphasen steuert.

Elektroenzephalogramm einer REM-Schlafphase

An der Harvard-Universität entwickelten Allan Hobson und Robert McCarley daraufhin zwei einflussreiche Theorien: das reziproke Interaktionsmodell (1971) und die Aktivierungs-Synthese-Hypothese[3] (1977), welches er später zum Activation-Input-output gating-Modulation, kurz AIM, Modell (2000) erweiterte.[4]. Das reziproke Interaktionsmodell ist ein neurobiologisches Beschreibungsmodell, das den Wechsel zwischen REM- und NREM-Phasen im Schlaf erklärt. Mit der Aktivierungs-Synthese-Hypothese versuchen Hobson und McCarley, auf der Basis ihrer Erkenntnisse des reziproken Interaktionsmodells, das Zustandekommen eines Traums zu erklären. Neuronen im oberen Hirnstamm produzieren zufällige Erregungsmuster, welche der Ausgang für das Traumerleben sind. Der Cortex ist, konfrontiert mit der Schlafstarre des REM-Schlafs, nun bemüht, sinnfällige Interpretationen dieser Muster zu bilden. Das Ergebnis ist ein Traum. Damit sei die Ursache von Träumen den niederen Gehirnfunktionen zuzuordnen und nach diesem Modell der Traum selber „sinnlos“ bzw. ohne Bedeutung. Das Ergebnis sorgte für einen Sturm, nicht nur in der Psychoanalyse. Doch werden immer wieder Anomalien entdeckt, die mit dem Modell nicht mehr in Einklang zu bringen sind. Gegen das Modell spricht, dass aus der empirischen Forschung eher selten von bizarren Trauminhalten berichtet wird, von denen Hobson ausgeht. Hobson selbst schränkte sein Modell ein und stellte klar, dass Gedächtnisinhalte bei der Traumbildung eine Rolle spielen und Träume für unbewusste Vorgänge bedeutsam sind. Auch liefert das Modell nur schwache Erklärungen für Non-Rem-Träume (NREM-Träume), deren Bedeutung für die Forschung in jüngster Vergangenheit zugenommen hat. Heute ist er der Ansicht, dass die von ihm beschriebenen Mechanismen lediglich als Schalter fungieren, um von einer Traumepisode zur nächsten „umzuschalten“.

Der Neurophysiologe und Psychoanalytiker Mark Solms meint, dass Träume durch höhere Hirnfunktionen generiert werden und kein direkter Zusammenhang zwischen REM-Schlaf und Träumen besteht. Solms untersuchte verschiedene Patienten, bei denen durch Schädigungen und Traumata in REM-schlafrelevanten Bereichen des Gehirns kein REM-Schlaf mehr auftrat. Dennoch berichteten die Patienten von Traumtätigkeiten. Auch auf Basis seiner empirischen Ergebnisse kommt Solms zur alten freudschen Annahme des Traums als Hüter des Schlafs.

Experimentell-psychologisch[Bearbeiten]

Die Inhalte der experimentell-psychologischen Traumforschung lassen sich in drei Gruppen einteilen.

Erstens die Beschreibung von Träumen, um sie eindeutig von Wachfantasien und -gedanken abgrenzen zu können, aber auch, um allgemeine Beschreibungsweisen zur besseren Auswertung zu generieren. Als Traum bezeichnen Schlafforscher das, was der Träumer im REM-Schlaf erlebt, während sie Träume in der Einschlafphase als hypnagogische Halluzinationen bezeichnen.[5]

Zweitens die Einflussfaktoren auf Träume, d. h. die Frage, welche Auswirkungen das vorangegangene Wacherleben und äußerliche Reize während des Schlafs auf den Traum hat. Mehrere Forschergruppen haben untersucht, inwieweit äußere Reize in den Traum übernommen werden. Manchmal gab es eine partielle Übernahme, oft jedoch gar keine, und in keinem Fall wurde der Reiz zentrales Traumthema. Diese Schwierigkeit, den Träumer von seiner inneren Erfindung abzubringen, nannte Allan Rechtschaffen single-minded process.[6] Von Interesse ist dabei auch die Korrelation des Traums mit der Physiologie des Träumers (Augenbewegung, Puls, Atmung etc.). Auch hier gibt es noch keine allgemein anerkannte Lehrmeinung. Während P. Lavie, sich u. a. auf den Tennistraum stützend, in dem die Augenbewegungen des Träumers mit dem Hin und Her des Balles übereinstimmten, dazu neigt eine Verbindung zu sehen,[7] sind diese isolierten Beweise für M. Jouvet nicht hinreichend.[8] Außerdem gibt es auch bei Menschen, die von Geburt an blind sind, vereinzelte Augenbewegungen während des REM-Schlafs, obwohl sie in Geräuschen, Fühlen und emotionalen Zuständen träumen.[9]

Drittens die Rückkopplung von erlebtem Traum auf das Wacherleben, wie beispielsweise nach Albträumen oder kreativen Träumen.

