Orientalisches Zackenschötchen

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Orientalisches Zackenschötchen
Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis)

Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Buniadeae
Gattung: Zackenschötchen (Bunias)
Art: Orientalisches Zackenschötchen
Wissenschaftlicher Name
Bunias orientalis
(L.)

Das Orientalische Zackenschötchen (Bunias orientalis), auch als Glattes Zackenschötchen oder Türkische Rauke bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Es ist eine in Mitteleuropa nur gebietsweise verbreitet vorkommende Art. Es blüht vorwiegend von Mai bis August.

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Schötchen

Die zwei-, seltener auch mehrjährige krautige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von etwa 25 bis 200[1] Zentimeter und besitzt eine spindelförmige Wurzel. Der Stängel wächst aufrecht, ist im oberen Teil verzweigt und bildet einen umfangreichen, rispigen Gesamtblütenstand. Der Stängel ist mit warzigen Höckern besetzt und dicht behaart bis fast kahl. Die untersten Laubblätter sind länglich-lanzettlich geformt und bis zu 40 Zentimeter lang, die folgenden sind fiederteilig und besitzen einen großen, mehr oder weniger dreieckigen gezähnten Endlappen und ein bis zwei Seitenlappen. Die obersten Laubblätter sind meist linealisch-lanzettlich geformt, ungeteilt und sitzend.

Die Kronblätter sind gelb und haben eine Länge von etwa 5 bis 8 Millimeter. Die ein- bis zweifächrige Frucht ist schief-eiförmig, höckerig, etwa 5 bis 10 Millimeter lang und flügellos. Sie sitzt auf 7 bis 17 Millimeter langen, aufrecht abstehenden Stielen.

Vorkommen[Bearbeiten]

Allgemeine Verbreitung[Bearbeiten]

Bunias orientalis kommt von Sibirien bis Ost- und Südosteuropa vor. Es breitet sich zunehmend nach Mittel- und Nordeuropa aus. In der Schweiz tritt die Art nur stellenweise auf.

Verbreitung in Deutschland[Bearbeiten]

Das Orientalische Zackenschötchen kommt im mittleren Teil des Gebiets zerstreut bis verbreitet vor. In Norddeutschland ist es bisher selten oder fehlt ganz. Südlich der Donau ist es stellenweise zu finden. Massenvorkommen finden sich inzwischen vor allem in den warmen Muschelkalkgebieten Thüringens, Nordbayerns und Hessens, wo die Pflanze sich insbesondere seit den 1990er Jahren verstärkt vermehrt. [1]

Verbreitung in Österreich[Bearbeiten]

Neilreich berichtete 1867 erstmals von einigen Exemplaren im Prater, welche im Zuge einer landwirtschaftlichen Ausstellung bzw. durch lagernde Kavallerieregimenter eingeschleppt worden sein dürften.[2] Inzwischen tritt das Zackenschötchen in Österreich in allen Bundesländern zerstreut bis selten auf und ist im ganzen Gebiet in Ausdehnung begriffen. Im pannonischen Gebiet ist die Art voll eingebürgert, in den anderen Gebieten stellenweise nur unbeständig.[3]

Standortansprüche[Bearbeiten]

Das Orientalische Zackenschötchen wächst an Verkehrswegen, auf Ruderalstellen, in Frischwiesen sowie an Weinbergen. Es bevorzugt kalkreiche, mäßig trockene bis frische, lehmige Böden. Es ist eine lichtliebende Pflanze. Nach Ellenberg ist es eine Halblichtpflanze, intermediär-kontinental verbreitet, ein Frischezeiger, auf mäßig stickstoffreichen Standorten wachsend und eine Verbandscharakterart Halbruderaler Pionier- und Lockerrasen-Gesellschaften (Convolvulo-Elymion (=Agropyrion) repentis).

Ökologie und Invasionsbiologie[Bearbeiten]

Bunias orientalis in Samenreife durch zu späte Mahd

Es handelt sich um eine erst in jüngerer Zeit in Mitteleuropa eingeschleppte Pflanze (invasive Pflanze), die sich in weiterer Ausbreitung befindet. An den bereits besiedelten Standorten kann sich die Pflanze bei günstigen Bedingungen (Störungen, Erdtransporte, ungünstiges Mahdregime) sprunghaft vermehren. Das Orientalische Zackenschötchen produziert eine hohe Zahl von Samen, die mit Hilfe von Erdtransporten, Mähwerkzeugen, Tierfutter und Tieren auch über größere Distanzen verteilt werden. [4] Oft finden sich erste Pionierpflanzen an frisch gestörten Stellen, an Verteilerkästen, Laternenmasten usw., von wo aus sich das Orientalische Zackenschötchen überraschend schnell ausbreiten kann. Auch Wurzelfragmente können den Ursprung von neuen lokalen Populationen bilden[5].

Das Orientalische Zackenschötchen ist ein Hemikryptophyt (inklusive Zweijähriger) und ein Tiefwurzler. Die Blüten werden von Insekten bestäubt, auch Selbstbestäubung liegt vor. Das Orientalische Zackenschötchen ist ein Steppenroller mit Klettausbreitung der Früchte.

Bekämpfung der Pflanze[Bearbeiten]

Mit Hilfe eines Unkrautstechers ausgehobene Wurzel von Bunias orientalis

Das Orientalische Zackenschötchen bildet zunächst lückige, später oft sehr dichte, bis maximal zwei Meter hohe Bestände, in denen die oft ursprünglich vorhandene Wiesenvegetation weitgehend und teilweise nahezu komplett verdrängt wird. Nach einer Mahd regenerieren die Pflanzen sehr rasch und bilden große Blattrosetten. Die wirksamste Bekämpfung der Orientalischen Zackenschote besteht im vollständigen Ausstechen der Pflanze mit einem Unkrautstecher. Eine Mahd kann die weitere Ausbreitung verhindern, muss aber zur Blütezeit stattfinden, um ein Aussamen zu verhindern (zu später Zeitpunkt) bzw. damit die Pflanzen nicht erneut Blütenstände bilden (zu früher Zeitpunkt). Eine Behandlung mit Herbiziden kann bei großflächigen Beständen die einzige Möglichkeit darstellen, das Orientalische Zackenschötchen mit vertretbarem Aufwand zu kontrollieren. Ein Mulchen kann die Ausbreitung der Pflanze fördern, weil eine Keimung der Samen durch die Methode erleichtert wird. Pflanzen mit halbreifen und reifen Samen sollten in geeigneter Weise entsorgt werden, so dass ein Auskeimen ausgeschlossen werden kann.

Nutzung[Bearbeiten]

Die jungen und noch zarten Triebe können gekocht oder auch als Salat verzehrt werden. Die einjährige Wurzel wird wie Meerrettich verwendet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Markus Woitke (2001): Artenkombination, Etablierungsstadium und anthropogenes Störungsregime als Einflußfaktoren auf die Bestandsentwicklung der invasiven Brassicaceae Bunias orientalis L. und Rorippa austriaca (Crantz)Besser in experimenteller Vegetation. Diss., Universität Würzburg download
  2. Wolfgang Adler, Alexander Ch. Mrkvicka (Hrsg.): Die Flora Wiens - gestern und heute. Die wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen in der Stadt Wien von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrtausendwende, Wien 2003, S. 373, ISBN 978-3900275969
  3.  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 630.
  4. http://www.infoflora.ch/de/assets/content/documents/neophyten/inva_buni_ori_d.pdf
  5. http://www.floraweb.de/neoflora/handbuch/buniasorientalis.html

Literatur[Bearbeiten]

  • Haeupler/Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands, Ulmer Verlag, Stuttgart, 2000, ISBN 3-8001-3364-4
  • Adler, Oswald, Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Ulmer Verlag, Stuttgart und Wien, 1994, ISBN 3-8001-3461-6
  • Binz, Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz, Schwabe & Co. AG, Basel, 1986, ISBN 3-7965-0832-4
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Ulmer Verlag, Stuttgart, 1990, ISBN 3-8001-3454-3
  • Christian August Friedrich Garcke: Illustrierte Flora, 1972, Verlag Paul Parey, ISBN 3-489-68034-0
  • H. Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 5. Auflage, Ulmer-Verlag, 1996
  • Margot Spohn/ Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Enzyklopädie, Kosmosverlag, 2005
  • Schmeil-Fitschen: Die Flora von Deutschland interaktiv, ISBN 3-494-01368-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Orientalisches Zackenschötchen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien