Theodor Seitz

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Gouverneur Seitz

Theodor Seitz (* 12. September 1863 in Seckenheim, Baden; † 28. März 1949 in Baden-Baden) war ein deutscher Kolonialpolitiker.

Leben[Bearbeiten]

Seitz studierte Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg, wo er 1884 Mitglied der Burschenschaft Vineta wurde.[1] Er promovierte zum Dr. jur. Nach der Berufung in den Auswärtigen Dienst in Berlin im Jahr 1894 wurde er 1895 im Schutzgebiet Kamerun als Kanzler des Gouverneurs eingesetzt und wurde Bezirksamtmann des Bezirks Duala. Am 9. Mai 1907 wurde er Gouverneur von Deutsch-Kamerun, ab dem 27. August 1910 von Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) in Windhuk.

Seine Amtszeit in Kamerun war durch die letzten großen militärischen Auseinandersetzungen der Kolonialmacht mit den indigenen Gesellschaften des Südostens (Makaa, Omvang) geprägt. Im Übrigen setzte er die die Pflanzungswirtschaft begünstigende Wirtschaftspolitik seines Vorgängers Jesko von Puttkamer fort und folgte den Vorgaben des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Bernhard Dernburg, zu einer „rationellen Eingeborenenpolitik“, welche die indigenen Gesellschaften vor der Ausbeutung und Verdrängung durch deutsche Kaufleute in Schutz nahm, zugleich aber auch die Afrikaner als billige Arbeitskräfte für eigene Zwecke (Bahnbau, Plantagenwirtschaft) auszunutzen trachtete. In diesem Zusammenhang geriet er wiederholt in Gegensatz zu den Kaufleuten, insbesondere des Südbezirks (Handelskammer von Kribi).

In Südwestafrika konnte er keine großen Akzente mehr setzen. Mit der Kapitulation der deutschen Truppen und seiner Gefangennahme im Juli 1915 ging dort die deutsche Kolonialherrschaft zu Ende. 1919 erfolgte seine Ausweisung aus Windhuk durch die Briten.

Nach dem Ersten Weltkrieg engagierte sich Seitz weiter für den kolonialen Gedanken und betätigte sich publizistisch. Ab 1920 war er Präsident und ab 1930 Ehrenpräsident der Deutschen Kolonialgesellschaft.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus J. Bade: Seitz, Theodor, in: Badische Biographien. Neue Folge 2. Stuttgart 1987, S. 258 f.
  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 5: R–S. Heidelberg 2002, S. 413–414.
  • Ralph Erbar: Seitz, Georg Friedrich Theodor. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 207 f. (Digitalisat).
  • Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 4: S. Herausgegeben vom Auswärtigen Amt, Historischer Dienst, Bearbeiter: Bernd Isphording, Gerhard Keiper, Martin Kröger. Schöningh, Paderborn u. a. 2012, ISBN 978-3-506-71843-3, S. 249f.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 5: R–S. Heidelberg 2002, S. 413.