Nordstadt (Hildesheim)

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52.164489.95127100Koordinaten: 52° 9′ 52″ N, 9° 57′ 5″ O

Nordstadt
Höhe: 100 m
Postleitzahl: 31137
Vorwahl: 05121
Karte

Lage der Nordstadt in Hildesheim

Die Nordstadt ist ein Stadtteil in der niedersächsischen Stadt Hildesheim. Zusammen mit dem Stadtteil Steuerwald bildet er eine von 14 Ortschaften der Stadt.

Lage und Gliederung[Bearbeiten]

Die Hildesheimer Nordstadt liegt am nördlichen Stadtrand der Stadt Hildesheim. Das Gebiet Nordstadt wird begrenzt[1], durch

  • die Eisenbahn im Süden (ergänzt um den Langen Garten, die Stadtwerke und den Pferdeanger),
  • die Innerste im Westen (ergänzt um Teile des Mastbergs),
  • die Gemeindegrenze zu Giesen und Harsum im Norden und
  • einer gedachten Linie um den Flugplatz herum und entlang der B6 sowie des Kennedydamms im Osten.


Das Gebiet gliedert sich in folgende Teilflächen:

  • Die Naturflächen östlich der Innerste, zuzüglich der westlich der Innerste gelegenen Teile des „NSG Mastberg und Innersteau“[2]
  • Der Hildesheimer Hafen mit den angrenzenden Gewerbeflächen sowie der Kläranlage
  • Die Landwirtschaftsflächen nördlich des Flugplatzes, welche für den geplanten „Interkommunalen Gewerbepark Nord“ vorgesehen sind [3]
  • Der Flugplatz Hildesheim mit dem zugehörigen Gewerbegebiet „Nord“
  • Der Nordfriedhof
  • Die Siedlungsfläche nördlich des Bahnhofs und entlang der Steuerwalder Straße
  • Die Industrie- und Gewerbefläche zwischen der Innersteau und den o.a. Siedlungsflächen
  • Weitere Teilflächen sind die Gewerbeflächen "Langer Garten" und die Siedlungsflächen „Am Pferdeanger“ sowie Steuerwald, der Volksfestplatz „Vor der Lademühle“ und die Kleingartenanlagen in der Innersteau und entlang der B6.

Geschichte[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

Fast alle heute in der Nordstadt stehenden Gebäude stammen aus der Zeit nach 1860. Von der Besiedlung in der Zeit davor sind lediglich Gebäude auf Gut Steuerwald erhalten geblieben. Älteste urkundlich belegte (1135) Siedlung im Bereich der Stadt Hildesheim war das Alte Dorf im Gebiet auf und nördlich des heutigen Hauptbahnhofes, von der sich vermutlich der Stadtname Hildesheims ableitet.[4] Da aus militärischen Gründen Gebäude vor den Toren der Stadt kaum geduldet wurden[5], war auch der Bereich der Nordstadt kaum besiedelt. Folgende Siedlungen und Gebäude sind in der Zeit bis 1840 nachgewiesen:

  • Dorf Essem im Bereich des heutigen Hafens, Wüstung nach Gründung von
  • Burg und Siedlung Steuerwald (1310), mit Gaststätte und Hotel „Haus Steuerwald“[6]
  • Lademühle (1321)[6]
  • Posthof (1641)[6]

Nach 1840 bis zum 2. Weltkrieg ist die Geschichte der Nordstadt durch die Industrialisierung geprägt. Durch den Bau der Eisenbahn und des Bahnhofs siedelten sich Industrie und Gewerbe an, u.a. Zuckerraffinerie (1883)[7], Schlachthof (1890)[8], „Hildesheimer Sparherdfabrik“ Senking (1901)[9] Chemische Fabrik „Ammonia“ (1904, geschlossen 1909)[10] . Durch die Verlegung des Bahnhofes von der Kaiserstraße an den heutigen Platz (1884)[11] entstehen an den Straßen nach Peine und Hannover Wohnbebauung und kleinere Betriebe wie die Glashütte Seegers & Mellin (1882)[12] und die Maschinenfabrik Gebrüder Ernst[13] .

Die wachsende Stadt benötigt einen neuen Friedhof (1890, „Zentralfriedhof“, heute Nordfriedhof)[14], bald folgt der Jüdische Friedhof (1892)[15].

Durch wachsende Industrie, u.a. Senking (1921 ca. 2500 Beschäftigte) und Vereinigte Deutsche Metallwerke (VDM, heute KSM-Castings)[16], schnell wachsende Wohnbebauung nördlich des Gründerzeit Quartiers und „Fliegerviertels“[17] .

Es folgt der Bau des Flugplatzes (1927)[16] und des Hafens (1928)[18] .