Klarträume[Bearbeiten]

Einen wichtigen Anteil an der experimentellen Traumforschung hat die Untersuchung von Klarträumen, die seit Veröffentlichungen von Stephen LaBerge in 1980er Jahren verstärkt in den wissenschaftlichen Fokus gerieten. Durch LaBerge wurden zum einen Techniken zur Induktion von Klarträumen weiterentwickelt und systematisiert, was diesem spontan eher selten Phänomen zu einem häufigeren Auftreten verhalf und somit für die Schlaflaborforschung zuverlässiger erreichbar machte.[10] Zum anderen entwickelte er, wie auch Keith Hearne, die Möglichkeiten zur Kommunikation des Träumenden aus dem Traum heraus: durch die Kopplung von Blickrichtung im Traum und Bewegung der Augen der Probanden (siehe auch Scanning-Hypothese), konnten diese signalisieren, dass sie sich im Traum befinden und dort Experimente durchführen, z. B. zum Zeitablauf. Keith Hearne nutzte diese Technik während seiner Dissertation 1975 zum ersten Mal, LaBerge konnte 1981 durch eine Peer-Review-Veröffentlichung diese weiter in der Wissenschaftsgemeinde verbreiten.[11]

Grundlegende Forschungen wurden seit den 1970er Jahren auch in Deutschland betrieben. So entwickelte Professor Paul Tholey Methoden, um im Traum Luzidität zu erlangen und definierte sieben Merkmale zur Abgrenzung eines gewöhnlichen Traums von einem Klartraum. Der Sportwissenschaftler Dr. Daniel Erlacher untersuchte Sportler, die sich während luziden Träumen motorische Bewegungsabläufe aneignen.[12]

Einflussfaktoren[Bearbeiten]

Verschiedene Studien belegen unterschiedliche Faktoren, die in veränderlichem Maß Einfluss auf die Trauminhalte haben [13]. So nimmt der Einfluss von Erlebnissen im Wachzustand mit der Zeitspanne zwischen Erlebnis und Traum exponentiell ab, also sind Erlebnisse von vor beispielsweise fünf Tagen deutlich blasser als von vor zwei Tagen. Weiterhin kann die emotionale Beteiligung und die Art der letzten Wachtätigkeiten eine große Rolle spielen. Der Zeitraum zwischen Schlaf- und Traumbeginn kann sich auf die Zeitbezüge der Traumelemente auswirken. Träume in den ersten REM-Phasen enthalten meist aktuellere Bezüge als Träume der zweiten Schlafhälfte.

Neben den inneren Quellen des Trauminhalts können auch zeitgleich mit dem Traum auftretende äußere Reize einwirken. Diese werden über die menschlichen Sinnesorgane aufgenommen und entsprechend weiterverarbeitet. Als Reize können dabei beispielsweise Geräusche von vorbeifahrenden Autos, Weckerklingeln, ausgesprochene Worte, Lichteffekte durch das geschlossene Augenlid und körperliche Eindrücke (Hunger, Durst, Harndrang) in Frage kommen. Forschungsergebnisse lassen die Annahme zu, dass je nach Wichtigkeit des Eindrucks für den Menschen (z. B. nach Bedrohlichkeit) der entsprechende Reiz in den Traum eingearbeitet wird. Während sich die oben genannten Einflussfaktoren auf den Traum auswirken, kann sich der Traum auch auf körperliche Funktionen auswirken. Einen direkten Einfluss gibt es auf Augenbewegungen, Herz- und Atemfrequenz. Obwohl eine Korrelation nachweisbar ist, kann die Stärke und Form nicht klar bestimmt werden.

