Orientius

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Orientius war ein spätantiker lateinischer Dichter aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Dichter Orientius identisch mit dem gleichnamigen Bischof von Augusta Ausciorum in Südgallien, über dessen Leben drei Heiligenviten berichten und der um 438 im Auftrag der Westgoten als Gesandter zum weströmischen magister militum Flavius Aëtius geschickt wurde.

Orientius ist Verfasser eines Gedichts in elegischen Distichen unter dem Titel Commonitorium, das in zwei Bücher eingeteilt ist und 1036 Verse umfasst. Es behandelt unter anderem aus christlicher Perspektive die Wirren, die Gallien durch die beginnende Völkerwanderung erlitt, auseinandersetzt. Das Werk, dessen Bezüge auf ältere Dichter wie Vergil und Ovid die klassische Bildung des Verfassers verraten, ist in eleganten Hexametern gehalten und kann als Beleg dafür gelten, dass im Gallien des 5. Jahrhunderts auch unter schwierigen Bedingungen noch Literatur von Rang verfasst wurde: Das Commonitorium gilt als eine der bedeutendsten spätlateinischen Dichtungen.

Editionen[Bearbeiten]

  • Orienzio, Carme esortativo (Commonitorium). Testo con introduzione e traduzione di Carmelo A. Rapisarda. Catania 1960; nuova edizione riveduta, Catania 1970.
  • S. Orientii Episcopi Illiberitani Commonitorium. Nunc primàm typis excussum, emendatum & Notulis illustratum a Martino Delrio Societatis Jesu Presbytero. Joach. Trognaesius, Antwerpen 1600, online; zweite Auflage: S. Orientii Episcopi Illiberitani Commonitorium. Iterum emendatum, ac Notis secundis illustratum a Martino Delrio Societatis Jesu Presbytero. Antwerpen 1604, online.

Literatur[Bearbeiten]