Während des 2. Weltkrieges waren die Industriebetriebe als Rüstungsbetriebe tätig und beuteten Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus, Es wurden Lager auf dem heutigen Volksfestplatz („Vor der Lademühle“) und an der Münchewiese errichtet. Die Industrieanlagen wurden zum Ende des Krieges, insbesondere beim Bombenangriff vom 14. März 1945, zerstört, viele Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene noch in den letzten Kriegstagen ermordet. Durch den großen Bombenangriff vom 22. März 1945 entstanden dagegen nur geringere Schäden an der Wohnbebauung.[16]

Der Posthof[Bearbeiten]

Der Posthof an der Steuerwalder Straße (heute Hausnummer 60) wurde 1641 von Rütger Hinüber begründet. Mit dem weit vor den Toren der Stadt gelegenen Gebäude bot er der Post und spät ankommenden Reisenden ein Herberge. Schon 1673 musste der Postbetrieb eingestellt werden. Es folgte eine Reihe von Eigentümern und Umbauten, die zu dem auf historischen Postkarten dargestellten „Gasthof zum Posthof“ um 1900 führten. Der Tanzsaal brannte 1930 ab und wurde 1933 neu in der heutigen Form erbaut und unter dem Namen „Nord-Kasino“ eröffnet. Durch Bombentreffer wurde das Innere zerstört und nach dem Krieg zum Kino umgebaut. Von 1986 bis 1996 hatte dann die Diskothek Bebop, die von 1976 bis 1985 ihr Domizil am Rottsberg hatte, dort ihren Sitz. Heute steht das Gebäude leer.[19]

Politik[Bearbeiten]

Bei den Kommunalwahlen in Hildesheim im Jahr 2011, erhielten die Parteien und Wählergruppen, die für den erstmals gewählten Ortsrat der Hildesheimer Nordstadt antraten, folgende Stimmenanteile:

Grüne: 47,3 %; CDU: 29,0 %; Bündnis! (= Bündnis! für Hildesheim): 17,5 % und die FDP: 6,2 %.

Der Ortsrat besteht aus 11 Sitzen, von denen jedoch nur 9 Vertreten sind

  • GRÜNE: 3 Sitze (2 Sitze mangels Kandidaten vakant)
  • CDU: 3 Sitze
  • Bündnis!: 2 Sitze
  • FDP: 1 Sitz

Ortsbürgermeister ist Ekkehard Domning (GRÜNE), stellvertretende Ortsbürgermeisterin ist Karin Hauk (CDU), stellvertretender Ortsbürgermeister ist Holger Bock (Bündnis!)(Wahlperiode vom 1. November 2011 bis zum 31. Oktober 2016).[20]

Bildung[Bearbeiten]

  • Ganztagesgrundschule Nord[21]
  • Grundschule Johannes[22]
  • Städtische Kindertagesstätte in der Martin-Luther-Straße[23]
  • Städtische Kindertagesstätte Nordlicht[24]
  • Robert-Bosch-Gesamtschule (Hildesheim)
  • Berufsbildende Schule Walter Gropius[25]
  • Berufsbildende Schule Herman-Nohl, Regionales Kompetenzzentrum für Gesundheits- und Sozialberufe des Landkreises Hildesheim[26]

Kirchen[Bearbeiten]

  • katholische Kirche St. Johannes Evangelist
  • evangelische Martin-Luther-Kirche[27]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Franz August Hagemann (1798-1858), Justizrat, 1835 Ehrenbürger der Stadt, seit 1848 Direktor der Justizkanzlei in Hildesheim, nach ihm wurde 1906 die Hagemannstraße in der Nordstadt benannt
  • Georg August Kuckuck (1767-1841), Generalmajor und Stadtkommandant von Hildesheim, 1829 Gründer der Taubstummenanstalt in der Stadt, 1834 Ehrenbürger von Hildesheim, nach ihm wurde 1905 die Kuckuckstraße in der Nordstadt benannt
  • Friedrich Nämsch (1909-1992), gebürtiger Nordstädter, Oberbürgermeister der Stadt Hildesheim 1964-1968 und 1972-1975, 1981 Ehrenbürger der Stadt, nach ihm wurde der Friedrich-Nämsch-Park in der Nordstadt benannt
  • Professor Doktor Med Francesca W.(1867-1932), Ärztin in Nordstadt, die sozialschwachen Kindern half. Sie starb an einer Schussverletzung.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liste der Hildesheimer Stadtteile, Internetseiten der Stadt Hildesheim, abgerufen am 14. Oktober 2014.
  2. Karte TextNSG-HA 134 „Mastberg und Innersteaue.pdf“, von hildesheim.de, abgerufen am 14. Oktober 2014.
  3. Rahmenplan des „Interkommunalen GewerbeparksNord“, abgerufen am 14. Oktober 2014.
  4. Johannes Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim, Band 1, 1922, Seite 14, Datensatz DNB
  5. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, herausgegeben von Günter Hein, Hildesheim:Gerstenberg, ISBN 3-8067-8560-0, (Datensatz DNB), S. 18
  6. a b c Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 19
  7. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 115ff
  8. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 133
  9. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 86
  10. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 129ff
  11. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 20
  12. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 101
  13. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 21
  14. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 201
  15. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 9
  16. a b c Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 22
  17. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 25
  18. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 150
  19. Andrew Stuart Bergerson: Die Welt hinter der Bahn - Auf der Spurensuche in der Hildesheimer Nordstadt, ..., S. 58ff
  20. Ortsrat Nordstadt, auf sitzungsdienst-hildesheim.de, abgerufen am 27. März 2014 um 21:05 Uhr.
  21. Internetseite der Ganztagesrundschule Nord, Webpräsenz der Stadt Hildesheim.
  22. Internetseite der Ganztagesgrundschule Johannes, Webpräsenz der Stadt Hildesheim.
  23. Internetseite des Familienzentrums Maluki, Webpräsenz der Stadt Hildesheim.
  24. Internetseite der Kindertagesstätte Nordlicht, Webpräsenz der Stadt Hildesheim.
  25. Webpräsenz der BBS Walter Gropius
  26. Webpräsenz der Herman-Nohl-Schule
  27. Webpräsenz der Martin-Luther-Kirche in der Nordstadt