Traumerinnerung und Auswirkungen[Bearbeiten]

Menschen, die sich selten an Träume erinnern, berichten häufiger von Träumen, wenn sie während einer der REM-Phasen des Schlafes geweckt werden. Nielsen und Chenier berichten in einer Studie von 1999, dass 82 % der Studienprobanden, die während einer REM-Phase geweckt wurden, von einem Traum berichteten, während dies in 42 % der Fälle außerhalb einer REM-Schlafphase berichtet wurde.[14]

Die Varianz im Umfang der Traumerinnerung ist sowohl beim einzelnen Träumer als auch in der Menge groß. So berichten einzelne Träumer von einem bis mehreren Träumen in einer Nacht, während andere Menschen den Eindruck haben, als hätten sie kaum oder noch nie geträumt. Eine Studie, die den Einfluss der Variablen Persönlichkeitsfaktoren, Kreativität, Häufigkeit des nächtlichen Erwachens und Einstellung gegenüber Träumen auf die Traumerinnerung untersuchte, konnte keine Erklärung für die Varianz liefern.[15]

Surreale Bildsprache im Traum (Grandville, 1847)

In seinem Schlaflabor in Haifa untersuchte Peretz Lavie die Häufigkeit von Traumberichten während des REM-Schlafs in verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die Testpersonen wurden jeweils geweckt und befragt, wenn die Messgeräte REM-Schlaf anzeigten. Überlebende des Holocaust, die sich gut in das tägliche Leben eingegliedert hatten, erinnerten sich nur zu 33 % an einen Traum, die zweite Gruppe von Testpersonen, Überlebende des Holocaust, die immer noch an Albträumen litten und Schwierigkeiten hatten, erinnerten sich in 55 % der Fälle an einen Traum, während die Traumerinnerung in der Kontrollgruppe, bestehend aus in Israel geborenen Personen, mit 78 % nahe am Durchschnittswert lag. Eine Erklärung des Phänomens gibt es nicht. Lavie nimmt an, dass die Tiefe des Schlafs eine Rolle spielt.[16]

Es gibt einen geschlechtsspezifischen Unterschied in der Traumerinnerung. Frauen erinnern sich im Schnitt häufiger an das Traumerleben als Männer. Auch die einfache Aufforderung, sich an Träume zu erinnern oder das Führen eines Traumtagebuchs kann die Erinnerung an die erlebten Träume deutlich erhöhen.

Über die Auswirkungen von Träumen auf das spätere Wachleben gibt es kaum systematische Untersuchungen. Bisherige Studien zeigen jedoch, dass Albträume den stärksten Einfluss auf das subjektive Empfinden am Tag darauf haben. Bekannt sind auch kreative Anstöße, die aus nächtlichen Traumerlebnissen kommen.[17] Bekannt sind die Einflüsse in der Malerei (Surrealismus) und der Musik (z. B. Yesterday von den Beatles). Nicht eindeutig belegbar sind Beispiele aus der Wissenschaft. So soll August von Kekule von einer Schlange geträumt haben, die sich in den eigenen Schwanz beißt (Ouroboros). Damit fand er die Lösung für den ringförmigen Benzolaufbau. Auch sollen Dmitri Mendelejew (Periodensystem der Elemente) und Elias Howe (Nähmaschine) ihre Lösungen im Traum gefunden haben.

Traumtypen[Bearbeiten]

