Glaziologie

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Die US-amerikanische Forschungsstation Camp Raven im grönländischen Inlandeis.

Glaziologie ist die Wissenschaft von Formen, Auftreten und Eigenschaften von Eis und Schnee samt ihren Ausformungen als Gletscher, Permafrost und Schelfeis. Sie entstand im 19. Jahrhundert in der Schweiz als Gletscherkunde.

Fachdisziplinen[Bearbeiten]

Eigergletscher, 1875–2006, kumulierter Zuwachs/Schwund und jährliches Wachstum

Die Glaziologie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die mehrere Geo- und Biowissenschaften berührt:

Gleichzeitig ist sie eine der wichtigsten Disziplinen der Polarforschung und eine Datenquelle der Klimatologie.
Die Anwesenheit von Eis auf dem Mars und auf verschiedenen Monden der Planeten unseres Sonnensystems gibt dieser Wissenschaft auch eine extraterrestrische Komponente.

Einzelgebiete dieser Wissenschaft umfassen:

In Deutschland ist das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven ein führender Vertreter der Glaziologie, daneben die Kommission für Glaziologie in München (Bayerische Akademie der Wissenschaften), und in der Schweiz die ETH Zürich. In Österreich sind es die Universität Innsbruck, die Universität Salzburg und der Alpenverein. Einige Innsbrucker Institute erstellen mit dem OeAV-Gletschermessdienst den jährlichen Gletscherbericht. In zahlreichen anderen Ländern wird das Fachgebiet ebenfalls durch Forschungsinstitute bearbeitet.

Geschichte[Bearbeiten]

Arktische Eisdicke, 1950/2050

Die „Wiege der Glaziologie“ stand auf dem Unteraargletscher im Berner Oberland. Dort führte der Geologe Franz Joseph Hugi seine ersten Studien durch. 1840 entstand dort unter Louis Agassiz eine erste „Forschungsstation“ unter einem Felsblock, das Hotel des Neuchatelois. Dokumentationen der Zustände einzelner Gletscher werden im Bereich der Alpen seit über hundert Jahren gesammelt.

Am 21. August 1902 gelang es den Gletscherforschern Adolf Blümcke und Hans Hess am Hintereisferner im Ötztal, nach vielen misslungenen Versuchen erstmals ein Bohrloch, 153 m tief, bis auf den Grund des Gletschers zu treiben. Die sich auf mehrere Tausend Mark belaufenden Kosten der Unternehmung wurde vom Deutschen und Österreichischen Alpenverein getragen.[1]

Der Begriff Eiszeit wurde im Jahre 1837 von Karl Friedrich Schimper eingeführt.

Siehe auch: Gletscherschwund, Globale Erwärmung, Internationales Polarjahr, IGY

Literatur[Bearbeiten]

  • Edmund Blair Bolles: Eiszeit. Wie ein Professor, ein Politiker und ein Dichter das ewige Eis entdeckten, Berlin 2000, ISBN 3870245220
    »Zur Forschungsgeschichte, insb. Louis Agassiz, Charles Lyell und Elisha Kent Kane.«
  • Hansjürgen Müller-Beck: Die Eiszeiten. Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte, München 2005, ISBN 3-406-50863-4
    »Knappe Einführung aus der Beck'schen Reihe.«
  • Josef Klostermann: Das Klima im Eiszeitalter, Stuttgart 1999, ISBN 3-510-65189-8
  • Stefan Winkler: Gletscher und ihre Landschaften - Eine illustrierte Einführung, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-89678-649-4

Rundfunkberichte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Ueber die Theorie der Gletscher – von Peter Merian aus dem Bericht über die Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft in Basel. No. V., 1843 (deutsch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Innsbrucker Nachrichten, 17. September 1902