Njoya

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zu weiteren Personen dieser Familie siehe Seidu Njimoluh Njoya und Ibrahim Mbombo Njoya.
Njoya, König von Bamoun

Njoya, seltener auch: Njoja, Njoya Ibrahim († 1933) war von 1894 bis 1933 Sultan des Königreiches Bamum des Bamum-Volkes im Westen des heutigen Kamerun.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Tode seines Vaters Nsangou 1885 bemächtigte sich zunächst sein Onkel Nzi Monkuob des Throns, den Njoya aber durch ein Bündnis mit den Fulbe stürzen konnte. Nzi Monkuob durfte aber weiterhin als königlicher Berater fungieren.[1]

König Njoya erhält ein Ölgemälde mit dem Porträt des Kaisers Wilhelm als Geschenk.

Seit die deutschen Kolonisatoren nach der Inbesitznahme Kameruns tiefer ins Landesinnere vorstießen, entwickelte der junge König Njoya ein starkes Interesse für die Kultur des neuen „Mutterlandes“. Er begrüßte die Deutschen mit großen Feierlichkeiten in seiner Residenzstadt Foumban, was ihm bald den Titel eines offiziellen Statthalters des deutschen Gouvernements einbrachte.

König Njoya bemühte sich zeit seines Lebens um ein gutes Verhältnis zum deutschen Kaiserreich, was er auch 1908 unterstrich. Zum Geburtstag Kaiser Wilhelms II. hatte er dem Gouverneur in Buea seinen Thron als Geschenk für den Monarchen überreicht. Dieser war über den Gunstbeweis Njoyas sehr erfreut und ermöglichte Felix von Luschan, dem Direktor des Berliner Museums für Völkerkunde, den afrikanischen Königsthron, der in größter Kunstfertigkeit mit gefärbten Perlen besetzt worden war, auszustellen. Bis heute ist der Thron im Ethnologischen Museum in Berlin zu sehen.[2]

König Njoya auf seinem Perlenthron (Januar 1912)

Im Gegenzug schickte Wilhelm II. für seinen „königlichen Bruder“, wie er sich ausdrückte, eine deutsche Kürassier-Uniform der Kaiserlichen Garde. Ebenso wie ein Ölgemälde Wilhelms II. wird die Uniform heute im Palast-Museum zu Foumban ausgestellt.[2]

Njoya war davon überzeugt, dass deutsche und Bamun-Kultur zu vereinbaren sind. In Zusammenarbeit mit der deutschen Verwaltung ließ er Schulen errichten, an denen die Bamun-Kinder die Kenntnisse ihrer Muttersprache erweitern und darüber hinaus die von Njoya eingeführte Bamun-Schrift erlernen konnten, aber auch Grundkenntnisse der Deutschen Sprache weitergegeben wurden.[3] Die Technik der Deutschen hielt auch in der Nahrungsverarbeitung Einzug, was die Einführung einer handbetriebenen, mechanischen Getreidemühle verdeutlicht.

1917 ließ König Njoya den alten, in traditioneller Holzbauweise errichteten Palast abreißen und an seiner Stelle eine neue Residenz im preußischen Backsteinstil bauen.

Ein Jahr zuvor hatte die französische Besatzungsmacht die Kontrolle über Deutsch-Kamerun übernommen, wodurch das Königreich Bamun seine Teilautonomie vollends verlor. Da Njoya trotz seiner formellen Absetzung durch Frankreich bis 1931 in Foumban residierte, erhielt er sich bis dahin de facto die Rolle des Königs. Doch deshalb schickte man ihn im selben Jahr nach Yaounde ins Exil, wo er 1933 im Alter von 66 Jahren verstarb.[4] Sein Nachfolger wurde Seidu Njimoluh Njoya.

Wegen seiner großen Verdienste um die Bamun wird er bis heute von seinem Volke sehr verehrt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Christraud M. Geary, Adamou Ndam Njoya: Mandu Yenu: Bilder aus Bamum, einem westafrikanischen Königreich. 1902-1915. Trickster-Verlag, München 1985, ISBN 3-923804-08-3.
  • Eugène Désiré Eloundou, Arouna Ngapna: Un souverain bamoun en exil: Le roi Njoya Ibrahima à Yaoundé, 1931 - 1933. L'Harmattan, Paris 2011, ISBN 978-2-296-54594-6.
  • Denys Ferrando-Durfort, Text, Bernard Johner, Illustrationen: Njoya, the Reformer. EdiSavana, Yaounde, Kamerun, ISBN 2-7027-0404-2.
  • Christraud M. Geary: The Voyage of King Njoya's Gift: A Beaded sculpture from the Bamun Kingdom, Cameroon, in the National Museum of African Art, Smithsonian Institution. University of Washington Press, Seattle, Washington, USA 1994, ISBN 0-295-97428-1.
  • Alexandra Loumpet-Galitzine: Njoya et le royaume bamoun: Les archives de la Société des Missions Évangéliques de Paris. 1917-1937., Texte durch die Verfasserin ausgewählt und mit Bemerkungen versehen. Èditions Karthala, Paris 2006, ISBN 2-84586-786-7.
  • Adamou Ndam Njoya: Njoya. Réformateur du royaume bamoun. Éditions ABC, Paris 1978, ISBN 2-85809-101-3.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Günter Bernhardt: Die Ferne im Blick - Westfälisch-lippische Sammlungen zur Fotografie aus Mission und Kolonien. Herausgegeben durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 2006, ISBN 3-927204-65-X, S. 146.
  2. a b Joachim Zeller: Kunstwerke aus deutschen Kolonien im Ethnologischen Museum. In: Joachim Zeller, Ulrich Van der Heyden: Kolonialmetropole Berlin - Eine Spurensuche. Berlin-Edition, Berlin 2002, ISBN 3-8148-0092-3, S. 281ff.
  3. John Iliffe: Geschichte Afrikas. 2. Auflage. Verlag C.H. Beck, 2003, ISBN 3-406-46309-6, S. 301.
  4. Die Grosse Leistung eines Königs. In: Erwachet! Dezember 2007, S. 26-27.
Vorgänger Amt Nachfolger
Nsangou Fon des Königreiches Bamum
1894 bis 1933
Seidu Njimoluh Njoya

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Njoya – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien