Operation Verantwortlichkeit

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Operation Verantwortlichkeit, Siebentagekrieg
Teil von: Nahostkonflikt
Datum 25. Juli 1993–31. Juli 1993
Ort Libanon und nördliches Israel
Ausgang Waffenstillstand für zivile Ziele; umfangreiche Zerstörung libanesischer Infrastruktur; 300.000 Libanesen während der Operation vertrieben
Konfliktparteien
IsraelIsrael Israel, Südlibanesische Armee Hisbollah
Verluste
1 120 getötete libanesische Zivilisten,
8–50 Hisbollah-Kampfer (strittig)

Operation Verantwortlichkeit (englisch Operation Accountability) ist die israelische Bezeichnung für den am 25. Juli 1993 von den israelischen Streitkräften begonnenen Feldzug gegen den Libanon. Dort wird er aufgrund seiner Dauer Siebentagekrieg genannt. Israel gab drei Gründe für die Operation an: zum einen direkt die Hisbollah zu bekämpfen, es zu erschweren, dass die Hisbollah den Südlibanon als Ausgangsbasis für Anschläge gegen Israel nutzt und das Vertreiben von Flüchtlingen in der Hoffnung, dadurch Druck auf die libanesische Regierung auszuüben, gegen die Hisbollah zu intervenieren. [1] Die betroffene Zivilbevölkerung umfasste sowohl Libanesen als auch palästinensische Flüchtlinge.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Während des libanesischen Bürgerkrieges gehörte die Hisbollah zu den militanten Gruppen, die als Reaktion auf die israelische Invasion des Südlibanons entstanden. Obwohl sie zwar hauptsächlich vom Iran und später auch Syrien finanziert wurde, ging man davon aus, dass die Hisbollah vom Libanon gedeckt wird.

Als das Abkommen von Taif ins Leben gerufen wurde, änderte dies die libanesische Verfassung, um den Bürgerkrieg zu beenden und löste alle libanesischen Milizen auf. Es erwuchs dann ein Streit, ob das weitere Bestehen der Hisbollah im Libanon ein Versagen der Regierung, oder eine heimliche Unterstützung anzeigte. Die Hisbollah selbst behauptete, dass die Festlegungen von Taif bedeuteten, dass sie fortfahren würde, sich der israelischen Besetzung zu widersetzen und dass sie als „Widerstandsgruppe“ durch die Verfassung geschützt würde. Sayyid Hassan Nasrallah, damals Sicherheitschef der Hisbollah erklärt auch, dass, obwohl das Abkommen von Taif das Ende des libanesischen Bürgerkrieges markierte, die Hisbollah niemals im Bürgerkrieg involviert war und nur existierte, um die fremden Truppen zu bekämpfen, die in dem Land stationiert waren.

Casus belli[Bearbeiten]

Im späten Juni 1993 beschoss die Hisbollah ein israelisches Dorf mit Raketen und im folgenden Monat wurden bei Angriffen durch die Hisbollah und die Volksfront zur Befreiung Palästinas fünf Soldaten der israelischen Streitkräfte (IDF) im besetzten Gebiet getötet. Diese Aktion werden allgemein als der Auslöser für die Operation Verantwortlichkeit betrachtet.[2] Hisbollah erklärte jedoch, dass der Granatbeschuss eines israelischen Dorfs die Vergeltungstat für den Beschuss libanesischer Dörfer durch die IDF und Milizen der südlibanesischen Armee (SLA) war und der Angriff auf israelische Soldaten in der besetzten Zone zum Widerstand gegen die Okkupation rechtmäßig war.

Teilnehmer[Bearbeiten]

Die IDF-Truppen umfassten Artillerie, Kriegsschiffe und Jagdbomber. Von der Hisbollah ist bekannt, dass sie Mörsergranaten und Raketen einsetzte. Die SLA, die mit der IDF kooperierte, sendete Radiowarnungen auf ihren Sendern aus und forderte die zivile Bevölkerung auf, bestimmte Dörfer zu verlassen.

Verletzungen des Kriegsrechts[Bearbeiten]

Human Rights Watch und anderen Menschenrechtsorganisationen zufolge haben beide Seiten das Kriegsrecht verletzt, indem sie zivile Ziele angriffen.

Während der Operation bombardierte Israel tausende von Häusern und Gebäuden. Dies hatte zur Folge, dass 300.000 Zivilisten aus dem Südlibanon in Richtung Beirut und andere Gebiete flüchteten.[3] Israelische Kräfte zerstörten auch libanesische Infrastruktur und zivile Ziele, wie wichtige Elektrizitätsumspannstationen und Brücken. Nach HRW hat die IDF versagt, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um zivile Opfer zu minimieren und hat Waffen eingesetzt, die für die Umstände unangebracht waren.

Die Hisbollah revanchierte sich mit Raketenangriffen auf israelische zivile Ziele, die aber geringeren Schaden anrichteten. Die Hisbollah wurde auch beschuldigt, Waffen in zivilen Gebäuden zu verbergen.

Letztendlich erklärte die Hisbollah, dass der Angriff auf israelische Siedlungen nur Druck auf Israel ausüben sollte, um Angriffe auf libanesische Zivilisten zu stoppen - während Israel behauptete, ein ähnliches Motiv hinter seinen Angriffen zu haben.

Resultat[Bearbeiten]

Nach einer Woche wurde ein Waffenstillstand vereinbart, der durch die Vereinigten Staaten vermittelt worden war, in Form einer mündlichen Vereinbarung.[4] Aufgrund dieser Vereinbarung war Israel damit einverstanden, seine Angriffe gegen libanesische Zivilisten zu beenden und die Hisbollah stimmte zu, ihre militärischen Aktionen gegen die israelische Besetzung im Libanon zu begrenzen.[5]

Allerdings wurde die Vereinbarung nicht vollständig gehalten und im April 1996 startete Israel die Operation Früchte des Zorns.

Zusätzlich zu dem Tod von 118 Libanesen wurde auch eine umstrittene Anzahl von Hisbollah-Kämpfern getötet. Der libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri sagte, dass acht getötet worden waren, während der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin behauptete, es seien mehr als fünfzig gewesen. Durch die Raketenangriffe der Hisbollah waren zwei israelische Zivilisten getötet worden.[6]

Im Mai 2000 verließ Israel alle besetzten libanesische Gebiete und erfüllte damit die Resolution 425 des UN-Sicherheitsrates, zweiundzwanzig Jahre nach ihrer Verabschiedung. Die Schebaa-Farmen, ein syrisches Gebiet, das durch Israel gehalten wird, wird konsequent von der Hisbollah als zu Libanon gehörend beansprucht. Dem wurde vom UN-Generalsekretär Kofi Annan verschiedentlich widersprochen.[7] Nach dem israelischen Rückzug brach die SLA zusammen und manche derjenigen, die nicht nach Israel flohen, wurden getötet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]