Traumtyp Beschreibung
REM-Traum Traum, der in einer REM-Phase des Schlafs auftritt
NREM-Traum Traum, der während einer der Schlafphasen 2, 3 oder 4 auftritt
Einschlaftraum Traum der (Ein-)Schlafphase 1. Ein typischer Einschlaftraum ist der Traum vom Fliegen.
Albtraum REM-Traum mit angst- und panikauslösendem Inhalt, wie Katastrophen, Sequenzen von Verfolgungen, soziale Bloßstellung, eigenem Tod etc. führt zum Erwachen.
Pavor nocturnus NREM-Traum, wird meist der Tiefschlafphase 4 zugeordnet und unterscheidet sich vom Albtraum. Der Pavor nocturnus tritt bei ca. 5 % der Kinder zwischen dem ersten und siebten Lebensjahr auf.
Posttraumatische Wiederholungen Nochmaliges Durchleben eines traumatisierenden Erlebnisses, im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Das Auftreten ist nicht an einzelne Schlafphasen gebunden.
Klartraum (Luzider Traum) Traum, in dem Bewusstheit über den Traumzustand herrscht. Trauminhalte können vom Träumer gesteuert werden. Klarträume können sowohl zu kreativen Zwecken als auch zur Forschung verwendet werden. Das im Buddhismus vorkommende Traumyoga basiert auf Klarträumen. Eine zum Klartraum befähigte Person wird Oneironaut genannt.
Tagtraum Hier: Traum im weiteren Sinne. Subjektiv kann die Unterscheidung zwischen Wachtraum und Nicht-Wachtraum schwerfallen. Absichtlich herbeigeführt ähnelt der Wachtraum einer Meditation und kann auch die erste Phase eines im Wachzustand eingeleiteten Klartraums sein. Unabsichtliches Auftreten hingegen kann auf Müdigkeit, (ggf. unausgelebter) Fantasie und in Extremfällen auch Realitätsflucht hinweisen. Der Klartraum wird manchmal auch als Wachtraum bezeichnet; dies wird allerdings z. B von Paul Tholey kritisiert.
Wahrtraum Im Wahrtraum sind „reale“ Ereignisse offensichtlich. Abhängig vom Zeit- und Ortsbezug wird in retrospektiver, prospektiver und telepathischer Wahrtraum unterschieden. Einige Aspekte der Phänomene können wissenschaftlich erklärt werden, andere sind Gegenstand esoterischer und parapsychologischer Diskussionen.

Funktion des Traums[Bearbeiten]

Prinzipiell muss bei der Frage nach der Funktion des Traums unterschieden werden, welche Funktion der REM-Schlaf hat und welche Funktion der REM-Traum im REM-Schlaf. Neuere Studien festigen die Hypothese, dass im REM-Schlaf eine Verfestigung des Gedächtnisses stattfindet. Ein Zusammenhang mit dem REM-Traum kann auf Basis einer Einzelstudie zwar hergestellt, eine Korrelation kann jedoch nicht belastbar belegt werden [18]. Die methodische Hürde, dass ein Traum nur abhängig vom Wachzustand untersucht werden kann, stellt (derzeit) eine unüberwindbare Schwierigkeit bei der Traumforschung dar.

Traum als Wunscherfüllung (Der Traum der Nonne, Karl Pawlowitsch Brjullow, 19. Jh)

Weitere Hypothesen über die Funktion des Traums:

  • Überbleibsel aus der Evolution, also keine Funktion,
  • Gehirnreifung durch den REM-Schlaf (als Beleg dient der erhöhte REM-Anteil beim Neugeborenen),
  • Programmierung mit immer gleichen Mustern, um Individualität aufrechtzuerhalten,
  • psychische Funktion: Für Sigmund Freud ist jeder Traum Wunscherfüllung und Hüter des Schlafs, um Es-Impulse zu kontrollieren,
  • Kompensation von Einseitigkeiten, um Ganzwerdung zu erreichen (C. G. Jung), Vorkommen von Archetypen,
  • Träumen, um zu vergessen (Bereinigungsfunktion),
  • Verarbeitung und Lösen von Problemen aus dem Wachleben,
  • emotionale Erlebnisse verarbeiten und Stimmungen glätten,
  • Entspannungszustand zur Verarbeitung von angstbesetzten Inhalten,
  • Schaffung von kreativeren Lösungsansätzen als im Wachen.

Neben diesen „materiellen“ Hypothesen hinaus existieren Ideen, dass der Geist im Traum den Körper verlässt. Siehe auch außerkörperliche Erfahrungen.

Rolle der Träume im Laufe der Geschichte[Bearbeiten]

Traum als religiöses Erlebnis: Der Traum des Hl. Martin von Tours (Simone Martini, 1322-1326)

Bereits in der mesopotamischen Kultur dienten Traumhauch-Hütten neben den Tempeln als Traumfänger-Orte zur Zukunftsvorausschau und Omendeutung. In Delphi in Griechenland und Memphis interpretierten Priesterinnen die Träume der Pilger.[19]

Im Alten Testament spielen Träume und ihre Interpretation daher eine ebenso wichtige Rolle. So bei Jakobs Entscheidungen (1. Mose 28,12 f. und 31,10 f. sowie 37,5 ff.). Am bekanntesten sind die Traumdeutungen Josefs in Ägypten, insbesondere der Traum von den sieben fetten und den sieben mageren Jahren (1. Mose 40,9 ff) und die Daniels für Nebukadnezar (viergeteiltes Standbild mit tönernen Füßen).

Bei den Indianern Nordamerikas wurde Traumvisionen ebenfalls eine große Bedeutung zugemessen, unter anderem bei der Berufung zum Medizinmann und der Ausführung von Ritualen, wie aus den Erinnerungen des Oglala-Sioux Schwarzer Hirsch ersichtlich wird.[20]

Im mittelalterlichen und spätmittelalterlichen Abendland erfolgte die Fortführung der antiken Tradition durch die Verbreitung sogenannter Traumbücher.[21][22]

Im 19. Jahrhundert ging man in Europa dagegen davon aus, dass Träume nur Ausdruck körperlicher Zustände seien, was Alfred Maury mit seinen Experimenten zu beweisen versuchte. Allerdings handelt es sich in seinem Fall nach Ansicht der Traumforscher nicht um Träume, sondern um Halluzinationen in der Einschlafphase.[23]

Träume bei Tieren[Bearbeiten]

Fast alle Säugetiere, Vögel und auch manche Reptilien zeigen Phasen von REM-Schlaf und träumen somit höchstwahrscheinlich. Hunde und Katzen bewegen beispielsweise ihre Pfoten so, als würden sie laufen, äußern arteigene Laute und/oder zeigen lebhafte Mimik. Dabei verarbeiten sie möglicherweise Erinnerungen, die sich jedoch keineswegs auf den vorangegangenen Tag beschränken (zu beobachten z. B. bei alten oder invaliden Tieren). Es wurden auch Versuche an Ratten durchgeführt, die zeigen, dass die Gehirnaktivität, die sie bei einer Futtersuche zeigen, in der darauf folgenden Schlafphase ganz ähnlich wiederkehrt. Einige wenige Säugetiere wie die Ameisenigel oder die Delfine haben keinen REM-Schlaf.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur zur Traumforschung[Bearbeiten]

