Nuraghenkultur

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Kulturenabfolge auf Sardinen
Sardisch-Korsische Typenreihe
Nuraghe la Prisciona / Nuragendorf bei Arzachena in der Provinz Olbia-Tempio in der Gallura auf Sardinien

Die Nuraghenkultur auf Sardinien entwickelte sich etwa um 1600 v. Chr. während der Bronzezeit aus der Bonnanaro-Kultur. Sie wurde nach den von ihr errichteten Steintürmen, den Nuraghen, benannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Nuraghenkultur wird von Paolo Melis in fünf Haupt- und insgesamt neun Unterphasen eingeteilt:

  • 1a Sa Turricula oder Bonnanaro III oder B
  • 1b San Cosimo oder ceramica metopale
  • 2 Ceramica pettine / grigia
  • 3 Ceramica pregeometrica
  • 4a Geometrico
  • 4b Orientalizzante
  • 4c Arcaico
  • 5a Punico
  • 5b Romano

Die Nuragher pflegten ab etwa 1600 v. Chr. wirtschaftliche Beziehungen zum östlichen Mittelmeerraum (Minoische und Mykenische Kultur). Kupfer war auf Sardinien begehrt. Barren in Form einer Ochsenhaut waren zu dieser Zeit die typische Handelsform für Kupfer im Mittelmeerraum. Ihr Ursprung wird auf Zypern vermutet. Die meisten wurden aber auf Sardinien gefunden, wo nur wenig Kupfer gefördert wurde. Eine Spurenelementanalyse und massenspektrometrische Untersuchung von spätbronzezeitlichen Kupfer- und Bronzefunden aus Sardinien sowie von Kupfererzen erbrachte das Ergebnis, dass sämtliche sardischen Ochsenhautbarren von Zypern stammen, während die respektablen Kupfer- und Bronzegegenstände der Nuragher aus einheimischem Kupfer gefertigt sind. Einen Kupferexport, der von Sardinien ausging, gab es selbst in der späten Bronzezeit nicht. Womit die Nuragher im Gegenzug Handel mit Griechenland und Zypern trieben, bleibt offen.

Fremdeinfluss[Bearbeiten]

Als die Mykenische Kultur etwa 1050 v. Chr. endgültig unterging, gewannen die Phönizier die Seeherrschaft im Mittelmeer. Sie errichteten ab 650 v. Chr. (vermutlich mit Einverständnis der Nuragher) Niederlassungen, begannen aber 550 v. Chr. die Insel zu kolonialisieren. Die in Bedrängnis geratenden Nuragher griffen die Nachfolger der Phönizier, die Punier, 509 v. Chr. an und waren gelegentlich auch siegreich. Letztlich erfolgte aber eine großräumige Besetzung durch die Karthager (von den Römern Punier genannt). Zwischen 500 und 238 v. Chr. brachten sie die für sie interessanten Teile, mehrheitlich auf der Westhälfte der Insel gelegen, unter ihre Herrschaft und errichteten mehrere Orte (Bosa, Bythia (Chia), Cagliari, Cornus, Nora, Olbia, Sulki (heute Sant’Antioco) und Tharros). Das führte zu ethnischen und kulturellen Verschmelzungen. Die Nuraghenkultur, die einmalige Bronzefiguren schuf, ging dabei unter.

Die Bautechniken der zeitgleichen Torre-Kultur auf Korsika, der Sesioten auf Pantelleria sowie der Talayot-Kultur auf den Balearen sind vergleichbar mit denen der Nuragher.

Bauwerke[Bearbeiten]

Die Nuragher bauten neben den Nuraghen auch Gigantengräber (Madau, Muraguada) und prägten die Spätform der sardischen Felsgräber (Mesu 'e Montes, Molafa, Su Carralzu, Sos Furrighesos). Zwischen 1200 und 900 v. Chr. entstanden Nuraghen-Komplexe wie die Nuraghe Santu Antine, Su Nuraxi in Barumini und Sa Domu ’e s’Orcu. Sie bauten Brunnenheiligtümer (Sa Testa, Santa Cristina, Santa Vittoria, Su Tempiesu etc.). Von 1000 bis 700 v. Chr. wurde die Nuraghenkultur eisenzeitlich. In der Spätphase 900–500 v. Chr. entstanden besonders in der Provinz Nuoro, Nuraghensiedlungen, die eine andere, zum Teil nuraghenlose Form der Kultplatzgestaltung darstellen (Serra Orrios und Tiscali).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Paolo Melis: Nuraghenkultur. Carlo Delfino editore, Sassari 2003, ISBN 88-7138-276-5.
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Europäische Kultplätze der Steinzeit (= Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. Bd 36). Beier & Beran, Langenweissbach 2003, ISBN 3-930036-70-3.
  • Giorgio Stacul (Hrsg.): Arte della Sardegna nuragica (= Biblioteca moderna Mondadori. Bd. 704, ZDB-ID 1008729-1). Mondadori, Mailand 1961.
  • Gustau Navarro i Barba: La Cultura Nuràgica de Sardenya (= Col·lecció Sardenya. Bd. 1). Edicions dels A.L.I.LL., Mataró 2010, ISBN 978-84-613-9278-0.