Opferkult der Azteken

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Opfermesser aus Feuerstein (Anthropologisches Museum, Mexiko-Stadt)

Der Opferkult der Azteken stand im Zentrum ihrer Religion. Diese forderte – wie auch die anderer mittelamerikanischer Kulturen – Menschenopfer, um den Lauf der Sonne und den Fortbestand der Welt zu sichern. Die Azteken glaubten, dass das Universum aus dem Kampf zwischen Licht und Dunkelheit entstanden sei.

Opfer[Bearbeiten]

Darstellung eines dem Gott Huitzilopochtli geweihten Tempels mit einem Tzompantli (Codex Tovar, 1587)

Je nach Gottheit wurden Krieger, Sklaven, Kinder, (später auch Konquistadoren) etc. geopfert. Meist waren es jedoch Kriegsgefangene. Auch die Opferrituale waren je nach Gottheit unterschiedlich. Viele wurden beispielsweise verbrannt, gehäutet oder mit Pfeilen durchbohrt.

Die Anzahl der geopferten Menschen ist umstritten. Die spanischen Missionare und Konquistadoren aus damaliger Zeit haben vermutlich die Zahlen übertrieben. Die Schätzungen gehen weit auseinander und reichen von einigen tausend über 10.000 bis 15.000 bis hin zu 50.000 Menschenopfern pro Jahr. Der Soziologe René König setzte die Zahl der jährlich geopferten Menschen bei 500 bis 800 Menschen an. Einige der Nachkommen der Azteken halten sogar den ganzen Opferkult ihrer Vorfahren für eine Erfindung der spanischen Missionare. Der wohl wichtigste Vertreter dieser These ist der mexikanische politische Aktivist und Publizist Xokonoschtletl Gomora. In seinem Buch Die wahre Geschichte der Azteken behauptet er, dass es sich bei den Opferungen um chirurgische Eingriffe gehandelt habe. Dem widersprechen jedoch die Wissenschaftler und archäologische Funde, so auch die aus jüngster Zeit.[1][2]

Die Menschenopfer waren vermutlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in dem Maße eingeführt worden und hatten sich erst unter den Herrschern Axayacatl oder Auítzotl richtig behauptet. Einige Wissenschaftler sehen in dieser Entwicklung bereits ein Zeichen der Dekadenz und eines sich ankündigenden Untergangs des Aztekenreiches, unabhängig von den Spaniern.

Kannibalismus[Bearbeiten]

Der Kannibalismus der Azteken konnte eindeutig mit den Funden von Zultepec belegt werden. Dort wurde nachgewiesen, dass die Azteken über einen Zeitraum von etwa 7 Monaten 550 Menschen nach und nach geopfert und gegessen haben. (Der Tross des Pánfilo de Narváez) Für die Azteken war die rituelle Verspeisung ihrer Gegner eine heilige Handlung und kein wildes Gelage. Nur die besten Krieger und die vornehmsten Mitglieder der Gesellschaft nahmen daran teil.

Blumenkriege[Bearbeiten]

Das Aztekenreich hatte viele Enklaven

Um genügend Menschenopfer zu haben, veranstalteten die Azteken Feldzüge gegen andere Völker, die so genannten Blumenkriege (xochiyaoyotl). Im Aztekenreich gab es zahlreiche unabhängige Enklaven, wie Tlaxcala und Huexotzingo. Diese beiden Staaten benötigten ebenfalls Gefangene für ihre Opferzeremonien. Als 1450 eine große Trockenheit eintrat, beschlossen die Staaten, Kämpfe zu inszenieren. Hauptsächlich die Azteken konnten so viele „Blumen für die Götter“ (Gefangene) bekommen. Die Azteken griffen jedoch auch andere Enklaven an. Viele dieser unterdrückten Völker schlugen sich auf die Seite der Spanier. Nur mit deren Hilfe konnten die spanischen Eroberer das Aztekenreich einnehmen.

Weihe des Templo Mayor[Bearbeiten]

1487 weihte der aztekische Herrscher Auítzotl den neu errichteten Templo Mayor („Großer Tempel“), die oberste Kultstätte der Azteken. Zuvor war ein Blumenkrieg sehr erfolgreich beendet worden. Aztekischen Berichten zufolge sollen anlässlich dieser Weihe zu Ehren von Huitzilopochtli an vier Tagen bis zu 84.400 Menschen, hauptsächlich Kriegsgefangene, aber auch Freiwillige, geopfert worden sein, und zwar eigenhändig von Auítzotl selbst. Diese Zahl ist allerdings schon rein aus logistischen Gründen kaum glaubwürdig, da dies bedeutet hätte, dass rund um die Uhr an vier Tagen hintereinander ca. 15 Menschen pro Minute hätten getötet werden müssen. Die Forschung geht daher davon aus, dass die Zahl übertrieben wurde, um auf diese Weise den Glanz des Herrschers zu unterstreichen.

Götter, denen Menschen geopfert wurden[Bearbeiten]

Heute sind mindestens 13 aztekische Gottheiten bekannt, die Menschenopfer forderten. Wie die Krieger, so sollten auch die Geister der Opfer ein Teil der Sonne werden. Nach vier Jahren sollten sie dann als Kolibris wiedergeboren werden und in den Garten des Paradieses eingehen.

Huitzilopochtli[Bearbeiten]

Opferung zu Ehren des Huitzilopochtli, um 1570

Huitzilopochtli war der Sonnen- und Kriegsgott der Azteken. Damit die Sonne täglich scheint, brachte man täglich Opfer dar. Die Opferung zu Ehren Huitzilopochtlis fand gewöhnlich auf der Plattform vor dem Schrein des Gottes auf dem Tempel statt. Der Templo Mayor (Großer Tempel), die bekannteste aztekische Pyramide, war Huitzilopochtli (und Tlaloc) geweiht. Das Opfer stieg, lediglich mit einem Lendentuch bekleidet und mit roten und weißen Längsstreifen bemalt, auf die Pyramide. Vier Priester hielten das Opfer an den Gliedmaßen fest und streckten ihn auf einen Steinblock aus. Dieser Steinblock (techcatl) war ca. 50 cm hoch und bestand aus (heiligem) Vulkangestein. Ein fünfter Priester nahm ein Steinmesser und führte einen schnellen Schnitt unterhalb des Brustkorbes durch. Mit der Hand griff er unter die Rippen in den Brustkorb hinein und zog das schlagende Herz heraus. Die Adern wurden mit der Klinge durchtrennt und das Herz der Sonne entgegengehalten. Anschließend wurde es in einer Adlerschale abgelegt. Die Abbilder der Götter wurden anschließend mit dem warmen Blut getränkt. Es wird davon ausgegangen, dass die Körper der Geopferten die Tempeltreppe hinuntergestoßen und anschließend von den Menschen verzehrt wurden. Das Hinunterstoßen der Leichen wurde wohl mit Bezug auf den Mythos der Mondgöttin Coyolxauhqui durchgeführt, die von ihrem Halbbruder Huitzilopochtli erschlagen und den Hang des Berges Coatepec hinuntergestürzt wurde.

Xipe Totec[Bearbeiten]

Xipe Totec war der Kriegs- und Fruchtbarkeitsgott der Azteken. Die Opferung für Xipe Totec sollte einen positiven Einfluss auf die Maisernte haben. Die Opfer, meist Kriegsgefangene, wurden an einen Pfahl gefesselt und von aztekischen Kriegern mit Pfeilen durchbohrt. Danach zog man ihnen die Haut ab, die anschließend 20 Tage vom Priester getragen wurde. Damit sollte das neue, grüne Kleid, das der Frühling der Erde bringt, symbolisiert werden. Die ausgetrocknete Haut wies noch die Noppen der Fettschicht auf und soll knackende Geräusche beim Tragen von sich gegeben haben. Die Gesichtshaut trug der Priester als Maske.

Anfang des 14. Jahrhunderts kamen die Azteken nach Colhuacan, wo der Herrscher Achitometl regierte. Er ließ die Azteken in der Nachbarschaft siedeln; die Azteken leisteten dafür Söldnerdienste und mussten Tribut zahlen. 1323 genehmigte Achitometl die Heirat zwischen seiner Tochter und dem Azteken-Häuptling. Die Azteken hießen die Tochter willkommen und opferten sie dem Xipe Totec. Als Achitometl zur Hochzeit eingeladen wurde, sah er, wie ein Priester die Haut seiner Tochter als Tanzkleid trug. Daraufhin flohen die Azteken vor Achitometls Armee zum Texcoco-See, wo sie zwei Jahre später Tenochtitlán gründeten.

Tlaloc[Bearbeiten]

Tlaloc ist der Regengott der Azteken. Die Opferungen zu Ehren des Tlaloc sollten Regen herbeiführen. Sie fanden meist im Frühling oder bei Dürreperioden statt. Geopfert wurden Kinder, da die Azteken Kindertränen mit Regentropfen verglichen. Die Kinder wurden also, auch durch Folter, zum Weinen gebracht und in Käfige gesperrt. Dort verhungerten sie entweder oder wurden später gepfählt. Viele Tränen bedeuteten dabei viel Regen. Der Große Tempel wurde Tlaloc geweiht.

Vor einigen Jahren fand man in der Nähe des Tlaloc-Tempels in Tenochtitlán (heute Mexiko-Stadt) über 30 Skelette von Kindern. Man nimmt an, dass sie Tlaloc geopfert wurden. Es ist einer der wenigen Skelettfunde von Opfern überhaupt.

Huehueteotl[Bearbeiten]

Huehueteotl war der Feuergott der Azteken. Die Opfer wurden lebendig im Feuer verbrannt. Man nimmt an, dass man die Opfer vorher mit Drogen betäubte.

Teteoinnan[Bearbeiten]

Teteoinnan (auch Toci) war die Mutter der Götter. Ihr zu Ehren opferte man Frauen, die gehäutet wurden.

Tlazolteotl[Bearbeiten]

Tlazolteotl war die Göttin der Lust und Erdmutter der Azteken. Sie brachte den Menschen aber auch Krankheiten und verursachte Krämpfe. Auch ihr opferte man Frauen, die gehäutet wurden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Schulz: Totenkult am Feuerberg. In Der Spiegel vom 26. Mai 2003 (Ausgabe 22/2003)
  2. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.zdf.deDer Opferkult der Azteken.Grausige Funde und schreckliche Berichte in ZDF-Expedition (Fernsehbericht ausgestrahlt am 30. Oktober 2005)

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Hassler: Menschenopfer bei den Azteken? Eine quellen- und ideologiekritische Studie. Peter Lang Verlag, Bern 1992, ISBN 3-261-04587-6 (zugl. Dissertation, Universität Zürich 1992).
  • Marvin Harris: Kannibalen und Könige. Die Wachstumsgrenzen der Hochkulturen (Cannibals and Kings, 1977). Dtv, München 1995, ISBN 3-423-30500-2.
  • Hanns Jürgen Prem : Die Azteken. Geschichte, Kultur, Religion. C.H. Beck, München 5. Aufl. 2011, ISBN 978-3-406-45835-4.
  • Hugh Thomas: Cortez und Montezuma. Die Eroberung Mexikos (Conquest, 1995). Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-596-14969-X.

Weblinks[Bearbeiten]