  • Klaus-Uwe Adam: Therapeutisches Arbeiten mit Träumen - Theorie und Praxis der Traumarbeit. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2000, ISBN 3-540-66786-5
  • Pamela Ball: 10.000 Träume. Traumsymbole und ihre Bedeutung von A bis Z, (orig. 10.000 Dreams, 1995) Mosaik, 1996, ISBN 3-442-39049-4.
  • Bernard Dieterle, Manfred Engel (Hrsg.), The Dream and the Enlightenment / Le Rêve et les Lumières. Paris: Honoré Champion 2003, ISBN 2-7453-0672-3.
  • Manfred Engel, "Jeder Träumer ein Shakespeare? Zum poetogenen Potential des Traumes". In: Rüdiger Zymner/Manfred Engel (Hg.), Anthropologie der Literatur. Poetogene Strukturen und ästhetisch-soziale Handlungsfelder. Paderborn 2004 (Poetogenesis. Studien und Texte zur empirischen Anthropologie der Literatur), S. 102-117.
  • Manfred Engel: "Kulturgeschichte/n? Ein Modellentwurf am Beispiel der Kultur- und Literaturgeschichte des Traumes". In: KulturPoetik 10 (2010), S. 153-177.
  • Ann Faraday: Positive Kraft der Träume, 1996 (orig.: Dream Power, 1972), ISBN 3-8112-1376-8.
  • Holger Bertrand Flöttmann: Träume zeigen neue Wege - Systematik der Traumsymbole. Verlag BOD, Norderstedt, 3. erw. Aufl., 2009, ISBN 978-3-8370-2088-5
  • Michel Jouvet: Das Schloß der Träume, Rowohlt, 1995, ISBN 3-499-13473-X.
  • Peretz Lavie: Die wundersame Welt des Schlafes. Entdeckungen, Träume, Phänomene, Dtv, 1999, ISBN 3-423-33048-1
  • Stephan Matthiesen, R. Rosenzweig (Hrsg.): Von Sinnen. Traum und Trance, Rausch und Rage aus Sicht der Hirnforschung. mentis Verlag 2007, ISBN 978-3-89785-572-4
  • Hans Ulrich Reck: Traum. Enzyklopädie, Wilhelm Fink Verlag, München 2010 ISBN 978-3-7705-4396-0
  • Rainer Schönhammer. Fliegen, Fallen, Flüchten. Psychologie intensiver Träume. dgvt-Verlag, Tübingen, 2004. ISBN 3-87159-051-7.
  • Paul Tholey, Kaleb Utrecht:Schöpferisch Träumen, Falken Verlag Niedernhausen 1987, ISBN 3-8068-4258-2
  • Edward C. Whitmont, Sylvia Brinton Perera: Träume, eine Pforte zum Urgrund, Burgdorf Verlag Göttingen 1992, ISBN 3-922345-70-0
  • Edward C. Whitmont: Der Traum in der homöopathischen Praxis. Burgdorf Verlag Göttingen 1998, ISBN 3-922345-98-0.
  • Michael H. Wiegand (Hrsg.): Schlaf & Traum: Neurobiologie, Psychologie, Therapie. Schattauer, Stuttgart 2006, ISBN 3-7945-2386-5.
  • Michael Schredl: Traum. UTB Ernst Reinhard Verlag, München, 2008, ISBN 978-3-8252-3005-0
  • Frank Stahlhoff: Nachtwandel in Anthropologie und Literatur im 18. Jahrhundert: diskursives Schrifttum und medizinische Beschreibungsliteratur. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller, 2008, ISBN 978-3-8364-7990-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Traum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Traum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Traum – Zitate
 Wikisource: Traum – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. vgl. Häcker H.O./Stapf K.-H.: Dorsch Psychologisches Wörterbuch. Verlag Hans Huber, Bern, 2009
  2. Jerome Siegel: REM sleep, Functions of [1]Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehltVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter It is difficult to believe that this physiological state does not have some vital survival role. There is no general agreement among sleep researchers about the function of REM sleep.
  3. Hobson, J.A. & McCarley, R.W. (1977): The brain as a dream-state generator: An activation-synthesis hypothesis of the dream process. American Journal of Psychiatry, 134, S. 1335-1348.
  4. Hobson, J. A., Pace-Schott, E. F. & Stickgold, R. "Dreaming and the brain: toward a cognitive neuroscience of conscious states." Behav. Brain Sci., 23, S. 793–842
  5. Peretz Lavie: Le monde du sommeil. Paris: Odile Jacob, 1998, p.91 (dt. Die wunderbare Welt des Schlafs)
  6. Lavie, p. 100
  7. Lavie, p. 107-110
  8. Michel Jouvet: Pourquoi rêvons-nous? Pourquoi dormons-nous? Où, quand, comment? Paris: Odile Jacob, 2000, p. 94
  9. Lavie p. 109
  10. Erste Studie hierzu: Stephen LaBerge: "Lucid Dreaming as a Learnable Skill: A Case Study", veröffentlicht in "Perceptual and Motor Skills" 1980 51.3f
  11. Stephen LaBerge, et al.: "Lucid dreaming verified by volitional communication during REM sleep", veröffentlicht in "Perceptual and Motor Skills" 1981, 52.3
  12. Traumhaft trainieren [2] Erscheinungsdatum 27. Oktober 2013, Abgerufen am 19. Februar 2014
  13. Schredl, M. (2003): Continuity between waking and dreaming: A proposal for a mathematical model. In: Sleep and Hypnosis, 5, 38-52. Link
  14. Nielsen TA, Chenier V.: Variations in EEG coherence as an index of the affective content of dreams from REM sleep: relationships with face imagery in Brain Cogn. 1999 Nov;41(2):200-12.
  15. Schredl, M., Wittmann, L., Ciric, P., & Götz, S. (2003): Factors of home dream recall: a structural equation model. Journal of Sleep Research, 12, 133-141. Link
  16. P. Lacie, p. 103-107
  17. Schredl, M. & Erlacher, D. (2004): Träume und Kreativität. ZI Information aktuell, 27. Link
  18. De Koninck, J., Prévost, F., Lortie-Lussier, M.: Vertical inversion of the visual field and REM sleep mentation.Journal of Sleep Research (1996) 5, 16-20. Link
  19. P. Lavie, p. 85
  20. Schwarzer Hirsch: Ich rufe mein Volk. Originaltitel: Black Elk speaks
  21. Nigel F. Palmer und Klaus Speckenbach: Träume und Kräuter. Studien zur Petroneller 'Circa instans'-Handschrift und zu den deutschen Traumbüchern des Mittelalters, Köln und Wien 1990 (= Pictura et poesis. Interdisziplinäre Studien zum Verhältnis von Literatur und Kunst, 4)
  22. Paul Diepgen: Traum und Traumdeutung als medizinisch-naturwissenschaftliches Problem im Mittelalter, Berlin 1912
  23. P.lLavie, p. 91