Organspendeausweis

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Der Organspendeausweis ist eine Willenserklärung für den Todesfall. Er ermöglicht es, auszudrücken, ob man nach dem Tod mit einer Organentnahme und Gewebeentnahme einverstanden ist, nicht einverstanden ist, oder ob man jemanden Dritten bevollmächtigen will, im Todesfall diese Entscheidung zu treffen. Vorausgesetzt, der Ausweis ist im Bedarfsfall auffindbar und unmissverständlich ausgefüllt, kann sich der potenzielle Organspender sicher sein, dass entsprechend seinen Wünschen und Einschränkungen auf dem Organspendeausweis verfahren wird.

Deutschland[Bearbeiten]

Deutscher Organspendeausweis
Organspendeausweis.png
Vorderseite
Organspendeausweisrückseite.png
Rückseite

Rechtsfragen[Bearbeiten]

Der von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) herausgegebene Organspendeausweis ist kein amtliches Formular. Es ist ebenso möglich, den Wunsch zur Spende aller oder einzelner Organe formlos auf einem Blatt Papier festzuhalten. Auch Minderjährige können einen Organspendeausweis anlegen. Nach dem deutschen Transplantationsgesetz können Jugendliche ab dem 16. Geburtstag ihre Bereitschaft zur Organspende wirksam erklären. Ab dem 14. Lebensjahr kann der Organspende wirksam widersprochen werden. Bei jüngeren Spendern obliegt die Entscheidung den Erziehungsberechtigten.

Mit dem 1. November 2012 trat die Novellierung des Transplantationsgesetzes in Kraft. Mit dieser Überarbeitung sollte sichergestellt werden, dass jeder Bundesbürger mindestens alle zwei Jahre über die Möglichkeiten der Organspende informiert wird. Eine Entscheidungspflicht ging damit nicht einher.[1]

Aufbau des Organspendeausweises[Bearbeiten]

Der in Deutschland meistgenutzte Organspendeausweis (von der BZgA) besteht aus Papier und ist etwa 8,5 × 5,5 cm groß. Auf der Vorderseite sind Name und Anschrift des Ausweisinhabers einzutragen. Auf der Rückseite gibt der Ausweisinhaber seine persönliche Erklärung zur Organspende ab, indem er aus den dort genannten Optionen die für ihn gültige wählt.

Die Angaben können bei Bedarf im Absatz Anmerkungen/Besondere Hinweise ergänzt werden und gelten durch die Unterschrift des Ausweisinhabers und das gesetzte Datum der Ausstellung als bestätigt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Organspendeausweis ist in vielen Apotheken, Arztpraxen und Krankenhäusern sowie bei Krankenkassen kostenlos erhältlich. Durch das Ausfüllen des Organspendeausweises wird man nicht registriert und kann seine Angaben jederzeit nach Belieben ändern. Es wird empfohlen, den Ausweis stets mit sich zu führen und sich in regelmäßigen Abständen einen neuen Ausweis zu besorgen, damit der darin aufgeführte eigene Wille durch ein aktuelles Datum unterstrichen wird.

Geschichte und Statistik[Bearbeiten]

Der erste Organspendeausweis Deutschlands wurde am 3. November 1971 ausgegeben.[2]

2001 gaben in einer repräsentativen GfK-Umfrage 6,7 Prozent der Bevölkerung an, nach dem Tod Organspender sein zu wollen und einen Ausweis zu besitzen; weitere 23 Prozent wollten ebenfalls nach dem Tod ihre Organe spenden, besaßen aber keinen Ausweis; 19,3 Prozent lehnten Organspenden ab.

2007 verfügten in Deutschland 13 Prozent der 18- bis 29-jährigen über einen Organspendeausweis.[3] Ende 2007 verteilte die Bundesregierung in einer Aktion sechs Millionen Ausweise.[4]

2008 gaben 16 Prozent der Bevölkerung an, nach dem Tod Organspender sein zu wollen und einen Ausweis zu besitzen; weitere 52 Prozent wollten ebenfalls nach dem Tod ihre Organe spenden, besaßen aber keinen Ausweis; 5,3 Prozent lehnten Organspenden ab.[5] Ende 2008 wurden in Deutschlands Apotheken zehn Millionen Ausweise verteilt.[5]

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt an, jedes Jahr 1,5 Millionen Organspendeausweise und rund 800.000 Broschüren zu verbreiten.[6]

Die Techniker Krankenkasse verteilte 2010 in einer Aktion weitere 2 Millionen Ausweise.[7]

Seit dem 1. November 2012 sind Krankenkassen durch das Inkrafttreten des neuen Transplantationsgesetzes dazu verpflichtet, ihre Versicherten ab 16 Jahren schriftlich zu befragen, ob sie zur Organspende bereit sind. Dazu wird ihnen auch ein Organspendeausweis zugeschickt. Am 30. Mai 2013 startete das Bundesgesundheitsministerium und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine neue Kampagne mit dem Namen "Das trägt man heute: den Organspendeausweis".[8] Mit ihr sollen sich wieder mehr Deutsche für einen Organspendeausweis entscheiden.

Schweiz[Bearbeiten]

Rechtsfragen[Bearbeiten]

In der Schweiz gilt die Erweiterte Zustimmungslösung.

Spendekarte der Schweiz[Bearbeiten]

Die Spendekarte der Schweiz ist kein amtliches Formular.

Bei Angabe von Name, Vorname, Geburtsdatum und Unterschrift können folgende Optionen gewählt werden:

  • Ich gestatte im Falle meines Todes die Entnahme jeglicher Organe, Gewebe und Zellen.
  • Ich gestatte im Falle meines Todes die Entnahme von (Ankreuzen): Herz, Lungen, Leber, Nieren, Dünndarm, Bauchspeicheldrüse (Pankreas), Augenhornhaut (Cornea), Haut, weiteren Geweben und Zellen.
  • Ich gestatte im Falle meines Todes keine Entnahme von Organen, Geweben oder Zellen aus meinem Körper.

Zudem kann Name, Adresse und Telefonnummer einer Vertrauensperson angegeben werden, welche im Fall des Todes über eine Entnahme von Organen, Geweben oder Zellen entscheiden soll.

Die Spendekarte wird ohne Ausnahme zusammen mit einer umfassenden Informationsbroschüre abgegeben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Organspendeausweis – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Marco Andrea Frei, "Die erweiterte Zustimmungslösung gemäss Art. 8 Transplantationsgesetz", Zürich, Schulthess Verlag, 2012, ISBN 978-3-7255-6708-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Paragraph II des TPG 1. November 2012
  2. Heute vor… in "Märkische Oderzeitung", 3. November 2008, S. 1
  3. Umfrage des Forsa-Instituts In: Arzt & Wirtschaft Nur eine Organspende kann das Leben anderer retten!, 09/2007, S. 8
  4. Saarbrücker Zeitung 22. November 2007
  5. a b Repräsentative IPSOS-Umfrage In: Apotheken-Umschau und BABY und Familie PDF
  6. taz.de 21. Mai 2009
  7. bild.de 4. Mai 2010
  8. Bundesgesundheitsministerium startet neue Kampagne für mehr Spenden, abgerufen am 30. Mai 2013.