Enklave

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C ist eine Enklave in A und eine Exklave von B in A.

Eine Enklave (von französisch enclaver ‚umschließen‘) ist ein Staatsgebiet, das vollständig vom Gebiet eines anderen Staates umschlossen ist, also keine Grenze zu einem zweiten Staat und keinen eigenen Zugang zur hohen See hat.

Beispiele sind Büsingen am Hochrhein, Lesotho, San Marino und Vatikanstadt.

In übertragener Bedeutung spricht man auch von Enklaven, wenn sich in einem sonstigen geografischen Gebiet ein Einsprengsel eines anderen Gebietes befindet, etwa bei Verbreitungsgebieten von Tier- oder Pflanzenarten (zum Beispiel eine Nadelwaldenklave in einem großen Laubwald), Siedlungs- oder Sprachinseln, verschiedenen Konfessionsgebieten usw.

Grenzfälle[Bearbeiten]

Gebiete am Wasser[Bearbeiten]

Bei Gebieten, die am Meer oder an Binnenseen liegen, sprechen die meisten dann nicht von einer Enklave, wenn die Gebiete eine durchgehende Verbindung ihrer Hoheitsgewässer zur staatsfreien hohen See oder einem anderen Teil des gleichen Staates haben.

Eine echte Enklave am Wasser stellt dagegen Campione d’Italia dar, weil der Luganersee zwischen Campione und dem anderen italienischen Teil des Sees Schweizer Hoheitsgebiet ist.

Inseln[Bearbeiten]

Inseln werden grundsätzlich nicht als Enklaven angesehen. Ausnahmen sind seltene Fälle, in denen Inseln vollständig von Hoheitsgewässern eines anderen Staates umschlossen sind, wie zum Beispiel die argentinische Insel Martín García im uruguayischen Teil des Río de la Plata oder die zu Malawi gehörigen Inseln Likoma und Chizumulu im mosambikanischen Teil des Malawisees. Die vor Kanada liegenden französischen Inseln Saint-Pierre und Miquelon liegen zwar innerhalb der 12-Meilen-Zone, haben aber einen vertraglich zugestandenen Zugang zur offenen See und gelten daher (politisch) nicht als Enklaven.

Funktionale Enklaven[Bearbeiten]

Manche Gebiete haben zwar eine Landverbindung zum Rest des eigenen Staatsgebiets, können aber über das Gebiet eines anderen Staates besser erreicht werden. Das österreichische Kleinwalsertal, dessen einzige Straßenverbindung ins deutsche Oberstdorf führt, ist ebenso wie Samnaun in der Schweiz solch ein Beispiel. Solche Gebiete sind zwar keine Enklaven, weisen aber viele ihrer Merkmale auf. Sie werden gelegentlich Pene-Enklaven genannt (in Anlehnung an englisch Peninsula für „Halbinsel“). Eine faktisch funktionale Enklave kann auch bestehen, wenn es zwar eine Straßenverbindung gibt, aufgrund geografischer Gegebenheiten dennoch die Ortschaft ganz auf ein anderes Gebiet ausgerichtet ist. Ein Beispiel hierfür ist das niedersächsische Büscherheide im Eggetal, das postalisch, kirchlich, kulturell usw. faktisch in vielen Bereichen des täglichen Lebens ein Teil Nordrhein-Westfalens ist.

Exterritoriale Gebiete[Bearbeiten]

Exterritoriale Gebiete sind Gebiete, in denen die Gesetze des umliegenden Staates nicht gelten, die ansonsten aber als zu dessen Staatsgebiet gehörig angesehen werden. Solche exterritorialen Gebiete werden nicht als Enklaven angesehen. Dies gilt zum Beispiel auch für die exterritorialen Besitzungen des Heiligen Stuhls oder des Malteserordens in Rom.

Enklaven in anderen Gebietskörperschaften[Bearbeiten]

Der Begriff der Enklave kann auch auf andere Gebiete als auf Staaten angewandt werden. So kann man die Schweiz – zusammen mit Liechtenstein – als Enklave in der Europäischen Union ansehen oder Bremen als Enklave in Niedersachsen. Gleiches gilt aber nicht für das Bundesland Freie Hansestadt Bremen als solches.

D: Exklave, die keine Enklave ist

Enklaven und Exklaven[Bearbeiten]

Mit Ausnahme selbstständiger Staaten sind alle Enklaven auch Exklaven. Wenn man andere Verwaltungsebenen betrachtet, gilt entsprechendes: Jede Enklave ist eine Exklave, es sei denn, sie stellt auf der betrachteten Ebene eine abgeschlossene Einheit dar. So ist Bremerhaven eine Exklave des Landes Bremen; das Land Berlin ist dagegen zwar eine Enklave in Brandenburg, aber keine Exklave. Selbiges gilt auch in Österreich für das Land Wien[1], welches vollständig von Niederösterreich umgeben wird.

Enklaven zweiter und höherer Ordnung (Unterenklaven)[Bearbeiten]

Enklaven können ihrerseits Unterexklaven enthalten. Derzeit (November 2014) gibt es in der Welt keine Enklave zweiter oder höherer Ordnung mit einer der Ordnungszahl entsprechenden Anzahl beteiligter Länder, das heisst es gibt keine Enklave eines Landes A innerhalb einer Enklave B innerhalb eines Landes C. Unter Beteiligung von nur zwei Ländern gibt es Enklaven zweiter Ordnung. Bestehende Enklaven zweiter Ordnung befinden sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman (Nahwa innerhalb Madha), Belgien und den Niederlanden (Ortschaft Baarle-Nassau und Baarle-Hertog), sowie im Grenzgebiet zwischen Bangladesch und Indien (um Kuchlibari), welches mit 198 Enklaven 80% der weltweiten Enklaven beheimatet, wovon 24 Enklaven zweiter Ordnung sind. Das Gebiet um Kuchlibari beheimatet auch die einzige Enklave dritter Ordnung: eine indische Enklave in einer bangladeschischen Enklave, welche in einer indischen Enklave innerhalb von Bangladesch liegt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Schmidt: Exklaven und Enklaven. Und andere territoriale Anomalien. Grin Verlag, München 2008, ISBN 978-3-640-17973-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verfassung der Bundeshauptstadt Wien (Wiener Stadtverfassung – WStV)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Enklave – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Exclaves and Enclaves – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien