Nunatak

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Dieser Artikel erläutert einen glaziologischen Begriff; zur gleichnamigen Musikgruppe siehe Nunatak (Band).
Nunataks nahe der Ostküste Grönlands
Nunataks der Osborn Range auf der Ellesmere-Insel

Nunatak (Inuktitut und Kalaallisut: Nunataq, Mehrzahl Nunatait oder Nunatakker) bezeichnet in der Glaziologie einen isolierten, über die Oberfläche von Gletschern und Inlandeismassen aufragenden Felsen oder Berg. Dieser Felsen ist somit von einem Eisstromnetz umgeben. Meist finden sich Nunataks an den Rändern von Eisschilden. Seltener wird der Begriff Nunatak aber auch allgemein für eisfreie, von Gletschern umgebene Gebiete (wie heute die Antarktischen Trockentäler, während der Eiszeiten beispielsweise tief gelegene Regionen von Baffin Island und Labrador) und nicht ausschließlich für Erhebungen verwendet.[1]

Nunataks während der Eiszeiten[Bearbeiten]

Die „Nunatakhypothese“ geht davon aus, dass in den während der Eiszeiten vereisten Gebieten Nunataks wichtige Rückzugsgebiete (Refugien) für viele Tier- und Pflanzenarten bildeten. Diese „Inseln“ im Eis spielten dieser Theorie zufolge eine wichtige Rolle beim Überleben von Pflanzenarten wie dem Himmelsherold, Dolomiten-Fingerkraut, Schweizer Mannsschild oder der Alpen-Grasnelke. Mittlerweile geht man davon aus, dass Nunataks beim Überleben dieser Arten von geringer Bedeutung waren und diese die Kaltzeiten an anderen Orten überdauerten.[2] Die ehemals vergletscherten Gebiete wurden demzufolge von außen vollkommen neu besiedelt („Tabula-rasa-Hypothese“).[3] Für die Entwicklung der Vegetation Nordeuropas wird bis heute diskutiert, ob einige Regionen an der Westküste Norwegens, insbesondere Fjells um den mittleren Sognefjord sowie nördlich des Polarkreises bis in die Finnmark eisfreie Refugialgebiete gewesen sein könnten, um die Existenz in Norwegen endemischer Mohnarten oder das lokale Auftreten von Arten wie Rhododendron lapponicum und Carex scirpoidea zu erklären, deren nächste Areale in Grönland und Nordamerika liegen.[4]

Ferner werden heute die dieser Hypothese zugrunde liegenden Eisdicken angezweifelt: Häufig wird versucht, anhand der Spuren, die eiszeitliche Gletscher an den von ihnen umflossenen Nunataks hinterlassen hatten, die ehemaligen eiszeitlichen Eisdicken zu bestimmen. Diese Methode wird heute als unzuverlässig angesehen, da sich aufgrund postglazialer Verwitterung Spuren des Eises in den Gipfelregionen nur schlecht erhalten.[2] Darüber hinaus können nach neueren Erkenntnissen präglaziale Verwitterungserscheinungen wie Blockfelder, die lange als Anzeichen fehlender Vergletscherung galten, auch lange Eisbedeckung überdauern.[5][6] Es muss daher davon ausgegangen werden, dass die eiszeitlichen Eisschilde dicker waren als aufgrund dieser Erscheinungen angenommen und viele vermeintliche ehemalige Nunataks in Wirklichkeit vollständig vom Eis überdeckt waren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Eilif Dahl: The Nunatak Theory Reconsidered. Research in Arctic Life and Earth Sciences. Present Knowledge and Future Perspectives: Proceedings of a Symposium Held 4-6 September, 1985, at Abisko, Sweden. In: Mats Sonesson, Naturvetenskapliga forskningsrådet, Forskningsrådsnämnden (Hrsg.): Ecological Bulletins. Nr. 38, Blackwell Publishing, Abisko 1987, ISBN 8716100344, S. 77-95 (http://books.google.at/books?id=en21p_xzBtMC&printsec=frontcover, abgerufen am 18. November 2008).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatR. J. Rogerson: Nunatak. The canadian Encyclopedia, abgerufen am 18. November 2008.
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatNunatak. Encyclopaedia Britannica, abgerufen am 17. November 2008 (englisch).
  3. Dahl, S.77
  4. Klaus Dierßen: Vegetation Nordeuropas. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1996. S. 59–63.
  5.  Håvard Juliussen, Ole Humlum: Preservation of block fields beneath Pleistocene ice sheets on SØlen and Elgåhogna, central-eastern Norway. In: Zeitschrift für Geomorphologie. 51, Nr. 2, E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, November 2002, ISSN 1864-1687, S. 113–138, doi:10.1127/0372-8854/2007/0051S2-0113 (Abstract, abgerufen am 18. November 2008).
  6.  George H. Denton, Terence J. Hughes: The Last Great Ice Sheets. John Wiley & Sons, New York 1981, ISBN 0-471-06006-2, S. 292–293.